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Warum es allen Grund gibt, sich um die dritte Generation zu sorgen

Als stern TV die Familie 1994 erstmals besuchte, zeigte sich ein erschütterndes Bild: Dreck, Alkohol, Gewalt. Und die Kinder mittendrin. Inzwischen erwachsen, kämpfen sie nun um ihre eigenen Kinder.

Eine Großfamilie mit Bekanntheitsgrad: Auch die Enkelkinder von Karin Ritter wuchsen größtenteils im Kreise der Großfamilie in der Angerstraße auf.

Eine Großfamilie mit Bekanntheitsgrad: Auch die Enkelkinder von Karin Ritter wuchsen größtenteils im Kreise der Großfamilie in der Angerstraße auf.

Seit 18 Jahren berichtet stern TV über die Ritters. Die Großfamilie lebt in einer Obdachlosenunterkunft im ostdeutschen Köthen - bereits seit über 20 Jahren. In armen Verhältnissen, zwischen gewaltbereiten, rechtsradikal gesinnten Erwachsenen wuchsen die sechs von Karin Ritter auf. Inzwischen selbst erwachsen, haben sie mehrfach Bekanntschaft mit der Justiz gemacht, waren im Gefängnis oder sind vorbestraft. Auch die Jugendfürsorge hat in der Vergangenheit mehrmals eingegriffen. Doch Mutter Karin Ritter hat die Familie immer wieder zusammengeholt. Heute sagt sie: "Ich hasse meine Jungs, alle vier. Die sind besser im Knast aufgehoben, als hier draußen. So traurig es ist, aber es ist die Wahrheit."

Dennoch sorgt sich Karin Ritter um ihre Enkel, die acht Kinder ihrer Tochter. Auch die 35-jährige Karina Ritter musste sich bereits vor Gericht verantworten und wurde im letzten Jahr zu zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt: Weil ihr Verlobter ihre Mutter beleidigt haben soll, setzte sie angeblich vier Schläger auf ihn an. Inzwischen ist keines ihrer Kinder mehr bei ihr. Im Jahr 2009 wurden sie vom Jugendamt in Kinderheime überwiesen. Nun kämpft Karina Ritter um das Aufenthaltsbestimmungsrecht für ihre Kinder.

Welche Chancen hat die dritte Generation?

Diesmal wandte sich Mutter Karin Ritter selbst an stern TV. Die Familie habe Angst um die Kinder. Karin Ritter, überzeugt es würde ihnen im Kinderheim schlecht gehen, erhebt schwere Vorwürfe: Ihre Enkel würden in den Unterbringungen missbraucht und misshandelt, glaubt Oma Karin Ritter. "Der Kevin ist 13 Jahre alt, haut nachts vom Kinderheim ab, weil er geprügelt wird. Und keiner sagt was", schildert sie einen Vorfall aus ihrer Sicht. "Die machen die gleiche Scheiße wie mit uns", sagt Sohn Norman. Auch der heute 28-Jährige und seine fünf Geschwister wurden damals vom Jugendamt voneinander getrennt in Kinderheimen untergebracht. Die Kinder von waren vor allem durch ihr hohes Gewaltpotenzial aufgefallen, tönten bereits als Schüler mit rechtsradikalen Parolen, prügelten sich herum und schüchterten ihre Mitschüler ein.

Peter Grimm ist der Leiter des zuständigen Jugendamtes Anhalt-Bitterfeld. Er betreut die Familie seit Jahren, erinnert sich auch an die sechs und die damaligen Zustände im Haus der Ritters. Für ihn sind die aktuellen Anschuldigungen gegenüber den Kinderheimen "schlichtweg an den Haaren herbeigezogen". Grimm räumt ein, dass es Vorfälle gab - die acht Kinder seien nicht einfach. Trotzdem seien die Situationen anders gewesen, als von Karin Ritter beschrieben.

Fakt ist, dass bisher viele der Hilfen durch das Jugendamt und die Fürsorge bei den Ritters gescheitert sind. Auch die Kinder von Karina Ritter sind bereits auffällig geworden. Doch gibt es für die dritte Generation der Familie Ritter überhaupt eine Chance auf ein Leben, dass nicht geprägt ist von Gewalt und Verwahrlosung? Psychologin Stefanie Jaursch glaubt daran: "Man müsste diesen Kindern Selbstbewusstsein geben, ihnen beibringen, dass sie auch etwas wert sind und etwas können." Die Geschichte der Familie Ritter aus Köthen scheint sich trotz allem zu wiederholen - und beschäftigt die Behörden auch nach fast zwanzig Jahren noch immer.

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