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So können sich Opfer schützen

Stalker wissen meistens, dass ihre Aktivitäten oder Drohungen nutzlos sind – dennoch lassen 96 Prozent nicht von ihrem Opfer ab. Lesen Sie hier, was Sie im Falle eines Falles tun sollten und wo Sie frühzeitig Hilfe bekommen.

Stalking

Experten raten zu folgenden Verhaltensmaßnahmen, ein Informationsblatt der Polizei (PDF) können Sie hier herunterladen. Ein weiteres hat die Stadt Bochum zur Verfügung gestellt: Stalking und was Sie dagegen tun können (PDF). Adressen und weitere Anlaufstellen finden Sie unten.

  • Informieren Sie sich über Stalking: Sie sind nicht alleine mit dem Problem und kein Einzelfall. Das Geschehen verliert dadurch das Unheimliche. 

  • Gehen Sie nicht auf den Stalker ein, vermeiden Sie (vom frühestmöglichen Zeitpunkt an) jeglichen Kontakt. Lassen Sie sich auch nicht auf ein "allerletztes Treffen" ein – es würde nicht das letzte sein.

  • Dokumentieren Sie jede Attacke des Stalkers, alles was er macht. Speichern Sie Nachrichten auf Ihrer Mailbox, sammeln und datieren Sie Zettel, machen Sie Fotos. Notieren Sie sich alles in einem (gesonderten!) Kalender, um der Polizei Fakten und Beweismittel liefern zu können.

  • Informieren Sie Ihre Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde und Verwandte über das Stalking. So beugen Sie etwaiger Rufschädigung und wirtschaftlichem Schaden vor und vermeiden unter anderem, dass diese Menschen unbeabsichtigt Informationen über Sie weitergeben.

  • Organisieren Sie Unterstützung: Wenden Sie sich frühzeitig an eine Stalking-Opfer-Beratung (Adressen unten), melden Sie den Fall der Polizei, kontaktieren Sie Selbsthilfegruppen.

  • Die Polizei rät selbst dazu, Anzeige zu erstatten. Es habe sich gezeigt, dass das Einschreiten der Polizei gegen den Stalker Wirkung zeige und die Belästigungen nach einer Anzeige häufig aufhören würden, so die Bundespolizei-Beratung. "Je früher Sie in einem Stalking-Fall Gegenmaßnahmen ergreifen, desto schneller ist der Spuk erfahrungsgemäß vorbei", sagt auch Stalking-Expertin Sandra Cegla.

  • Wenn Sie akut verfolgt oder bedroht werden – unterwegs oder in der eigenen Wohnung – scheuen Sie nicht den Notruf 110 der Polizei zu wählen. Bei einer Verfolgung mit dem Auto, steuern Sie die nächste Polizeiwache an.

  • Oft können auch Anwälte hilfreiche Schritte unternehmen. Gegebenenfalls können Sie beim Familiengericht eine "Einstweilige Verfügung/Schutzanordnung" nach dem Gewaltschutzgesetz beantragen.

  • Wenn Sie über das Telefon, E-Mails oder SMS terrorisiert werden, informieren Sie sich über technische Schutzmöglichkeiten: Melden Sie den Telefonanschluss nicht ab, um die Neugier des Stalkers nicht zu befeuern. Stattdessen sollten Sie den Anrufbeantworter von einer neutralen Person besprechen lassen. Wenn möglich, richten Sie sich einen Zweitanschluss ein, über den Sie telefonieren. Auch eine separate E-Mail-Adresse könnte sinnvoll sein. Die Polizeiberatung informiert außerdem über geheime Rufnummern, Fangschaltungen und andere Maßnahmen.

  • Lassen Sie sich ggf. bei Ihrem Telefonanbieter gegen eine Gebühr von 30 - 50 Euro eine Fangschaltung einrichten, das kann nämlich nicht nur die Polizei: "Wenn man dann beispielsweise wieder einmal einen Anruf dieser bestimmten Nummer bekommt, kann man eine Tastenkombination drücken. Wenige Tage später erhält man dann von seinem Telefonanbieter Telefonnummer und Anschrift des Anrufers", erklärt stern TV-IT-Experte Tobias Schrödel. "Allerdings wird auch der Anrufer etwa zwei Wochen später informiert, dass er gefangschaltet wurde. Einzige Ausnahme: Wenn man schwerwiegende Argumente dagegen hat, wie etwa Verfolgung, Bedrohung oder Lebensgefahr." Doch allein das Wissen, dass man identifiziert wurde, könnte den Stalker in seine Schranken weisen.

  • Überprüfen Sie unbedingt auch die Sicherheitseinstellung Ihrer Internetprofile in sozialen Netzwerken. Checken Sie Ihre Freundesliste und legen Sie genau fest, welche Inhalte Sie (nicht) preisgeben möchten.

  • Wenn Sie Telefonnummern, Mail-Adresse, Postfach oder Wohnsitz wechseln: Teilen Sie Ihre neuen Daten nur Personen mit, denen Sie vertrauen. Sollte das Stalking auf einem der neuen Kanäle weitergehen, grenzt das den Kreis der Verdächtigen ein oder kann die Wege der Information nachzeichnen.

  • Werfen Sie keine persönlichen Sachen wie Fotos, Briefe, Katalogsendungen, Werbebroschüren, abonnierte Zeitschriften in den Hausmüll: Das könnte Stoff für den Stalker sein.

  • Wenn Sie glauben, dass Ihre Gesundheit unter dem Druck leidet, suchen Sie sich ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe. Unterstützung bei der Suche nach einem Ansprechpartner finden Sie auf den Seiten des Deutschen Ärztenetzes www.aerzte-im-netz.de  und beispielsweise über den Psychotherapie-Informationsdienst

  • Besuchen Sie nach Möglichkeit einen Selbstverteidigungskurs. Vielen Opfern gibt das mehr Selbstbewusstsein. Polizei und Landessportverbände sind bei der Suche nach seriösen Kursangeboten behilflich. 

Weitere Informationen und Anlaufstellen

www.sos-stalking.berlin
Die Agentur von Expertin Sandra Cegla, die sich jahrelang als Kriminalkommissarin mit Stalking-Opfern befasste, kümmert sich intensiv um Einzelfälle, erstellt Täterprofile und bietet Personenschutz sowie konkrete Hilfe zur Bekämpfung des Stalkers an.

www.gemeinsamgegenstalking.de
Zahlreiche Tipps für den Kampf gegen Stalker sowie Informationen für das Umfeld, Freunde und Familie von Opfern hat die Initiative Gemeinsam gegen Stalking zusammengestellt.

www.weisser-ring.de
Der Weiße Ring leistet umfassende Hilfe und ein offenes Ohr, wenn man von Straftaten betroffen ist – anonym und kostenlos. Unter der Telefonnummer 116 006 können Opfer über ihre Erlebnisse sprechen und Hilfe bekommen.

Hilfetelefon
Unter der Nummer 08000 116 016 können Sie rund um die Uhr jemanden erreichen und Ihre Situation kostenlos besprechen. Informationen zum Thema Stalking und die Möglichkeit der Online-Beratung finden Sie auch auf der Website.

www.stop-stalking-berlin.de
Die Website der Beratungsstelle wendet sich sowohl an Menschen, die selbst stalken, als auch an solche, die gestalkt werden. In mehreren Sprachen und inklusive Online-Beratung.
www.stalkingforschung.de
Arbeitsgruppe "Stalking" der Technischen Universität Darmstadt erforscht das Phänomen Stalking, macht Umfragen und beantwortet Fragen.

www.stalking-nrw.de
Die Landesinitiative Stalking NRW informiert Opfer, aber auch Täter, umfassend, unter anderem zu rechtlichen Möglichkeiten und dem Paragrafen § 238. 

www.bmjv.de
Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz will den Schutz von Opfern und die Präventionsmaßnahmen verbessern. Auf der Internetseite können Sie sich über konkrete Projekte und Hilfen informieren. Eine Broschüre, welche Rechte Sie als Opfer genau haben, können Sie sich hier anschauen/herunterladen (PDF).

www.nakos.de
Die deutschlandweite Anlaufstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen hat eine Datenbank, in der Sie eine Selbsthilfegruppe oder Kontaktstelle in Ihrer Nähe finden können.

www.frauen-gegen-gewalt.de
Speziell auf Frauen konzentriert sich der Verein Frauen gegen Gewalt e.V. In den Beratungsstellen finden von Gewalt(drohungen) betroffene Frauen und Mädchen Hilfe.  

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