Mobile Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere
Darstellung auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
HOME

Warum Geldabheben an Bankautomaten teuer werden kann

Wer im Ausland Geld abhebt, sollte aufmerksam sein: Die Abrechnung wird oft auch in Euro angeboten. Klingt erstmal gut - deshalb wählen die meisten Urlauber diese Option. Doch tatsächlich wird uns damit das Geld aus der Tasche gezogen.

Bankautomat

Wer an Bankautomaten im Ausland bei der Abrechnungsoption die falsche Währung wählt, zahlt drauf. 

Ob an Bankautomaten, Tankstellen, in Supermärkten oder Hotels – wer in Nicht-Euro-Urlaubsländern mit EC- oder Kreditkarte Geld abheben oder bargeldlos bezahlen will, sollte Acht geben. An immer mehr Automaten – insbesondere in der Türkei, in Polen, Tschechien, Kroatien, Ungarn, in Großbritannien oder in der Schweiz – soll sich der Kunde per Knopfdruck entscheiden: Abrechnung in Landeswährung oder in Euro? Wer hier die falsche Taste drückt, zahlt schnell bis zu 10 Prozent mehr Gebühren. Je nach Abhebungsbetrag kann das ganz schön teuer werden, wie Sabine und Michael Röhlen erleben mussten: Im Türkei-Urlaub wollte das Paar Bargeld am Geldautomaten ziehen. Auch sie standen vor der Frage, ob die türkischen Lira direkt in Euro oder in der Landeswährung abgerechnet werden sollen. Intuitiv entschieden sie sich für die Euro-Abrechnung. Dieser Tastendruck kostete sie mehr als 16 Euro!


Euro-Wechselkurs DCC nachteilig
Verantwortlich für derartige Gebührenschneiderei ist das Umrechnungsverfahren namens "Dynamic Currency Conversion", kurz DCC. Die Bankautomaten, an denen DCC eingesetzt, bieten dem Reisenden an, ihr Geld entweder sicher und transparent mit einem stabilen Wechselkurs des Euro in die jeweilige Landeswährung abzuheben. Auf der anderen Seite wird die Möglichkeit angegeben, den Abhebungsbetrag mit einem vermeintlich unsicheren, flexiblen Wechselkurs umrechnen zu lassen. Uwe Döhler von der Stiftung Warentest kennt die Tricks der Geldautomatenbetreiber. Er sagt: "Mit der Berechnung in Euro wird am Automaten eine sichere und transparente Form des Umtauschs vorgegaukelt. Man sieht den gewünschten Betrag sofort in Euro und entscheidet sich in der Regel für das Angebot. Dabei ist dieser angepriesene Umrechnungskurs viel schlechter als eine Umrechnung in der Landeswährung." Mit dem stabilen Euro-Wechselkurs liegen die Kunden 3,5 bis 10 Prozent schlechter und zahlen dadurch horrende Gebühren. "Für den Urlauber oder Kunden am Bankautomaten werden die beiden Abhebungsmöglichkeiten völlig irreführend dargestellt", so der Finanzexperte Uwe Döhler. "Das für den Kunden meist teurere Verfahren wird in positiven Farben dargestellt und mit einer scheinbar absoluten Transparenz und Aufschlüsselung. Dem gegenüber steht dann der flexible Wechselkurs, den für die Kunden eigentlich besseren, der als unsicher dargestellt wird. Es wird sogar extra drauf verwiesen, dass es keine Garantie gibt, welcher Wechselkurs das ist."

Und nicht nur an Geldautomaten wird Urlaubern das Geld aus der Tasche gezogen, auch in vielen Geschäften und an Tankstellen wird bei Kartenzahlung zu der deutlich teureren Direktumrechnung geraten.


stern TV testet Bankautomaten im Ausland
Wie verbreitet ist diese Gebührenfalle, die noch dazu völlig legal ist? stern TV hat sich auf Reisen begeben und es getestet. Schon am ersten Automaten einer ING-Bank im türkischen Antalya zahlten wir mit dem DCC-Verfahren vier Prozent mehr. Noch schlechter wirkte es sich bei der Deniz-Bank aus, dort waren es 7,4 Prozent im Vergleich zur Landeswährung. Insgesamt fand sich in der Stichprobe die DCC-Falle an jedem dritten Geldautomaten zwischen Antalya und Side. In anderen Ländern, wie Polen oder Tschechien, seien die Aufschläge noch höher und flächendeckender, sagt Uwe Döhler.

Und tatsächlich: Im polnischen Stettin, eine beliebte Hafenstadt und ein bekanntes Einkaufsparadies unter deutschen Touristen, fanden wir ausschließlich Bankautomaten mit der umstrittenen Währungsumrechnung. Die Aufschläge waren happig: Bei der RIA-Bank hätten wir mit DCC für 1000 Zloty anstatt 239 Euro (Landeswährungs-Wechselkurs) satte 261 Euro gezahlt. Bei einem weiteren Automaten des amerikanischen Unternehmens Euronet verloren wir beim Knopfdruck auf DCC 20 Euro. "Euronet ist ein internationaler Finanzdienstleister der weltweit 18.000 Geldautomaten betreibt. Und bei diesen ist eine Umrechnung in die Fremdwährung besonders teuer und die  Benutzerführung an den Displays besonders perfide", so Döhler. Der Stiftung Warentest sei in mehreren Ländern aufgefallen, dass die Geldautomaten von Euronet zu den teuersten gehörten. "Das ganze Verfahren ist eine reine Abzocke der Banken. Und das schlimmste daran ist, dass es überhaupt keine Gegenleistung der Banken gibt. Ob ich 30 Euro mehr oder weniger bezahle macht keinen Unterschied – die Dienstleistung bleibt die gleiche: Nämlich die, dass ich Geld aus einem Automaten bekomme."

Tipps zum Geldabheben im Nicht-Euro-Ausland
Wechselkurs kennen

Als Urlauber in Nicht-Euro-Ländern sollte man den aktuellen Wechselkurs von der Landeswährung in Euro kennen.  Man muss nicht die letzte Kommastelle kennen, aber man sollte wissen, wie viel ein Euro wert ist. Aktuelle Wechselkurse Ihres Urlaubslandes zeigen Ihnen die kostenlosen, von Stiftung Warentest empfohlenen Apps an (s. Kasten)

Landeswährung ist vorteilhafter

Die Umrechnung in der aktuellen Landeswährung ist in Nicht-Euro-Ländern in Europa immer günstiger, als die vermeintlich sicherere und transparente der "Dynamic Currency Conversion" (DCC). Im Zweifel auf jeden Fall nie in Euro abrechnen lassen!

Nicht verleiten lassen

In den meisten Fällen ist zu beobachten, dass die Darstellung der DCC-Option wesentlich vertrauenswürdiger gestaltet ist, etwa durch Hinterlegung mit positiven Farben, Kursangabe bis zur letzten Kommastelle. Dagegen wird die eigentlich günstigere Option eher als Gefahr dargestellt, meist in Rot.

Hindernisse ignorieren

Entscheiden Sie sich in jedem Fall nicht für DCC und lassen Sie sich nicht beirren. In einigen Fällen wird die Transaktion sogar erst einmal abgebrochen, teilweise sogar in weiteren Bildschirmanzeigen vor der Gefahr gewarnt, auf eine Umrechnung zu verzichten, so dass der Kunde den Verzicht durch mehrmaliges Verneinen bestätigen muss.

Kein Schadenersatz

Im Nachhinein kann man als Geschädigter seine Heimatbank oder den Kreditkartenanbieter nicht für den Schaden verantwortlich machen kann, da man einer schlechteren Umrechnung selbst zugesagt hat. Das wird auf den Belegen ausgewiesen.

Guter Rat wird teuer
Und wie sieht es beim bargeldlosen Bezahlen in den Geschäften aus? Testkäufe bei Rossmann, C&A und Real in Stettin ergaben: In jedem Geschäft zahlten wir mit der "Dynamic Currency Conversion" (DCC) bis zu vier Prozent mehr, noch dazu riet jeder Mitarbeiter zur "Umrechnung in Euro". Uwe Döhler vermutet dahinter einen finanziellen Vorteil oder eine Beteiligung der Einzelhändler. Noch schlechter beraten waren wir in einer Bank-Filiale, in der wir uns als unwissende Touristen ausgaben und nach der kostengünstigeren Variante fragten. Der Mitarbeiter riet sofort zur Umrechnung in Euro. Dieser Rat kostete uns 20 Euro.

 

Immerhin: In Ländern außerhalb Europas tritt das Phänomen selten auf. Dagegen stehen in der nun beginnenden Reisezeit Europa-Urlauber in Nicht-Euro-Ländern vor den Geldautomaten nicht selten vor einem kostspieligen Quiz.

Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools