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Wie der sechsjährige James doch noch laufen lernte

James ist ein tapferer kleiner Junge. Als er ein Baby war, verbrannten seine Füße. Jahrelang bewegte er sich ohne sie fort, würde wohl nie laufen lernen. Sein Schicksal bewegte die stern TV-Zuschauer und deutsche Chirurgen, die James zu neuen Füßen verhalfen.

James kann nicht laufen, anstelle seiner Füße hat er vernarbte Stumpen. Zahllose Zuschauer reagieren bewegt und erschüttert ob des Schicksals dieses Jungen.

James kann nicht laufen, anstelle seiner Füße hat er vernarbte Stumpen. Zahllose Zuschauer reagieren bewegt und erschüttert ob des Schicksals dieses Jungen.

Der sechsjährige James Libese kann endlich gehen – das erste Mal in seinem Leben. Er ist in Afrika geboren, laufen gelernt hat er in Bayern.

Im vergangenen Jahr berichtete stern TV über den Verein "Ubuntu" und ihre Gründer Brenda und Dr. Tobias Lutz, die regelmäßig medizinische Hilfseinsätze im Westen Kenias organisieren: Das Ehepaar versorgt dort gemeinsam mit weiteren freiwilligen Helfern Menschen, die sonst ganz ohne medizinische Hilfe auskommen müssen. James Libese war einer von ihnen. Sein Schicksal rührte die stern TV-Zuschauer: Ihr habt mein Herz berührt, schrieben eine Frau. Oder: Ich würde sehr gerne etwas spenden, damit der kleine James wieder laufen kann. / James liegt mir schon jetzt am Herzen. / Wenn James in Deutschland operiert wird, bin ich bereit die Flugkosten zu übernehmen. 

Seine Matratze fing Feuer

James lebt in Kasuna, einem kleinen Dorf in West-Kenia. Die Menschen in dieser kaum bekannten Gegend leben unterhalb der Armutsgrenze – in Lehmhütten, ohne fließendes Wasser, ohne medizinische Versorgung. Brenda Lutz fährt für Ubuntu mehrmals im Jahr in ihren Geburtsort, um den Menschen zu helfen. Die Einwohner vertrauen ihr und es spricht sich schnell herum, wenn die Helfer des Vereins im Ort sind. Im vergangenen Jahr kam auch James Mutter mit dem Jungen und erzählte von dem tragischen Unfall: Im Alter von sechs Monaten verlor der Junge durch einen Brand beide Füße. Seine Matratze hatte Feuer gefangen. Seine Füße wurden jedoch nie behandelt, an ihrer Stelle verwuchsen sie zu Narbenstümpfen. Sein ganzes Leben bewegte sich der inzwischen Fünfjährige nur über den Boden rutschend. Dadurch entzündeten sich seine Stümpfe regelmäßig. 

Die Mediziner des Medical Camps versorgten James' Stümpfe medizinisch. Doch um je laufen zu können, würde der Junge Prothesen benötigen. Die Ärzte wussten nicht, wie sie ihm in Kenia würden helfen können.

Ein langer Kampf um die Ausreise

Zurück in Deutschland hat der Ubuntu-Gründer Tobias Lutz sich dafür eingesetzt, den Jungen in Deutschland helfen zu können. Ein nervenzehrender Schriftverkehr zwischen ihm, den deutschen und den kenianischen Behörden. Es wurden unzählige Reisepapiere benötigt. Für notwendige Unterschriften flog Lutz im April erneut nach Kenia und teilte der Familie mit, dass James in Deutschland würde behandelt werden können. Er müsse dafür allerdings drei Monate von zu Hause weg sein. Nach weiteren drei Monaten und zahllosen Terminen bei der Botschaft in Nairobi war James' Pass im Sommer endlich da. Als der Junge in Begleitung von Mama Pompey nach 26 Stunden Flug in München landet, ist der lange Kampf um die Ausreise des Jungen beinahe vergessen.

Eine Woche später: James soll im Krankenhaus in Bad Kreuznach Dr. Andre Borsche treffen, der Chefarzt der plastischen Chirurgie. Borsche ist gleichzeitig Vorsitzender des Vereins "Interplast" und spezialisiert auf Unfallopfer wie James. Er hatte Tobias und Branda Lutz angeboten, die Kosten für die Behandlung zu übernehmen, um James' Füße zu retten: "Bis es überhaupt zu dieser Verwachsung gekommen ist, sind das sicherlich Jahre der fürchterlichsten Schmerzen gewesen", erklärt der Chirurg. "Das wird eine offene Wunde gewesen sein, die langsam erst dahin geschrumpft ist. Das heißt, wir sehen das Ergebnis einer medizinisch-menschlichen Katastrophe. In Deutschland wäre so ein Fuß schon in der Frühphase transplantiert worden und vollständig erhalten geblieben."

James kann endlich gehen: Auf eigenen Füßen stehen
James ist knapp fünf Jahre alt, als stern TV ihn bei einer Reportage über das Hilfsprojekt "Ubuntu" in Kenia trifft.

James ist knapp fünf Jahre alt, als stern TV ihn bei einer Reportage über das Hilfsprojekt "Ubuntu" in Kenia trifft.


Eigene Füße anstatt Prothesen

In Bad Kreuznach sind mehrere Fachmediziner zusammengekommen, um das Kind zu behandeln: Orthopäden, Kinderärzte und der erfahrene Chirurg Dr. Borsche. Sie untersuchen die Knochenstruktur des Jungen unter den Stümpfen, um die Operationen minutiös zu planen. Was die Mediziner dabei entdecken, können sie zunächst kaum glauben: "Die ganzen Mittelfußknochen sind noch da", zeigt Andre Borsche auf dem Bild der Computertomographie. "Dadurch können wir versuchen, den Mittelfuß zu rekonstruieren und ihm einen natürlichen Fuß geben, anstatt Prothesen."

Für den Jungen aus Kasuna ist es vor allem ein Abenteuer. So viel Spielzeug, wie in dem Krankenhausspielzimmer, hat das Kind noch nie gesehen. Immerzu lacht der Junge, freut sich über die Zuwendung. Aber James weiß auch, warum er in der Klinik ist: "Die wollen mich heilen, damit ich laufen kann." Vor dem Eingriff fürchtet er sich jedoch nicht, erklärt er vor der Operation: "Der Arzt hat hier gemalt. Er hat für mich meinen Fuß gemalt. Da wird aufgeschnitten."

Gehen ohne fremde Hilfe

Die Füße von James werden im Abstand von sechs Wochen in zwei mehrstündigen, komplizierten Operationen rekonstruiert. Auch für den erfahrenen Chirurg ist eine solche OP keine Routine: "Auf keinen Fall. Weil man den Jungen sehr lieb gewonnen hat und weil es natürlich eine Herausforderung ist", so Andre Borsche.James' Fußknochen waren in dem Narbensack eingedreht und nach oben gewachsen. Sie müssen in Position gebracht und verdrahtet werden, es werden Sehnen verlängert, Gewebe ins Gelenk eingesetzt und Bauchhaut des Jungen transplantiert. Nach noch einmal sechs Stunden geht die letzte Operation dem Ende zu, James hat seinen zweiten Fuß."Das ist das Endziel", so Dr. Borsche. "Er hat beide Füße – und er geht. Das wäre das schönste was ich mir wünschen kann!" 

Nur Tage später steht James das erste Mal auf seinen eigenen Füßen. Seit drei Wochen kann der Junge aus Kasuna inzwischen tatsächlich ohne Gehhilfe gehen. Und das verdankt er den engagierten Ärzten und zahlreichen stern TV-Zuschauern.

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