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Wird Ihre Rente zum Leben reichen?

Fast alle Deutschen freuen sich auf den Ruhestand. Dann wollen wir das Leben genießen! Den meisten wird das aber nicht gelingen. Trotz lebenslanger Arbeit und Beiträgen zur Rentenversicherung wird die gesetzliche Rente nicht reichen. Aber was kann man dagegen tun?

  Nur ein paar Scheine für den Lebensunterhalt - so geht es vielen alten Menschen schon heute.

Nur ein paar Scheine für den Lebensunterhalt - so geht es vielen alten Menschen schon heute.

Nach der Berufstätigkeit sehen viele die Zeit kommen, in der man sich Träume erfüllen und das Leben genießen kann. Blickt man auf das Einkommen zukünftiger Senioren, wird sich dieser Wunsch in vielen Fällen aber wohl nicht erfüllen. Denn: Die gesetzliche Rente reicht teilweise nicht mal mehr zur Grundversorgung. "Alle Bundesbürger müssen sich darauf einstellen, dass sie weniger Rente bekommen, als sie zum Leben brauchen. Diese Lücke muss ausgeglichen werden", sagt Thorsten Rudnik, der ehemalige Vorstand des Bundes der Versicherten. Er arbeitet mittlerweile als freiberuflicher Versicherungsberater und weiß um die Probleme der Altersvorsorge. "Grob gesagt: Wer immer durchschnittlich verdient, der wird mal 45 Prozent seines Bruttogehalts an Rente bekommen. Und wenn man sich das ausrechnet, dann weiß man: Das reicht nicht zum Leben. Ohne private Altersvorsorge wird man in die Altersarmut abrutschen." Die meisten Deutschen ahnen aber gar nicht, was in ein paar Jahren oder Jahrzehnten auf sie zukommt, so Rudniks Erfahrung.

Der Rentenbescheid zeigt jedem seine Rentenlücke

Das Thema Altersvorsorge ist unangenehm, kompliziert – und für die meisten noch weit weg. Deshalb wandert bei uns der jährliche Bescheid der Rentenversicherung schnell auf den Papierstapel und dann in die Schublade. Aber was steht da eigentlich drauf? Was bedeuten die Zahlen dort für die eigene Zukunft konkret?
Der Rentenbescheid weist drei Zahlen aus.

  • Den obersten ausgewiesenen Betrag bekommt man, wenn man jetzt zu 100 Prozent erwerbsunfähig wird.
  • Die zweite Zahl ist der Betrag, den man bisher angespart hat. Je nach bisherigen Einzahlungsjahren kann der recht gering sein
  • Der dritte Betrag ist die voraussichtliche monatliche Rente, wenn man bis zum Renteneintritt genauso weiter arbeitet und einzahlt, wie bisher. 

Thorsten Rudnik hält diese letzte Zahl für irreführend, da heutzutage fast niemand mehr sein Leben lang in demselben Beruf arbeitet und immer das Gleiche verdient. Für Frauen, die sich zwischenzeitlich beispielsweise um die Kindererziehung kümmern, wird der Rentenanspruch immer geringer. "Die Prognose gilt nur unter der Voraussetzung, dass ich so weiterarbeite, wie ich es bisher getan habe. Aber das ist bei vielen nicht der Fall. Es kann immer etwas dazwischen kommen. Und deswegen ist diese Prognose nicht ganz ernst zu nehmen."

Rente wird künftig noch stärker besteuert

Von der ausgewiesenen künftigen "Regelaltersrente" müssen Rentner zudem noch Kranken- und Pflegeversicherung bezahlen – und auch Steuern. Damit verringert sich die Rente um rund ein Viertel. Zurzeit werden 66 Prozent des Rentenbetrags besteuert, in der Zukunft aber mehr. Bis im Jahr 2040 dann der ganze Rentenbetrag besteuert werden soll. "Das sind riesige Abzüge, die auf dem Rentenbescheid nicht ausgewiesen werden", kritisiert Thorsten Rudnik.

Zusätzlich werde auch die Inflation einen Teil der Rente fressen. Das Geld wird in 20 oder 30 Jahren einfach viel weniger wert sein – die bloße Zahl sagt also kaum etwas darüber aus, wie gut man von dem Geld künftig leben werden kann. "Deshalb droht vielen Menschen im Alter ein 'böses Erwachen'", so Rudnik. Es müsse in der Renteninformation stärker darauf hingewiesen werden, was unterm Strich übrig bleibt. 

Rentenberechnung zeigt Lücken auf

"Mehr als 200 Euro monatlich werden fehlen, das ist erschreckend", stellte Bianca B. fest. Die alleinerziehende Mutter von drei Kindern ist eine von mehreren stern TV-Zuschauern und Zuschauerinnen, denen die Redaktion eine Analyse der zukünftigen Rente angeboten hat. "Für so eine Berechnung braucht man den Bedarf des Kunden, den ich mit ihm ermittele. Und auf der anderen Seite stehen alle Verträge, die er schon  hat, daraus ermittelt man die Differenz", sagt der Finanzexperte Thomas Rudnik. 


Bianca B. gehört als Frau per se schon zu einer "Risikogruppe". Von 1987 bis 2000 arbeitete sie als kaufmännische Angestellte, dann kam die Kinderpause. Jetzt verdient sie seit 2012 als Schulbegleiterin wieder 865 Euro netto und zahlt einen gewissen Betrag in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Zwar erhält die Alleinerziehende Unterhalt von ihrem Exmann, doch mehr als eine Riesterrente für 35 Euro monatlich kann sie sich nicht leisten. Laut Rentenbescheid soll sie zukünftig 995 Euro Rente bekommen – inklusive Riester in Höhe von 61 Euro pro Monat hätte sie 1056 Euro. Davon werden 143 Euro Steuern und Sozialversicherung (Kranken / Pflege) abgezogen. Ihr bleiben dann also 913 Euro Rente. Damit wird sie ihre zu erwartenden Ausgaben von mindestens 1150 Euro im Monat nicht decken können. Der Unterhalt des Exmannes entfällt dann. So ergibt sich für Bianca B. schon nach heutigem Stand eine Rentenlücke von über 230 Euro jeden Monat – für den Rest ihres späteren Lebens. "Es gibt Fälle, in denen eine Alleinerziehende schon so schwer über die Runden kommt", weiß Rentenexperte Thorsten Rudnik. "Da macht es auch keinen Sinn, auf Kampf noch eine Altersvorsorge aufzubauen. Da muss man dann leider auch sagen, dass im Alter wahrscheinlich ergänzende Sozialleistungen erforderlich sind."

Das Paar Diane L. und Robert R. hat im Monat zusammen 2800 Euro Nettoeinkünfte. Das Geld geben sie meist komplett aus. Immerhin haben sie etwas privat vorgesorgt: Robert R. mit einer betrieblichen Rente, Diane L. mit einem Riestervertrag. Im Alter hoffen sie so auf 2500 Euro Rente, obwohl ihre Ausgaben vermutlich gleich bleiben werden. "Man versucht maximal zu verdienen und fürs Alter vorzusorgen. Aber was will man mehr, als arbeiten?", sagt Robert R. Experte Thorsten Rudnik hat die Zukunft für die beiden genauer ausgerechnet. Inklusive Riester und betrieblicher Altersvorsorge würde das Paar auf eine gemeinsame Bruttorente von 2894 Euro kommen. Abzüglich 289 (10 Prozent) für Kranken- und Pflegeversicherung und 238 Euro für Steuern (laut Steuertabelle 2016) bleiben für beide zusammen nach heutigem Stand 2367 Euro übrig. "Das sind 200/300 Euro pro Monat, also 2000 bis 3000 Euro im Jahr. Das kann der Jahresurlaub sein, den wir nicht mehr machen können", so Robert R. Zudem müssen beide weiterarbeiten wie bisher. Ein Kind würde schon diese ganze Planung komplett überwerfen. 


Im Alter angewiesen auf Grundversorgung?

Für Versicherte lohnt sich die Rentenversicherung erst richtig, wenn sie sehr alt werden – am besten über 90 Jahre. Ist man bereits 50 Jahre oder älter und entdeckt jetzt eine Rentenlücke, sollte man sich genau durchrechnen, ob eine zusätzliche Altersvorsorge überhaupt noch lohnt. "Oft lohnt sich das eben nicht mehr", so Rudnik. "Und dann kann man sich die Investition auch sparen, weil man sowieso auf Sozialhilfe angewiesen sein wird."

So bitter es klingt: Das betrifft vor allem Geringverdiener die beispielsweise zum Mindestlohn von 8,50 Euro arbeiten und keine zusätzliche betriebliche Altersvorsorge aufbauen können. Diejenigen müssten im deutschen Rentensystem über 60 Jahre lang Vollzeit arbeiten, um auf eine Rente in Höhe der gesetzlichen Grundsicherung zu kommen. Diese Regelsätze orientieren derzeit sich an  den Hartz IV-Sätzen, wie viel das in Zukunft ist, weiß keiner.

Um zusätzliche Rentenansprüche aufzubauen, lohnt für Niedrigverdiener allenfalls die Riester-Rente. Mit monatlichen Sparbeträgen ab fünf Euro können sie sich so zumindest die staatliche Förderung von jährlich 154 Euro sichern. Für Kinder ab dem Geburtsjahr 2008 gibt es jährlich 300 Euro Förderung zusätzlich. Über 25 Jahre gerechnet sind das 3850 Euro Grundförderung und 7500 Euro für ein Kind, das geboren wird.
Um davon wirklich zu profitieren, sollte man aber selbst ohne Riesterzusatz auf eine Rente in Höhe der Grundsicherung kommen, ansonsten wird die Riesterrente auf die Grundsicherung angerechnet und wäre weg. 

Gregor Gysi bei stern TV: "Die Riester Rente ist ein Flop"

Live in der Sendung diskutierten genau diesen Aspekt der Bundestagsabgeordnete der Linkspartei, Gregor Gysi und der ehemalige Arbeitsminister Walter Riester (SPD) und als solcher Erfinder der Riester-Rente. "Die Riester-Rente ist ein Flop!", so Gysi wörtlich. Er übte heftige Kritik an der vor 15 Jahren eingeführten privaten Vorsorge. Vor allem Geringverdiener kämen auch mit der Riester-Rente oft nicht einmal auf das Niveau der Grundsicherung. "Das ist nicht fair. Da muss es eine deutliche Aufklärung geben."

Walter Riester verteidigte "seine" private Rente: Er würde die Riester-Rente noch immer jedem empfehlen, der "Jahrzehnte Zeit hat, Rücklagen zu bilden." Eine Mischung aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Rente sei die einzig richtige Lösung zur Vermeidung der Altersarmut.

Einer Studie der Postbank zufolge beschäftigen sich die meisten Deutschen eher ungerne mit dem Thema Altersvorsorge. Nur 34 Prozent der noch Erwerbstätigen sind über die Höhe ihrer späteren Rente informiert, obwohl den meisten klar ist, dass sie für ihr Alterseinkommen selbst aktiv werden müssen. Eine Erkenntnis, die in jedem Fall schon ein Schritt Richtung ist.

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