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Antworten auf die wichtigsten Fragen zu Neurofeedback

Neurofeedback könnte für viele Kinder mit ADHS oder ADS eine Alternative zu Ritalin werden. Wie es funktioniert, was es kostet, wer es anbietet - kompakte Antworten auf die wesentlichen Fragen.

Im Training lernen die Kinder, mit ihren eigenen Gedanken Vögel und Flugzeuge auf dem Bidschirm zu steuern - und später auch ihre Hirnströme.

Im Training lernen die Kinder, mit ihren eigenen Gedanken Vögel und Flugzeuge auf dem Bidschirm zu steuern - und später auch ihre Hirnströme.

Neurofeedback könnte für viele Kinder mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Störung eine Alternative zu Medikamenten sein. Das Training soll betroffenen Kindern helfen, ihre Hirntätigkeit zu lenken und ihre Gedanken zu fokussieren. Während des Trainings werden die Hirnströme gemessen und mit einem Computer verbunden. Dort werden sie am Bildschirm visualisiert. Mittels Konzentration lenken die Kinder Symbole bewusst auf und ab - und bekommen bei Erfolg eine Rückmeldung: ein Feedback. Die Methode funktioniert übrigens auch bei Erwachsenen. Die wichtigsten Fragen hat stern TV hier beantwortet.

Wie funktioniert Neurofeedback?

Bei Kindern, die an ADHS leiden, ist die Hirnaktivität charakteristisch verändert. Die Verhaltensabweichungen lassen sich im sogenannten Elektro-Enzephalogramm (EEG) sichtbar machen: "Kinder mit ADHS produzieren zu wenige Beta-Wellen und zu viele Theta-Wellen", erklärt Therapeutin Ute Strehl. Beta-Wellen entstehen vor allem dann, wenn sich ein Mensch bewusst konzentriert. Theta-Wellen kennzeichnen einen träumerischen Wachzustand.

Beim Neurofeedback lernen die Kinder, ihre Hirnaktivität und damit diese Wellen selbstständig zu beeinflussen. Im Computertraining steuern sie das Symbol (z.B. Flugzeug) auf dem Bildschirm nur dann nach unten, wenn das Kind vermehrt Beta-Wellen produziert, sich also bewusst konzentriert. Aufsteigen lassen kann es das Flugzeug, indem es seine Gedanken wieder treiben lässt. So lernen die Kinder, welche Gedanken ihnen beim Steuern helfen. Sie trainieren sich dann konzentrieren zu können, wenn es gefragt ist – ihr Verhalten also zu steuern. Es sind meist ganz individuelle Strategien, die sie zwar oft nicht in Worte fassen können, die aber funktionieren.

Wenn es klappt, wird das Kind mit einer Belohnung (Feedback), etwa einem aufleuchtenden Sternchen, bestätigt – und so nach und nach darauf trainiert, genau die Frequenzen zu erzeugen, die gerade gefragt sind. Mit der Zeit lernt der Patient dann, dieses Verhalten auch in anderen Situationen abzurufen.

Für wen ist Neurofeedback geeignet?

Neurofeedback ist für alle Kinder mit ADHS geeignet. Es funktioniert vom Vorschulalter bis ins hohe Erwachsenenalter. Voraussetzung ist, dass das Kind oder der Patient mitmachen will. In diesen Fällen würden sich die Symptome bei etwa 80 Prozent der Betroffenen verringern, etwa die Hälfte könne anschließend auf Medikamente verzichten.

Wie läuft Neurofeedback konkret ab?

Das Kind sitzt vor einem Computer. Seine Gehirnströme werden über Messelektroden abgeleitet und steuern was auf dem Bildschirm zu sehen ist. Mit der Kraft der Gedanken können so zum Beispiel Bälle ins virtuelle Tor verfrachtet, Flugzeuge auf Kurs gehalten, kleine Käfer durch Labyrinthe geführt oder Filme am Laufen gehalten werden.

Für jede gut gelöste Aufgabe erhält das Kind eine Belohnung – zum Beispiel ein Erfolgssymbol auf dem Monitor.

Wie lange dauert die Therapie?

Das Training umfasst in der Regel 20 bis 30 Sitzungen, die in mehrere Blöcke aufgeteilt werden. Anfänglich sind pro Woche mindestens drei Sitzungen von je 60 Minuten ratsam, später können ein bis zwei wöchentliche Trainingseinheiten ausreichen. Zwischen den einzelnen Blöcken sollte eine mehrwöchige Pause liegen, in der das Gelernte im Alltag trainiert werden kann. Und: Wie bei jedem Lernen ist Wiederholung wichtig, um einen dauerhaften Effekt zu erhalten. Das "Gelernte" muss also verinnerlicht werden, wie beim Vokabeln lernen.

Wo findet man Therapeuten, die Neurofeedback anbieten?

Leider gibt es bisher nicht viele Therapeuten und Praxen, die Neurofeedback anbieten. Eine Liste qualifizierter Trainer ist hier auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback erhältlich sowie in diesem PDF des Programmentwicklers NeuroConn.

Was kostet Neurofeedback und wer bezahlt das Training?

Die Kosten für das Neurofeedback liegen derzeit zwischen 60 und 100 Euro pro Sitzung. Lange war das Verfahren keine Kassenleistung. Seit 2012 können die Kosten über ein Rezept vom behandelnden Arzt bei den Krankenkassen abgerechnet werden, da die Wirksamkeit bei ADHS und ADS inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen ist. In den meisten Fällen wird die Behandlung von der Kasse bezahlt. Allerdings gibt es regionale Unterschiede. Am besten fragen Sie vorab bei Ihrer Krankenkasse nach.

Wo finde ich weitere Informationen über Neurofeedback?

Die Deutsche Gesellschaft für Biofeedback e.V. klärt genauer über die Grundlagen der Neurofeedback-Therapie und mögliche Krankheitsbilder auf.

Alle relevanten Informationen für Patienten rund um die Dauer und Durchführung von Neurofeedback, Therapeutenauswahl und Anwendungsmöglichkeiten der Therapie finden Sie im Neurofeedback-Netzwerk.

Hier können Sie gezielt Therapeuten in Ihrer Nähe suchen.

Das Unternehmen neuroconn.de, das die Technik für Neurofeedback entwickelt, liefert auf seiner Internetseite weitere detaillierte Informationen zur Durchführung des Trainings.

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