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Können Handy-Akkus beim Laden explodieren?

Explodierende und brennende Akkus des neuen "Galaxy Note 7" von Samsung machten weltweit Schlagzeilen. Tatsächlich können Lithium-Ionen-Akkus unter bestimmten Bedingungen explodieren. stern TV hat recherchiert, was an dieser These dran ist - und wie sicher unsere Handys wirklich sind.

Explodierte Handys: eine Legende oder gefährlicher, als bisher angenommen?

Explodierte Handys: eine Legende oder gefährlicher, als bisher angenommen?

Wie sicher oder unsicher sind unsere Smartphones? Mit Berichten über explodierte Akkus sorgt das neue Smartphone von Samsung derzeit weltweit für negative Schlagzeilen. Für den Hersteller des groß angekündigten "Galaxy Note 7" ein herber Rückschlag. Nach gemeldeten 92 Zwischenfällen und mehreren Verletzungen bei Kunden, empfahl Samsung das Ausschalten des Geräts und rief offiziell zum Umtausch des neuen Galaxy auf: der Akku könne explodieren. 

Doch wie groß ist die Gefahr wirklich, dass die so genannten Lithium-Ionen-Akkus, die in den allermeisten Smartphones verbaut sind, Feuer fangen? Gemeinsam mit Physiker und Youtuber Philip Häusser hat stern TV den Test gemacht: "Wenn so ein Smartphone explodiert, dann ist es nicht einfach irgendein Teil, sondern immer der Akku", erklärt Häusser. "Ein solcher Akku besteht aus mehreren Chemikalien. Sie nehmen die elektrische Energie auf und können sie speichern. Plus- und Minuspol des Akkus sind im Inneren von einem so genannten Separator getrennt, der einen Kurzschluss verhindert. Wird dieser Separator, also die Trennwand, beschädigt – etwa durch Hitze oder Druck von außen – entlädt sich die gesamte Energie in Sekundenbruchteilen. Dabei entsteht große Hitze und es kann zur Explosion kommen", so die Erklärung des Physikers. 

Folgenschwerer Brand, 50.000 Euro Schaden

So war es auch bei Schauspielerin Tanja Wenzel aus Braunschweig. An einem Samstagmorgen im Dezember 2015 wurde sie von ihrem Handywecker geweckt. Ihr Glück, dann kurz nachdem sie das Schlafzimmer verlassen hatte, explodierte aus noch immer ungeklärten Gründen der Akku ihres Smartphones und verursachte in Tanja Wenzels Wohnung einen folgenschweren Brand. Materieller Schaden: etwa 50.000 Euro. "Ich habe das Handy noch in die Hand genommen und sehe: 8:40 Uhr", erzählt sie. Dann sei sie aufgestanden, in die Küche gegangen und plötzlich habe das Handy angefangen zu piepen. "Es hörte nicht auf, ich war schon genervt. Bis mir die Idee kam: Geh' doch mal rüber ins Wohnzimmer. Und da standen die Flammen schon auf dem Schlafsofa, auf dem ich noch 60 Sekunden früher gelegen habe. Die Flammen waren über einen halben Meter hoch und es war schon alles verqualmt." 

So schonen und schützen Sie Ihren Akku
Richtig laden

Laden und entladen Sie Ihren Akku nicht stets vollständig, sondern halten Sie den Akkustand zwischen 30 und 70 Prozent. Das erhöht bei den Akkus der neueren Generationen tatsächlich die Lebensdauer. 

Einmal pro Monat kalibrieren

Ein vollständiges Entladen auf 0 % und anschließendes voll Laden auf 100 % sollten Sie zwar regelmäßig, aber nur in größeren Abständen von etwa einem Monat vornehmen. Das hat zwar keine Auswirkungen auf den Akku, aber auf die Kalibrierung der Ladeelektronik. Ab und zu sollten Sie das Smartphone auch einmal ganz aus- und wieder einschalten.

Nicht am Netz hängen lassen

Die Geräte und damit Akkus sollten nicht permanent am Kabel hängen. Auch das verringert die Lebensdauer und Ladefähigkeit der Akkus. das gilt übrigens insbesondere für Laptops und Tablets.

Nicht bei Hitze laden

Ein Akku sollte nicht in der Sonne liegen, während er am Strom hängt. Und auch kurz danach nicht geladen werden. Generell sollten Sie ein heißes Handy während des Ladevorgangs (Auto im Sommer) vermeiden. Insgesamt gilt: Ab Temperaturen von 40 Grad Celsius leidet der Akku erheblich. Schützen Sie Ihr Smartphone deshalb vor zu hohen Temperaturen.

Bei Kälte das Gerät "warm halten"

Wintersportler aufgepasst: Auch Kälte macht Smartphones und Tablets übrigens zu schaffen. Betreiben Sie die Geräte nicht bei zu kalten Temperaturen. Fällt das Thermometer unter 10 Grad, sollten Sie es "warm halten".

Immer nur Original-Zubehör verwenden

Verwenden Sie sowohl beim Laden als auch in puncto Ersatzteile immer nur Originalzubehör und Teile – der Marke und dem Gerätetyp entsprechend. Nur dann ist die Spannung der Netzteile und Akkus aufeinander optimal abgestimmt.

Auf Beschädigungen und Anzeichen achten

Sollte Ihr Smartphone beschädigt oder heruntergefallen sein und anschließend bei der Benutzung oder dem Ladevorgang ungewöhnlich warm werden, schalten Sie es aus und lassen Sie es beim Händler überprüfen. Vor allem ein "Aufblähen" des Akkus/Gehäuses deutet auf ein erhebliches Problem hin.

Nicht auf wärmespeichernden Unterlagen laden

Unter dem Kopfkissen, auf dem Sofa, in der Handtasche – niemals sollten Sie Ihr Smartphone auf Unterlagen oder an Orten laden, die luftundurchlässig bzw. schlecht belüftet sind oder die Wärme nicht abgeben. Dann kann es schnell zur Überhitzung kommen.

Akkus dürfen nicht in die Luftfracht

Übrigens: Die Internationale Zivilluftfahrtorganisation hat den Transport von Lithium-Ionen-Akkus im Laderaum von Passagiermaschinen vorerst verboten. Die meisten Fluggesellschaften kommen der Aufforderung nach. In die Kabine hingegen dürfen Laptops, Smartphones und Tablets weiterhin mitgenommen werden. Alle, außer des Galaxy Note 7 von Samsung, das sollte aufgrund der aktuellen Probleme während des Fluges auf jeden Fall ausgeschaltet bleiben.

Akku sparen

Wer genervt ist, dass das Smartphone ständig an die Strombuchse muss, der sollte seine Einstellungen überprüfen. Laufen bei Ihnen permanent "Stromfresser" wie Bluetooth, GPS-Ortung, Displaybeleuchtung auf voller Kraft oder irgendwelche Apps im Hintergrund? Auch ein veraltetes Betriebssystem kann der Grund für Akku-Probleme sein, halten Sie Ihr Smartphone auf dem neuesten Stand. 

Brände und Explosionen selten, aber möglich

Dass so etwas passiert, ist bislang extrem selten, bestätigt auch der TÜV Rheinland: Grundsätzlich sind die Akkus sehr sicher, sofern sie bestimmungsgemäß verwendet werden. Das ergab auch der stern TV-Test von Philip Häusser: Um überhaupt eine Explosion erzeugen zu können, musste der Physiker zunächst die Schutzmechanismen des Handys umgehen. "In den Smartphones sind natürlich ziemlich viele Sicherheitsvorkehrungen getroffen, damit es eben nicht explodiert. Angefangen bei der Strombuchse: Da gibt es Bauteile, die checken, ob die Spannung zu hoch ist und dann normalerweise abblockt. Und auch am Akku selbst gibt es Bauteile, die die Temperatur checken. Das kennen die meisten: Wenn man das Smartphone in der Sonne liegen lässt, dann geht es irgendwann von selbst aus, oder gar nicht mehr an." Erst mit Hilfe einer Auto-Batterie konnte Philip Häusser den Akku gezielt überladen. Beim ersten Versuch stieg allerdings lediglich die Temperatur des Kabels leicht an, beim zweiten entstand Rauch – doch keine Explosion. Erst beim dritten Anlauf mit einem stärkeren Kabel, blähte sich der Akku plötzlich auf – und explodierte. Dabei kam es für ein paar Sekunden zu Temperaturen um 1000 Grad. "Wir hatten dabei allerdings alle Sicherheitsmechanismen überbrückt", so Häusser. Das sei kein realistisches Szenario. "Aber wenn der Akku wirklich defekt ist, kann so etwas passieren." 

So geschehen bei der 13-jährigen Ariel Tolfree aus Texas: Das Mädchen wachte nachts auf, weil ihr Smartphone - ein Samsung Galaxy S4 - unter dem Kopfkissen brannte. Sie hatte Glück im Unglück. Übrig blieb nur noch ein verschmorter Haufen Kunststoff. Ursache für die plötzliche Selbstentzündung war der Akku eines Drittherstellers, der von Samsung nicht offiziell freigegeben war. Offenbar hatte die 13-Jährige den Akku über Nacht unter dem Kopfkissen geladen.

Im Fall des Galaxy Note 7 soll der Akku minimal zu groß für das Gehäuse sein und deshalb Druck darauf kommen. Die Ursache ist jedoch noch nicht ganz geklärt. Lithium-Polymer-Akkus und Lithium-Ionen-Akkus, wie sie im Großteil der Smartphones stecken, können in seltenen Fällen oder bei nicht sachgerechter Nutzung zu heiß werden - und in Extremfällen sogar explodieren. Aus Sicherheitsgründen sollten Sie die weiter oben stehenden Tipps beherzigen, um Ihren Akku zu schonen und sich selbst zu schützen.

Antworten von IT-Experte Tobias Schrödel auf Zuschauerfragen:

Kevin S.: Wer haftet, falls man sich mit diesem defekten Akku die Haut verbrennt, oder sich anderweitig verletzt?
Eine eindeutige Antwort kann ich dazu nicht geben. Es gibt zwar ein Produkthaftungsgesetz, das unter Umständen greift. Allerdings darf dann keine unsachgemäße Nutzung oder Lagerung vorliegen und das Gerät auch keine Vorschäden aufweisen.

Nad Dom: Warum liefern einige Provider das Note 7 noch aus, obwohl es den Rückruf von Samsung gibt? Gilt mit dem Rückruf kein Vermarktungsstop / Verkaufsverbot (der aktuellen Geräte)?
In den USA hat das Verbraucherschutzministerium den Verkauf vorerst komplett untersagt. In Deutschland gab es aktuell "nur" einen Produktrückruf, dem auf freiwilliger Basis, dem die Besitzer eines neuen Note 7 nachkommen sollen. Allerdings betraf der Fehler lediglich eine Herstellungsreihe der Smartphones. Es werden inzwischen Note 7 verkauft, bei denen der Fehler kontrolliert bzw. behoben ist - erkennbar an einem grünen Akku-Symbol im Display (anstatt wie üblich weiß).

Tatjana M.: Worauf muss man beim Kauf achten? Und sind herausnehmbare Akkus besser und sicherer als fest verbaute?
Ein fest verbauter Akku ist weder sicherer, noch hat er bessere Kapazitäten. Es geht lediglich darum, dass diese Geräte reparierbar sind und man nicht ein funktionsfähiges Gerät wegwerfen muss, nur weil der Akku defekt ist und man diesen nicht tauschen kann.

Jonas F.: Ist es nicht möglich, eine geringere Spannung beim Laden des Akkus zu erzeugen, um den Akku so weniger zu belasten? Eventuell durch ein anderes Netzteil, das weniger Leistung abgibt?
Das ist nicht eindeutig zu beantworten, solange nicht bekannt ist, was tatsächlich das Problem ist.

Andy B.: Ich habe ein iPhone 5 und habe schon öfters erlebt, dass es so heiß wird, dass ich es kaum anfassen kann. Ist das normal? Was kann ich machen?
Dass ein Akku mal heiß wird, wenn er "gestresst" ist, kommt schon vor. Mehrere Schutzvorrichtungen am Akku werden im Normalfall aber eine gefährliche Überhitzung unterbinden. Wenn die extreme Hitze des Akkus nur hin und wieder mal auftritt, würde ich das Gerät einfach neu starten. Meist ist es dann gut. Wird der Akku regelmäßig übermäßig heiß, sollten Sie den Akku überprüfen und/oder austauschen lassen.

Viktoria L.: Was tut man, wenn der Akku zu heiß wird? Laut Apple soll man dann die Temperatur herunterkühlen. Also in den Kühlschrank?
Schnell herunterkühlen – also von extrem heiß zu extrem kalt – tut keinem Material gut. Das kann auch Peripherie oder dem Glas schaden und zu (Mikro-)Rissen führen. Besser ist es, das Gerät auszuschalten und auf ein Wärme ableitendes Material zu legen. Also beispielsweise auf eine kühle Metallplatte, nicht auf ein Kissen.

A.: Kann ein Akku schneller explodieren, wenn er in der Sonne liegt? Oder ist das ein Aberglaube?
Volle Sonneneinstrahlung über einen längeren Zeitraum könnte – wenn auch selten – zu einer "Explosion" führen. In der prallen Sonne kommen schnell extrem hohe Temperaturen zustande. Sind diese so hoch, dass der Separator von Minus- und Pluspol im Akku schmilzt, fängt er an zu brennen. Dabei bläht sich der Akku extrem auf und sprengt irgendwann das enge Gehäuse des Smartphones. Es handelt sich also nicht um eine wirkliche Explosion, das Gehäuse platzt nur auf. Weil es dabei brennt und raucht, sieht das aber wie eine Explosion aus. Legen Sie das Smartphone möglichst nicht länger in die Sonne, um es nicht zu beschädigen. Wie Sie Ihren Akku schonen und schützen, können Sie auch weiter oben in unseren Tipps nachlesen.

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