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FAQ

Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Pillenrisiko

Ist meine Pille unter den risikoreichen? Wie kann ich wechseln? Woran erkenne ich, ob ich ein Thromboserisiko oder gar schon Anzeichen habe? Antworten auf diese und weitere wichtige Fragen finden Sie hier.

Alle kombinierten hormonalen Kontrazeptiva (Antibabypolle, andere hormonelle Verhütungsmittel) erhöhen das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels. Das Gesamtrisiko ist zwar gering und betrifft nur wenige Frauen im Vergleich zu der Zahl, die hormonelle Verhütungsmittel anwenden, allerdings können Blutgerinnsel schwerwiegend und in sehr seltenen Fällen sogar tödlich sein. Deshalb ist es besonders wichtig, dass Sie erkennen, ob und wann Sie ein höheres Risiko haben und auf welche Anzeichen Sie achten sollten. 

Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu haben wir hier zusammengestellt:

Welche Pillen enthalten welche Hormone?

Die weiblichen Geschlechtshormone – Östrogene und Gestagene – regeln den Menstruationszyklus. In den Antibabypillen sind diese Hormone in der Regel kombiniert enthalten. Das sind die so genannten Mikropillen. Die so genannten Minipillen hingegen enthalten nur Gestagen.
Das Gestagen in den Pillen wird künstlich hergestellt und heißt dann Desogestrel, Dienogest, Gestoden, Chlormadinon, Drospirenon, Cyproteron oder Nomegestrol. Das sind Wirkstoffe die wie Hormone auf die Gebärmutterschleimhaut wirken und somit eine Schwangerschaft verhüten. Frauen, die keine Östrogene einnehmen sollen, werden oft Pillen mit diesen Wirkstoffen verordnet. Zumal sich manche gut auf das Hautbild auswirken.
Levonorgestrel ist ebenfalls ein gestagenähnlicher, hormoneller Wirkstoff. Pillen, die auf diesem Gestagen basieren, werden laut "Pillenreport 2015" von den Arzneimittelexperten als weniger risikoreich eingestuft. Sie gehören der 1. und 2. Generation an und sind schon länger auf dem Markt, als die neuen Pillen mit den oben genannten Wirkstoffen (3. und 4. Generation).

Wie hoch ist das Risiko eines Blutgerinnsels bei welchem Gestagen?

Bei der Einnahme von Pillen der 1. und 2. Generation (z. B. mit dem Gestagen Levonorgestrel) erleiden etwa 5 bis 7 von 10.000 Frauen innerhalb eines Jahres eine Thrombose. Im Vergleich dazu haben Pillen der 3. oder 4. Generation (Drospirenon, Gestoden, Desogestrel) ein bis zu doppelt so hohes Risiko für eine Thrombose.

 Die verschiedenen Gestagene mit ihren jeweiligen Thromboserisiken finden Sie hier:

Generation  
 
Gestagen
                               
Risiko für eine venöse Thromboembolie
innerhalb eines Jahres
1. und 2. Levonorgestrel
Norethisteron
Norgestimat**
Etwa 5-7 von 10.000 Frauen
3. und 4.Drospirenon
Gestoden
Desogestrel
Etwa 9-12 von 10.000 Frauen
3. und 4. Chlormadinon
Dienogest
Nomegestrol***
Noch nicht bekannt*
Zum VergleichFrauen, die keine hormonellen
Verhütungsmittel verwenden
und nicht schwanger sind
Etwa 2 von 10.000 Frauen


* Um das Risiko für diese Produkte einschätzen zu können, sind weitere Studien geplant bzw. laufen derzeit, um ausreichende Daten zu ermitteln. Diese Unsicherheit stellt wiederum ein gewisses Risiko dar.
** Norgestimat wird eigentlich der 3. Generation zugeordnet, hat aber ein niedriges Thromboserisiko wie Gestagene der 1. und 2. Generation.
***Neueres Gestagen ohne klare Zuordnung zu einer "Generation".

Quelle: Universität Bremen

Welche Pillen gehören zu welcher Generation und welches Gestagen enthalten sie?

Diese Listen bilden die 40 am häufigsten verkauften Pillen ab, nicht alle verfügbaren Präparate sind darin aufgeführt.

Pillen der 1. und 2. Generation:

PräparatHersteller (Markteinführung)Gestagen
Asumate®Velvian (08/2010)                                              Levonorgestrel
Evaluna®Madaus (08/2010)Levonorgestrel
Femigoa®Pfizer (02/1992)Levonorgestrel
Femigyne®ratiopharm (02/2011)Levonorgestrel
Femikadin®Dr. Kade / Besins (06/2012)Levonorgestrel
Illina®Sandoz (04/2008)Levonorgestrel
Leanova AL®Aliud (07/2012)Levonorgestrel
Leios®Pfizer (04/1996)Levonorgestrel
Leona-Hexal®Hexal (04/2008)Levonorgestrel
Levomin®mibe (03/2011)Levonorgestrel
Microgynon®KohlPharma (01/1994)Levonorgestrel
Minisiston®Jenapharm (01/1981)Levonorgestrel
Minisiston® 20Jenapharm (10/2007)Levonorgestrel
Swingo®Aristo Pharma (04/2011)Levonorgestrel
Trigoa®Pfizer (10/1995)Levonorgestrel


Pillen der 3. und 4. Generation:

PräparatHersteller (Markteinführung)Gestagen
Aida®Jenapharm (09/2006)Drospirenon
Aristelle®Aristo Pharma (03/2012)Dienogest
Belara®Grünenthal (02/1992)Chlormadinon
Bellissima®Madaus (10/2008)Chlormadinon
Bonadea®Zentiva (02/2012)Dienogest
Chariva®Gedeon Richter (12/2009)Chlormadinon
Chloee®Zentiva Pharma (02/2012)Chlormadinon
Desmin®Gedeon Richter (10/1998)Desogestrel
Dienovel®mibe (08/2012)Dienogest
Enriqua®Jenapharm (12/2009)Chlormadinon
Lamuna®Hexal (09/2000)Desogestrel
Lilia®Aristo Pharma (03/2010)Chlormadinon
Maitalon®Gedeon Richter (05/2012)Drospirenon
Maxim®Jenapharm (01/2011)Dienogest
Mayra®Madaus (02/2012)Dienogest
Minette®Dr. Kade/Besins (06/2012)Chlormadinon
Mona-Hexal®Hexal (12/2009)Chlormadinon
Neo-Eunomin®Grünenthal (01/1985)Chlormadinon
Starletta Hexal®Hexal (09/2012)Dienogest
Valette®Jenapharm (03/1995)Dienogest
Velafee®Velvian (02/2012)Dienogest
Yasmin®Jenapharm (11/2000)Drospirenon
Yasminelle®Jenapharm (09/2006)Drospirenon
Yaz®Jenpharm (09/2008)Drospirenon
Zoely®MSD (01/2012)Nomegestrolacetat


Quelle: IMS, 2015, nur kombinierte orale Kontrazeptiva / Pillenreport 2015


Ich nehme eine Pille der 3. bzw. 4. Generation erst seit kurzem ein.
Was soll ich jetzt tun?

Das Risiko an einer Thrombose zu erkranken ist vor allem im ersten Jahr der Einnahme erhöht. Außerdem besteht ein erhöhtes Risiko, wenn die Pille nach einer Unterbrechung von vier oder mehr Wochen erneut eingenommen wird. Zusätzliche Risikofaktoren müssen auch beachtet werden (z. B. Rauchen, Übergewicht, Thromboseneigung in der Familie). Wenn Sie sich unsicher fühlen, sprechen Sie mit Ihrem Arzt.

Ich nehme eine Pille der 3. bzw. 4. Generation ein, die ich auf der obigen Liste entdeckt habe. Was soll ich jetzt machen?

Es handelt sich bei den beschriebenen Nebenwirkungen (Thrombosen) zwar um gefährliche, aber dennoch um seltene Nebenwirkungen. Sollten Sie sich verunsichert fühlen, empfehlen wir mit Ihrem Arzt zu sprechen, ob auch eine andere Pille für Sie in Frage kommt. Sie sollten die Pille nicht einfach absetzen ohne mit Ihrem Arzt gesprochen zu haben. Die Symptome einer Thrombose sind:

Bei einer Venenthrombose:
• ist das Bein geschwollen
• schmerzt das Bein oder die Wade schmerzt bei Druck
• ist das betroffene Bein wärmer und eventuell bläulich verfärbt.

Eine Lungenembolie verursacht zusätzlich folgende Beschwerden:
• plötzliche unerklärliche Kurzatmigkeit oder schnelles Atmen
• stechender Brustschmerz
• plötzlich auftretender Husten

Wenn Sie derartige Symptome bei sich feststellen oder sich sonst unsicher fühlen, sollten Sie unbedingt einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. 

Ich habe meine Pille nicht in der Liste entdeckt. Könnte sie trotzdem ein Risiko bergen?

Die Liste bildet die am häufigsten verkauften Präparate ab. Wenn Ihre Pille hier nicht aufgeführt ist, heißt das zunächst nur, dass sie nicht zu den am häufigsten verkauften Pillen zählt. Zu welcher Generation Ihre Pille gehört, bzw. wie hoch das Thrombose-Risiko ist, können Sie anhand der enthaltenen Hormone feststellen. Weil die sogenannten Mikropillen (enthalten zwei verschiedene Hormone) in der Regel das gleiche niedrig dosierte Östrogen enthalten, ergibt sich das Thromboserisiko aus dem enthaltenen Gestagen. Welches Gestagen in Ihrer Pille enthalten ist, können Sie auf der Verpackung und in der Packungsbeilage lesen. 

In meiner Pille ist nur ein Hormon enthalten. Wie hoch ist hier das Risiko?

Diese sogenannten „Minipillen“ enthalten nur ein Gestagen, aber kein Östrogen. Wie hoch das Risiko für Thrombosen bei den Minipillen ist, kann momentan noch nicht genau gesagt werden. Weil nur ein Gestagen enthalten ist, kann wahrscheinlich von einem geringeren Thromboserisiko als bei den kombinierten Verhütungspillen ausgegangen werden. Experten empfehlen jedoch auch bei den Minipillen Präparate mit Levonorgestrel gegenüber den Minipillen mit Desogestrel vorzuziehen. Die Minipille unterscheidet sich von der „normalen“ Pille in weiteren Punkten (z. B. Einnahmedauer, möglichst genaues Einhalten der täglich gleichen Einnahmezeit) - wenden Sie sich bei Fragen dazu an Ihren Arzt.

Ich nehme nicht die Pille, dafür aber ein anderes hormonales Verhütungsmittel. Ist das auch mit einem Risiko verbunden?

Der Pillenreport hat sich ausschließlich mit oralen Verhütungsmitteln befasst, die zwei Hormone als Kombination enthalten (sogenannte kombinierte orale Kontrazeptiva). Häufig wurde allerdings auch nach dem Risiko bei Anwendung des NuvaRing® gefragt: Etwa 6-12 von 10.000 Frauen, die den NuvaRing® anwenden, erleiden innerhalb eines Jahres eine Thrombose – somit ist das Risiko im Vergleich zu Pillen der 2. Generation bis zu doppelt so hoch. Das Thromboserisiko anderer Verhütungsmittel ist auch in der Packungsbeilage zu finden. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie sich unsicher fühlen. 

Habe ich generell ein Thromboserisiko?
Wann ist das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels am größten?

Im ersten Jahr der Anwendung eines kombinierten hormonalen Kontrazeptivums (auch dann, wenn Sie nach einer Unterbrechung von 4 oder mehr Wochen die Anwendung wieder aufnehmen) ist das Risiko am größten. Hinzu kommen folgende Risiko steigernde Faktoren:

  • wenn Sie stark übergewichtig sind
  • wenn Sie älter als 35 Jahre sind
  • wenn Sie rauchen
  • wenn bei einem Ihrer nächsten Angehörigen in relativ jungen Jahren (d. h. jünger als ca. 50 Jahre) ein Blutgerinnsel aufgetreten ist (Gefäßverschlüsse im Bein (Thrombose), in der Lunge (Lungenembolie) oder anderen Organen, Schlaganfall oder Herzinfarkt)
  • wenn Sie vor wenigen Wochen entbunden haben

Wenn Sie rauchen und älter als 35 Jahre sind, wird Ihnen dringend geraten, mit dem Rauchen aufzuhören oder ein nicht-hormonales Verhütungsmittel anzuwenden.

weitere Informationen

Worauf sollte ich bei der Beratung zur Pilleneinnahme achten?

Wenn Sie sich die Pille verschreiben lassen wollen, sollten Sie Folgendes mit Ihrem Arzt/Ihrer Ärztin besprechen bzw. fragen: 

  • Welches Präparat empfehlen Sie mir? Verordnen Sie dieses Präparat häufig und welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Frauen, die diese Pille einnehmen?
  • Welches Gestagen enthält diese Pille? Ist das eine Pille der zweiten Generation?
  • Was ist Ihnen über die Verträglichkeit dieses Präparates bekannt, vor allem im Hinblick auf die Thrombosehäufigkeit?
  • Woran erkenne ich eine mögliche Thrombose, auf welche Anzeichen soll ich achten?

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