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Aus Christin wurde Chris

Der 18-jährige Chris hat seit Kurzem eine Freundin. Nichts Ungewöhnliches für einen jungen Mann. Doch: Eigentlich heißt er Christin und ist biologisch ein Mädchen. Nach und nach wurde es zu Chris.

Dass Chris einmal Christin war ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Dass Chris einmal Christin war ist auf den ersten Blick kaum zu erkennen.

Chris ist 18 Jahre alt und ein selbstbewusster junger Mann. Er interessiert sich für Mädchen und für Sport. In einem wesentlichen Punkt unterscheidet sich sein Leben aber von dem Gleichaltriger: Chris ist transsexuell. Er wurde als Mädchen geboren und heißt eigentlich Christin. Doch nicht einmal als Kind fühlte er sich weiblich. "Ich habe immer als Junge empfunden, ich war nie ein Mädchen", sagt Chris im Gespräch mit stern TV. "Schon im Kindergarten habe ich nur mit Jungs gespielt, und ich betreibe auch nur Jungensport: also Fußballspielen, Breakdance oder Kickboxen."

Auch die Mutter bemerkt früh, dass Körper und gefühltes Geschlecht ihres Kindes nicht zusammenpassen: "Christin war so um die vier oder fünf Jahre alt, als es anfing, dass sie nur noch Jungenssachen anziehen wollte", erzählt sie. "Und mit fünf oder sechs sagte sie plötzlich, dass sie sich umoperieren lässt, wenn sie groß ist."

Gefangen im falschen Körper

Chris fühlt sich im falschen Körper gefangen, weil es nicht der Körper ist, den er sich wünscht. Vor allem die Veränderungen während der Pubertät sind für den Teenager unerträglich: "Man fühlt sich ja als ganz normaler Junge", sagt Chris rückblickend. "Und wenn man in den Spiegel guckt, und sieht, dass man eine Brust hat, dann merkt man erst, man ist kein richtiger Junge. Aber man möchte es gerne werden." Verzweifelt versucht der Teenager in dieser Zeit seine Weiblichkeit zu verstecken, bricht jeglichen Kontakt zu Gleichaltrigen ab und zieht sich immer mehr in seine eigene Welt zurück.

Anders als bei den meisten Betroffenen erkennen die Eltern die Not ihres Kindes sehr früh. Sie lassen zwei unabhängige Gutachten erstellen. Beide bestätigten die Transsexualität ihres Kindes. Mit Beginn der Pubertät wird Chris erlaubt, eine Hormontherapie zu beginnen. Regelmäßige Spritzen unterdrücken seitdem die weibliche Pubertät und fördern männliche Entwicklungen. Das Testosteron muss Chris lebenslang nehmen, die Nebenwirkungen sind noch ungewiss.

Seit Chris seine Transsexualität offen ausleben kann, geht es ihm besser. Auch seine Freunde schenken dem Mut Anerkennung. Optisch kommt der 18-Jährige seinem Ziel immer näher: Durch die Hormonbehandlung haben Muskelmasse und Körperbehaarung zugenommen. Auch seine Namensänderung ist längst amtlich: Aus Christin wurde ganz offiziell Chris. Dass er sich mit seiner Männlichkeit identifiziert, soll eine Tätowierung ausdrücken: "Ich habe mir ein Tattoo stechen lassen, das heißt 'Chris', weil ich immer Chris war. Und das wollte ich auch meinen Mitmenschen zeigen."

Eine transsexuelle Beziehung

Seit einiger Zeit hat der 18-Jährige auch eine feste Freundin: Christa! Die beiden lernten sich vor fast einem auf einer Geburtstagsparty kennen. "Oh, der ist ja süß. Das war das was ich gedacht habe", sagt Christa über ihren ersten Eindruck. Über E-Mails und SMS lernten sich die beiden besser kennen. Dann trafen sie sich zum Tee, oder auch mal zum Kuscheln. "Die Transsexualität spielt in unserer Beziehung für mich gar keine Rolle", so die 18-Jährige."Ich kenne ihn nur, wie er jetzt ist - Chris als Mann. Es kommt eigentlich nicht vor, dass ich denke 'das wirkte jetzt irgendwie weiblich'."

Chris klebt sich mittlerweile täglich ein Hormonpflaster auf seinen Körper. Dadurch nimmt der Testosteronspiegel nicht ab. Sein Aussehen ändert sich immer weiter – weg vom Mädchen, hin zum Mann. Der nächste entscheidende Schritt auf seinen Weg wäre die geschlechtsangleichende Operation. Doch damit will Chris noch warten. Noch seien die Ergebnisse dieser Operationen für ihn nicht zufriedenstellend, erklärte Chris bei stern TV. Auch seine Christa meint: "Diese Operation würde insofern für mich eine Rolle spielen, weil ich dann weiß, dass Chris danach natürlich glücklicher ist. Aber es ist nicht so, das jetzt irgendwas fehlt. Das wäre wirklich das Letzte, was mich stören würde." Und das wurde auch im Gespräch mit den beiden deutlich: Als Mann geliebt zu werden, das kann Christa Chris schon heute geben. Auch ohne die letzte Operation.

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