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Ein Welpe soll zum Lebensretter erzogen werden

Der neunjährige Mike leidet an Diabetes. Bei Kindern kann die Zuckerkrankheit lebensbedrohliche Situationen auslösen. Deshalb soll Labrador-Welpe Paul für Mike zum Diabetes-Warnhund ausgebildet werden

Wenn Mike zum Spielen nach draußen geht, ist Paul an seiner Seite. Auch nachts ruht der Labrador-Welpe nehmen Mike. Seit zwei Monaten ist der Hund sein ständiger Begleiter. Mike und Paul bilden ein spezielles Team: Der viereinhalb Monate alte Welpe soll für Mike künftig Helfer in der Not sein. Denn der Junge hat Diabetes. Sein Blutzuckerspiegel muss permanent kontrolliert werden, selbst nachts muss seine Mutter alle zwei Stunden messen. Sinkt oder steigt er über einen Toleranzwert, soll Paul das erkennen und Alarm schlagen. Mit ihrer feinen Nase können einige Hunde einen Unterschied im Körpergeruch – abhängig vom Blutzuckerwert – erschnuppern.

Seit einigen Wochen wird Paul auf den Geruch von Mike trainiert. Die Hundetrainer Angelika Runkel und Michael Plotzki sollen aus Paul einen Super-Schnüffler machen. In ihrer Hundeschule Vistadogs erziehen sie Familienhunde zu Diabetes-Warnhunden. Paul helfen dabei Gegenstände, an denen Mikes Körpergeruch haftet, als der Junge einmal stark unterzuckert war. Der Labrador soll diesen Geruch bald zielsicher erkennen. Nur wenn er das in einigen Wochen bei der "Aufnahmeprüfung" kann, ist er qualifiziert für die weitere Ausbildung. Den Hunden machen diese Spiele Spaß. Vielen Hunden tue es gut, wenn sie eine Aufgabe bekommen und entsprechendes Feedback, wenn sie ihren "Job" gut gemacht haben, erklärt Michael Plotzki.

Ein antrainiertes Notfallprogramm

Die gesamte Ausbildung von Paul wird etwa ein Jahr dauern und ein zwischen sieben und 12.000 Euro kosten. Wenn er ein fertiger Diabetes-Spürhund ist, soll Paul es so gut können, wie Sammy. Sie ist die Familienhündin der Völkers. Tochter Anni leidet ebenfalls an Diabetes. Für sie ist Sammy eine zusätzliche Sicherheit: "Es gibt nichts Schöneres, als ein Tier, das einem so viel Wärme und Nähe gibt und auf einen aufpasst und einem sagt 'Mit dir stimmt etwas nicht'. Und für ein Kind ist so etwas nicht zu bezahlen", sagt Annis Mutter.

Im Test mit einer Geruchsprobe schlägt Sammy gleich Alarm, so hat sie es gelernt. Mehr noch: Wenn Anni nicht reagiert, soll Sammy einen Notfallknopf drücken, einen Haus-Gong. Als Anni in der gespielten Situation noch immer nichts unternimmt, geht die Hündin selbst Hilfe holen: In einem Notfallbeutel auf einem Tisch im Nebenraum ist Traubenzucker. Die Hündin schnappt sich den Beutel und bringt ihn zu seinem Frauchen. Sammy ist so trainiert, dass sie im Notfall dieses gesamte Programm abspult – bis Anni gerettet ist. "Wenn Sammy sich meldet, dann stimmt das auch immer", sagt Annis Vater. Ein regelmäßiges Messen des Blutzuckerspiegels bleibt dennoch das A und O bei einer Diabetes vom Typ 1, wie Anni und auch Mike sie haben.

Auf zum Schnüffel-Examen!

Wie Sammy soll sich auch Labrador Paul eines Tages intensiv und zuverlässig um Mike kümmern. Doch zuvor muss der Hund sein Schnüffel-Examen bestehen. Familie Wenk ist dafür nach Darmstadt gefahren. Im Test muss Paul Geruchsproben von Mike erschnüffeln. "Ganz wichtig ist, dass er den Stoff, den er da riecht, von seinem Spielzeug unterscheidet", erklärt Hundetrainer Michael Plotzki. "Deswegen ist es ein neutrales Spielzeug und eines, an dem der Duftstoff haftet. Mein erster Eindruck ist sehr gut, freudig, verspielt, verfressen, was für die Ausbildung später ganz wichtig ist." Paul kann, wie alle Hunde, eine Million mal besser riechen als wir Menschen. Aus allen Gerüchen muss er Mikes Geruch herausfiltern. "Ich habe Angst, dass er es nicht schafft", sagt Mike. "Aber Mama hat gesagt, wir behalten ihn auf jeden Fall." Am Ende ist diese Entscheidung vorerst außer Frage: Labrador Paul hat alle Tests bestanden und kann nun seine Ausbildung zum Diabetes-Warnhund antreten.

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