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Besser gesetzlich oder privat versichert?

Eine private Krankenversicherung bietet nur Vorteile, so die verbreitete Meinung. Doch viele Tarife weisen Lücken auf - mit gravierenden Folgen. Worauf Versicherte bei der Kassenwahl achten sollten.

  Im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen enthalten viele Privatkassentarife gefährliche Leistungsausschlüsse.

Im Gegensatz zu den gesetzlichen Krankenkassen enthalten viele Privatkassentarife gefährliche Leistungsausschlüsse.

Privat Versicherte sind im Krankheitsfall meist besser dran, als gesetzlich Versicherte, so die populäre Meinung. Doch eine aktuelle Studie, die 208 Tarife privater Krankenversicherungen untersucht hat, kommt zu einem anderen Ergebnis: Die Tarife weisen vielfach gefährliche Lücken auf. Im Krankheitsfall sind die rund zehn Millionen Privatversicherten in Deutschland teils mit gravierenden Leistungsausschlüssen konfrontiert. Die meisten Tarife bieten sogar schlechtere Leistungen als die gesetzliche Krankenversicherung, besonders auffällig im Bereich der Heil- und Hilfsmittel.

Ein Beispiel sind die günstigen "Einsteigertarife" der privaten Kassen, wie Wolfgang Austmeier einen gewählt hatte. Als der Mann nach einem Hundebiss eine Blutvergiftung erlitt, mussten ihm beide Beine amputiert werden. "Der Vertrag, den mir die Versicherung angeboten hat, hat mich fast Kopf und Kragen gekostet", so Austmeier. Vor zehn Jahren hatte er bei der Allianz einen Vertrag mit einer fatalen Regelung geschlossen: Kosten für Hilfsmittel wie Rollstühle und Prothesen werden nur bis 2500 Euro pro Jahr übernommen. Dadurch sind ihm rund 10.000 Euro eigene Kosten entstanden. Zwar hatte die Allianz ihm mehrfach ein Hochstufung seine Tarifs angeboten. Welche existenziellen Leistungseinschränkungen ihm im Fall der Fälle möglicherweise drohen, das war Austmeier aber nicht klar. Das bemängeln auch Experten: Die Köder-Tarife würden nicht bedarfsgerecht für Kunden entwickelt, sondern mit Blick auf den Preis, um beim Versicherungsvergleich zunächst gut abzuschneiden und den Kunden für sich zu gewinnen. Das hat dazu geführt, dass viele Billigtarife mit drastischen Leistungsausschüssen auf dem Markt sind.

Undurchschaubarer Tarifdschungel bei den Privatkassen

Oftmals geht es den Versicherungen zunächst um einen erfolgreichen Abschluss, nicht zuletzt, da bei den Privaten hohe Prämien von bis zu neun Monatsbeiträgen an die Vermittler gezahlt werden. Die Kunden dagegen haben das Nachsehen. Das Tarifsystem der privaten Krankenkassen ist für Laien undurchschaubar. Die Kombinationsmöglichkeiten aus Alter, Geschlecht, Berufsstand und Leistungskatalog der 32 relevanten Privatkassen ergeben ein Angebot von mehreren Tausend Tarifen und Preisen. In vielen Fällen gibt der Preisvergleich dann den Ausschlag, für welches Unternehmen und für welchen Tarif sich ein Kunde entscheidet. Dadurch können im Krankheitsfall - je nachdem woran jemand unerwartet erkrankt - jedoch existenzielle Leistungsausschlüsse drohen.

Das bekam auch Beate Hammersen zu spüren. Auch sie hatte ihren Vertrag bei Abschluss nicht gut genug durchgelesen und blieb auf hohen Selbstbeteiligungskosten sitzen. "Ich war noch sehr jung, gesund, wenn man da ein paar Euro zahlen soll. Dass da größere Summen auf einen zu kommen können, daran denkt man nicht", sagt die 47-jährige Mutter von drei Kindern heute. Eines Tages entzündete sich nach einer Operation ihr Knie. Es war nicht mehr zu retten, sie brauchte ein künstliches Kniegelenk. Die Knie-Prothese kostet rund 25.000 Euro, ihr Eigenanteil sollte 5000 Euro betragen. Für die inzwischen auf Hartz IV angewiesene Frau kaum zu leisten. Und dann weigerte sich ihre Versicherung, die Signal-Iduna, auch noch, die 20.000 Euro Versicherungsanteil komplett zu übernehmen. Beate Hammersen sollte stattdessen ein günstigeres Kniegelenk wählen, mit dem sie wesentlich schlechter gehen kann. "Grauenvoll, man kämpft mit diesem Zustand und denkt, das schaffst Du mit so einer guten Prothese, damit kannst Du wieder ein Leben führen. Und dann kommt die Versicherung und nimmt einem das Bein wieder weg", beklagt sich Hammersen.

Vielfach schlechtere Leistungen als gesetzliche Kassen

Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten weiß, welche fatalen Folgen eine lückenhafte Privatversicherung haben kann: "Viele Verbraucher wissen gar nicht, welche Summen bei Hilfsmitteln auf sie zukommen können. Man denkt dann in jungen Jahren, das wird schon reichen, aber macht sich gar keine Gedanken, was passieren kann. Das wissen die Versicherer natürlich, aber sie bieten trotzdem solche Tarife an." Diese enthalten für die Versicherungen viele Schlupflöcher.

Zahlreiche Tarife privater Krankenversicherungen bieten sogar schlechtere Leistungen als die der gesetzlichen Kassen. Das Ergebnis eines aktuellen Vergleichs: Mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme der Privaten Kassen leisten weniger, als die gesetzliche Krankenversicherung. Die häusliche Krankenpflege, psychotherapeutische Maßnahmen, der Mutterschutz oder sogenannte Hilfsmitteldeklarationen ohne Einschränkungen sind Leistungen, die in der gesetzlichen Versicherung fest verankert sind. Viele private Versicherungen jedoch übernehmen nur eingeschränkt die Kosten für Anschlussheilbehandlungen, Psychotherapien oder wichtige medizinische Hilfsmittel. Der Bund der Versicherten rät deshalb grundsätzlich: Große Risiken mit möglicherweise herben Folgen sollte man versichern und deshalb genau auf die Leistungen im Bedarfsfall achten, für kleinere wie Zahnersatz oder Brillen lassen sich auch privat Rücklagen bilden.

Welche Versicherung für wen?

Privat versichert zu sein ist besser? Das trifft nur auf wenige Menschen zu. In den meisten Lebenslagen ist die gesetzliche Krankenversicherung die richtige Wahl.

Auf den folgenden Seiten lesen Sie, welche Versicherung der Bund der Versicherten Ihnen empfiehlt als Angestellter, als Student, als Single, als Familie, als Arbeitsloser, als Rentner, als Selbständiger.

Als Angestellter

Jeder, der als Angestellter weniger als 50.850 Euro brutto verdient, muss sich in der gesetzlichen Kasse pflichtversichern. Nur Beamte und Selbständige, sowie Arbeitnehmer mit einem Jahreseinkommen von mehr als 53.550 Euro über mindestens zwei Jahre, können sich in einer privaten Kasse versichern.

Grundsätzlich sind Sie als Angestellter in der gesetzlichen Krankenversicherung gut aufgehoben. Der monatliche Beitrag beträgt 15,5 Prozent Ihres Bruttolohns, wovon Ihr Arbeitgeber 7,3 Prozent übernimmt, Sie selbst zahlen 8,2 Prozent des Satzes. Der Höchstsatz liegt bei 627,75 Euro monatlich, egal wie viel Sie verdienen. Alter, Gesundheitszustand und Geschlecht spielen keine Rolle.

Als gut verdienender Angestellter (mehr als 53.550 Euro brutto) können Sie sich freiwillig gesetzlich versichern oder eine Privatversicherung abschließen. Im Basistarif beträgt auch hier der Höchstbeitrag 627,75 Euro monatlich. In jungen Jahren und bei gutem Gesundheitszustand sind die Beiträge sogar geringer. Es gilt aber zu bedenken, dass mit zunehmendem Alter bzw. im Rentenalter die monatlichen Beiträge in der Privaten stark ansteigen und zum Teil mehr als 2000 Euro betragen können. Dagegen hilft meist nur ein Wechsel in einen anderen Tarif mit Basisleistung (zum Beispiel Standardtarif). In der GKV sinken die einkommensabhängigen Beiträge dagegen später wegen der meist geringeren Einkünfte im Alter. Die Leistungen bleiben aber gleich. Gleiches gilt bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit.

Als Single

Als Single sind Sie am besten in der GKV aufgehoben und sollten den Verbleib in der Gesetzlichen auch anstreben. Es sei denn, Sie sind früh davon überzeugt, Ihr Leben lang unverheiratet und kinderlos zu bleiben (siehe Versicherung als Familie). Dann kann auch ein guter Tarif in der Privaten eine Alternative sein. Es gilt aber zu bedenken, dass mit zunehmendem Alter bzw. im Rentenalter die monatlichen Beiträge in der Privaten stark ansteigen und zum Teil mehr als 2000 Euro betragen können. Dagegen hilft meist nur ein Wechsel in einen anderen Tarif mit Basisleistung (zum Beispiel Basistarif oder Standardtarif). In der GKV sinken die einkommensabhängigen Beiträge dagegen später wegen der meist geringeren Einkünfte im Alter. Die Leistungen bleiben aber gleich.

Als Familie

Für verheiratete Paare bzw. Familien bietet die GKV viele Vorteile, insbesondere bei mehreren Kindern und wenn nur ein Elternteil verdient. Denn Ehegatten, Kinder bis zum 25. Lebensjahr und eingetragene gleichgeschlechtliche Lebenspartner ohne oder mit nur geringem eigenem Einkommen (maximal 395 Euro gesamt oder 450 Euro Mini-Job monatlich) können beitragsfrei mitversichert werden. Darüber hinaus haben die gesetzlichen Kassen den Mutterschutz, beitragsfreien Elternzeit, Haushaltshilfen zur häuslichen Krankenpflege und Krankengeld bei Krankheit eines Kindes im Leistungskatalog. Privatversicherte Mütter müssen während der Elternzeit Beiträge entrichten. Zudem fallen in der privaten Krankenkasse für Kinder eigene Beiträge an. Ist ein Elternteil in der GKV, bietet es sich deshalb an, Kinder hier beitragsfrei mitzuversichern.

Auch für Alleinerziehende mit Kindern ist die gesetzliche Krankenversicherung die richtige.

Als Beamter

Für Beamten lohnt sich eine private Krankenversicherung am Ehesten. Beamte haben Sie meist einen Beihilfeanspruch, erhalten also einen erheblichen Zuschuss zu den Krankheitskosten. Meistens bekommen ledige Beamte 50 Prozent Beihilfe, berücksichtigungsfähige Ehepartner 70 Prozent und Kinder 80 Prozent. Die Beihilfe ist abhängig vom Familienstand und dem jeweiligen Beihilfesystem des Landes oder des Bundes. Nur in wenigen Ausnahmen lohnt sich für Beamte die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenversicherung: Wenn Ihre Familie viele Kinder hat und/oder wenn wegen Vorerkrankungen Ihr Beitrag für eine PKV sehr hoch wäre. Dann ist für Beamte auch eine private Restkostenkrankenversicherung sinnvoll.

Zudem ist es für Beamte ohnehin schwer möglich, sich überhaupt in der GKV zu versichern, nämlich wenn sie zuvor gesetzlich versichert waren und von der GKV als Selbständige behandelt werden.

Als Selbständiger

Als Selbständiger können Sie grundsätzlich frei entscheiden, ob Sie sich freiwillig gesetzliche versichern oder privatversichert sein möchten - unabhängig davon, wie viel Sie verdienen. Die Beiträge der privaten Versicherungen sind für junge Gutverdiener zwar oft niedriger als in der gesetzlichen, sie können im Laufe des Lebens aber kräftig steigen. Da sie nicht einkommensabhängig sind, sind die Beiträge unabänderbar und müssen in jeder Lebenslage gezahlt werden. Auch wenn die Auftragslage einmal nicht so gut ist. Die private Krankenversicherung birgt für Selbstständige daher ein gewisses, finanzielles Risiko. Die gesetzliche Versicherung ist für Selbständige deshalb meist die bessere Wahl, rät Finanztest.

Insbesondere, wenn Sie eine Familie haben oder planen, sollten Sie bedenken, dass Sie in der privaten Krankenversicherung für jedes Familienmitglied Beiträge zahlen müssen, während Sie in der gesetzlichen Krankenversicherung Ehegatten und Kinder beitragsfrei mitversichern können, soweit bestimmte Einkommensgrenzen nicht überschritten werden.

Grundlage für die Berechnung der gesetzlichen Krankenversicherungsbeiträge: Die beitragspflichtigen Einnahmen hauptberuflich Selbständiger werden bis zur monatlichen Beitragsbemessungsgrenze (4.050 Euro in 2014) herangezogen. Dabei berücksichtigt die gesetzliche Krankenversicherung nicht nur die Einnahmen aus der selbständigen Tätigkeit, sondern auch andere Einnahmearten, wie beispielsweise Einkommen aus einer Beschäftigung, Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung sowie Zinseinnahmen. Werden niedrigere Einnahmen als 2073,75 Euro im Monat nachgewiesen, gilt für hauptberuflich Selbständige eine geringere Bemessungsgrundlage.

Als Student

Alle Studenten müssen für eine Einschreibung an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule ihren Krankenversicherungsschutz nachweisen. Und das jedes Semester. Andernfalls verweigert die Hochschule die Rückmeldung. Für die Hochschule spielt es keine Rolle, ob Sie sich privat oder gesetzlich versichern. Studenten sind in der Regel aber in der Gesetzlichen besser aufgehoben. Für viele Studenten besteht nämlich die Möglichkeit, sich mindestens bis zum 25. Lebensjahr über die Eltern oder eventuell auch über ihren Ehepartner in der GKV beitragsfrei mitzuversichern (Ausnahme: bei zu hohen eigenen Einkünften). Ansonsten beträgt der Monatsbeitrag in der "Krankenversicherung der Studenten" über alle gesetzlichen Krankenversicherungen 67,77 Euro (exklusive etwaige Zusatzbeiträge). Die Mitgliedschaft in der studentischen KV endet automatisch mit Ende des 14. Semesters bzw. Ende des 30. Lebensjahres. Spätestens drei Monate danach müssen Sie sich freiwillig gesetzlich weiterversichert haben, sonst darf die GKV Sie nicht mehr aufnehmen.

Sind Sie als Studienanfänger bereits in einer privaten Kasse, können Sie sich von dem Eintritt in die "Krankenversicherung der Studenten" befreien lassen oder wechseln. Bleiben Sie in der privaten, können Sie später aber nicht mehr in die KVdS bzw. GKV zurück. Zwar bieten einige PKVs auch günstige Studententarife. Diese liegen in Summe dennoch meist über den Beiträgen der KVdS.

Für den Versicherungsschutz bei Auslandssemestern gelten besondere Bedingungen, die eine individuelle Beratung ratsam machen.

Als Rentner

Wenn Sie seit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Rentenantragsstellung mindestens 90 Prozent der zweiten Hälfte Ihres Erwerbslebens in einer GKV Pflichtmitglied waren, werden Sie in die "Krankenversicherung der Rentner" aufgenommen. Voraussetzung dafür ist, dass Sie eine gesetzliche Rente bekommen. Die Höhe der Monatsbeiträge richtet sich nach der Höhe Ihrer Altersbezüge insgesamt. Den Arbeitgeberanteil an den Beiträgen trägt die gesetzliche Rentenversicherung.

Privatversicherte Rentner haben oftmals das Problem, dass die Beiträge im Alter stetig steigen, während die Einkünfte meist geringer werden. Manchmal werden sie mit Monatsbeiträgen von bis zu 3000 Euro sogar unbezahlbar. Ein Wechsel in die GKV ist dann aber nicht mehr möglich. Wenn Sie als Ruheständler sparen wollen, hilft nur ein Tarifwechsel innerhalb der privaten Kasse.

Als Arbeitsloser

Werden Sie als gesetzlich versicherter Arbeitnehmer arbeitslos und bekommen Arbeitslosengeld, dann bleiben Sie versicherungspflichtig in der GKV. Die Beiträge werden in dieser Zeit durch die Bundesagentur für Arbeit entrichtet, auch wenn Sie anschließend Arbeitslosengeld II beziehen. Werden Sie als Privatversicherter arbeitslos und bekommen Arbeitslosengeld, werden Sie ebenfalls in der GKV pflichtversichert und müssen die Kasse wechseln. Es sei denn, Sie waren bereits in den vergangenen fünf Jahren in der PKV. Dann können Sie auf Antrag privat versichert bleiben. Diese Überlegung können Sie aber nicht widerrufen und müssen demnach die Versicherungsbeiträge selbst zahlen.

Auch Privatversicherte, die erst nach Vollendung des 55. Lebensjahres Arbeitslosengeld beziehen, müssen unter bestimmten Voraussetzungen in der PKV bleiben: Nämlich wenn sie in den vergangenen fünf Jahren nicht gesetzlich krankenversichert waren und mindestens die Hälfte dieser Zeit versicherungsfrei, von der Versicherungspflicht befreit oder hauptberuflich selbstständig waren.

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