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Junge Theologie-Studentin will erste Priesterin werden

Wer Jacqueline Straub kennen lernt, trifft auf den ersten Blick eine ganz normale junge Frau: 25 Jahre alt, Studentin der Theologie, gebürtige Schwäbin. Sie hat allerdings einen Berufswunsch, der alles andere als normal ist: "Ich bin zur katholischen Priesterin berufen."

Die sympathische Theologiestudentin Jacqueline Straub möchte die erste römisch-katholische Priesterin werden.

Die sympathische Theologiestudentin Jacqueline Straub möchte die erste römisch-katholische Priesterin werden.


Jacqueline Straub ist in vielen Dingen eine ganz normale jungen Frau: Die 25-Jährige kommt aus Schwaben, studiert Theologie, hat einen Freund und geht regelmäßig zum Boxtraining. Darüber hinaus macht sie eine Sache aber ganz speziell: Die gläubige Katholikin will die erste Priesterin in der katholischen Kirche werden. Die Studentin ist überzeugt: "Ich bin zur römisch-katholischen Priesterin berufen – auch, wenn ich es bislang noch nicht leben kann." 

Jacqueline Straub lebt und studiert in der Schweiz. Ihre ganz eigene Welt des Glaubens ist bunt und modern. Sie will sich mit den starren Prinzipien der katholischen Kirche nicht abfinden. Deshalb hält sie regelmäßig Vorträge über Frauenrechte, schreibt Gastbeiträge in Zeitungen und zeigt sich Medienberichten und Talkshows zu ihrem Thema gegenüber offen.  

Sechs Briefe nach Rom

Mit ihrem Vorhaben und einem möglichen Bruch der Jahrhunderte alten Tradition sorgt Jacqueline Straub für reichlich Wirbel. Auch in ihrem Umfeld erntet sie vielfach Kritik und Unverständnis. Sie habe schon Kommilitonen deswegen verloren, die fürchten, ihre Freundschaft könnte ihnen bei ihrem eigenen Weg zum Verhängnis werden, wenn der Bischof davon erführe: "Ich verstehe diese Leute, ich bin denen auch nicht böse, wenn sie dann andere Wege gehen, die Kirche hat heute durchaus noch gewisse Macht."

Straub wandte sich mit ihrem Anliegen sogar schon persönlich an den Papst. Als sie den ersten Brief nach Rom schickte, war sie gerade einmal 16 Jahre alt. Fünf weitere folgten. Sie erhielt nur einmal eine Antwort von dem Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin in Rom, der ihr für den Brief dankte und ihr Erfolg im Studium wünschte. Mehr war nicht zu erwarten. In der katholischen Kirche dürfen Frauen von jeher nicht Priesterin werden.

Mehrheit der deutschen Katholiken sind für Priesterinnen

Dabei ist Jacqueline Straub nicht die einzige Fortschrittpredigerin: Vor zwei Jahren gaben 75 Prozent der deutschen Katholiken an, für das Frauenpriestertum zu sein.  Nur 22 Prozent waren dagegen. Die Position der katholischen Kirche hat sich dennoch kaum geändert. "Das Hauptargument ist eigentlich: Jesus war ein Mann. Und darum können nur Männer Priester sein", so die Theologiestudentin. "Aber das kann man entkräften, weil Jesus Christus vor allem Mensch geworden ist. Er musste sich in einer Form – entweder Mann oder Frau – vermenschlichen. Aber wichtig war ja, dass er als Mensch auf die Welt kam. Wir sprechen ja auch nicht von der Mannwerdung Gottes, sondern von der Menschwerdung Gottes."

Ihr Freund Mathieu unterstützt sie. Er ist 21 und studiert ebenfalls Theologie. Die beiden sind seit einem halben Jahr ein Paar und wollen bald zusammenziehen, sie sprechen von Heirat und Familie. Eine moderne Beziehung und der Wunsch, Priesterin zu werden, widerspricht sich für das junge Paar nicht: "Das haben wir sogar schon bei unserem ersten Date besprochen", sagt Mathieu. "Jacky geht ja davon aus, dass sowieso zuerst der Zölibat aufgehoben wird, bevor überhaupt die Frauen-Priesterweihe eingeführt werden kann, und dadurch mache ich mir keine großen Sorgen."  Jacqueline selbst gehe davon aus, dass sie ohnehin erst in 20 Jahren zugelassen würde.

"Die Kirke ist keine moderne Institution"

Die Chancen, ihren Traum zu verwirklichen, stehen vorerst schlecht, sagt auch 'Vatikan-Experte' Pater Eberhard von Gemmingen: "Das ist aus verschiedenen Gründen leider nicht so einfach: Neben theologischen Gründen muss Rom die ganze Kirche im Blick haben“, so der Pater. "Während viele Katholiken in Mitteleuropa der Frauenordination vielleicht zustimmen würden, sieht dies im Osten und Süden Europas schon ganz anders aus - ganz zu schweigen von Afrika und Asien". Live bei stern TV sagte er im Gespräch mit Jacqueline Straub: "Die Kirche ist keine moderne Organisation und wird nie eine moderne Organisation werden.​"

Jacqueline Straub lässt sich davon jedoch nicht beirren, sie sagt: "Selbst wenn sich in 20 Jahren nichts tun sollte, werde ich den Weg weiterhin gehen. Ich werde auch nicht verbittern, weil ich glaube, Gott gibt mir so viel Freude im Leben, dass ich den Weg gehen kann, auch wenn ich vielleicht 30 oder 40 Jahre warten muss. Und auch, wenn ich es vielleicht nie erreichen werde. Dann kann ich immerhin sagen: Ich habe was dazu beigetragen!"

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