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Billigtextilien gegen Markenware

Alle paar Monate wachsen die Kinder aus ihren Sachen heraus. Das geht ins Geld. Große Bekleidungsketten bieten Shirts und Hosen schon für wenige Euro an. Doch was taugen die billigen Textilien und Schuhe? Ist Markenware wirklich besser? stern TV hat die Kinderkleidung unter die Lupe genommen.

  Marken- versus Billig-Textilien im stern TV-Test: Welche Qualitätsunterschiede gibt es zwischen teuren und preiswerten Kinder-Shirts?

Marken- versus Billig-Textilien im stern TV-Test: Welche Qualitätsunterschiede gibt es zwischen teuren und preiswerten Kinder-Shirts?

T-Shirts, Jeans und Sandalen, Sportschuhe, Stiefel und Winterjacke - die Kinder jede Saison neu auszustatten geht ans Portemonnaie. Viele Eltern können sich das nur leisten, weil sie bei preisgünstigen Kleidungsstücken zugreifen, die große Ketten und Discounter anbieten. Ist diese Kinderkleidung aber genauso gut wie Sachen von Markenherstellern? stern TV hat es getestet: Billig gegen Teuer.

In einem Einkaufszentrum stellen wir zwei Kinder-Outfits aus. Eins kostet Komplett nur 34 Euro, bestehend aus Shirt (5 Euro), Jeanshose (10 Euro) und einer Windbreaker-Jacke (19 Euro). Das zweite Outfit ist mit 116 Euro etwa dreieinhalb Mal so teuer: Die Jacke kostet 60 Euro, das Shirt 30 Euro und die Jeanshose 26 Euro. Beide sehen ähnlich aus, doch ist der deutliche Preisunterschied zu erkennen? Passanten sollen die Preise schätzen – und liegen fast alle daneben. Das teure Shirt wird wesentlich billiger eingeschätzt, das billige Shirt teurer. Selbst nach dem Befühlen der Kleidungsstücke kommen die Prüfer nicht weiter: Die Billighose wird für doppelt so teuer gehalten. "Das hat mich jetzt wirklich überrascht, muss ich sagen. Aber das ist ja nicht nur bei Kinderklamotten so", sagt der erste männliche Passant. "Dass man oft teure Sachen als nicht so teuer ansieht."

Qualitätstest anhand einer Stichprobe

Den Kindern ist das sowieso egal, wie ein Einkaufstest mit dem fünfjährigen Theo und der siebenjährigen Rebecca zeigt. Für sie gibt es – beispielsweise beim Shirt – nur zwei Kriterien: Das Motiv und die Farbe. Die Kinder haben ihre Auswahl getroffen (s. Kasten links). Natürlich handelt es sich bei diesem Test lediglich um eine Stichprobe. Doch wie sieht es mit der tatsächlichen Qualität dieser Shirts aus? Wir geben alle Shirts in das Labor der Öffentlichen Prüfstelle für Textilwesen an der Hochschule Niederrhein in Mönchengladbach. In der Prüfung der so genannten Berstfestigkeit einem Drucktest, müssen die Kleidungsstücke ihre Stoffqualität unter Beweis stellen. Ergebnis: Alle 10 Shirts halten mehr aus, als der branchenübliche Standard vorgibt.

Der zweite Test widmet sich der Giftstoffbelastung. Azofarbstoffe etwa sind gesundheitsschädliche Färbemittel. In den Motivdrucken könnten außerdem Weichmacher enthalten sein. Auch hier das Ergebnis: "Restchemikalien, die über den verlangten Nachweisgrenzen lägen, haben wir nicht nachweisen können", sagt Laborleiter Prof. Lutz Vossbein "Das heißt: Von der Farbe und vom Aufdruck her sind sie alle unbedenklich, also nicht gesundheitsschädlich." Demnach liegen – billig und teuer – im Qualitätstest bisher gleichauf. Das für Eltern und Kinder relevanteste Kriterium mag aber sein: die Haltbarkeit der Kleidung. Mit Stoffstreifen wird getestet, ob die knallig bunten Shirts beim Waschen auf andere Stoffe abfärben. Außerdem waschen die Textilprüfer die Shirts genau nach Waschanleitung fünf Mal, inklusive Trocknergang. Abgefärbt hat nur das günstige Shirt von KIK. Doch acht von 10 Shirts haben sich beim Waschen verzogen. Die Seitennähte sind verdreht und nach vorne gewandert. Unter den teuren Shirts enttäuschte vor allem das der Marke Paul Frank: "Es hatte die mit Abstand größten Maßänderungsprobleme. Es ist unten weiter und oben enger geworden. In der Länge ist es enger geworden. Und der Aufdruck hat deutlich die Farben gewechselt", so Vossbein. Außerdem noch schwach im Qualitätstest: die zwei billigen Shirts von KIK und H&M. Fünf weitere Shirts, egal ob billig oder teuer, haben gut abgeschnitten. Die eindeutigen Sieger stammen aus der teuren Produktgruppe: die Shirts von Pepe Jeans und Lego Wear.

Billige Kinderschuhe gegen teure

Vor anderthalb Jahren hatte stern TV bereits einen Kinderschuhtest gemacht: Die vier Kinder der Familie Eich-Engels testeten drei Monate lang je einen billigen und einen teuren Schuh am Fuß, die sie gleichzeitig trugen. Die Preisunterschiede lagen je Paar zwischen 40 und 60 Euro. Die jeweils ungetragenen Einzelschuhe gingen ebenfalls ins Labor zum TÜV Rheinland, wo sie auf Haltbarkeit und Schadstoffe untersucht wurden. Experte Ralf Diekmann resümierte: "Wir haben nach den Azofarbstoffen und nach dem Stoff Chrom 6 geschaut. Alle haben die Prüfparameter bestanden." Im Belastungstest wurden das Biegeverhalten der Sohlen und deren Zusammenhalt geprüft. Neun von zehn Schuhen bestanden auch diesen Test, nur ein Billigschuh (20 Euro/Paar) fiel durch. Derselbe Schuh bestand auch den Praxistest am Fuß der kleinen Tochter keine paar Wochen. Insgesamt zeigten alle Schuhe nach drei Monaten deutliche Gebrauchsspuren, doch die restlichen – sowohl teure als auch billige – schnitten im Alltagstest gut ab.

Ähnlich ist auch das Ergebnis unseres aktuellen Tests: Die Billigmode hat sich im Vergleich zur teuren gut geschlagen. Rein optisch gibt es kaum Unterschiede, wie die Outfit-Umfrage zeigt. Wer mehr Geld ausgibt, kann etwas mehr Qualität und Haltbarkeit erwarten. Eine Garantie ist ein hoher Preis dafür aber nicht immer. Dennoch sagt Experte Lutz Vossbein: "Wenn man nur auf den Preis achtet, kann man schon günstig einkaufen. Nach unserer Auswertungsstatistik im Textillabor ist ein Fehlgriff aber wahrscheinlicher – im Hinblick auf Haltbarkeit oder Toxizität, wenn man billige Textilien kauft." Generell gäbe es im Bereich Kinderkleidung aber nur Ausnahmen, in denen Formaldehyd oder andere giftige Substanzen nachgewiesen werden könnten. Sowohl die Kunden, als auch die Hersteller würden darauf mehr achten, so Vossbein. Insbesondere bei namenhaften Herstellern sei der Markenschaden enorm, wenn es entsprechende Meldungen in der Presse gäbe.

Tipps vom Experten

Dennoch empfiehlt der Experte, körpernahe Kleidung und Leibwäsche vor dem ersten Tragen immer zu waschen, um Restchemikalien zu entfernen. Zudem sei das eine Möglichkeit, die Qualität zu überprüfen und das Stück bei Einlaufen, Farb- oder Formverust zeitnah umzutauschen. "Dann kann man ins Geschäft gehen und sagen 'Das Teil ist ungetragen und zeigt schon nach dem Vorwaschen Qualitätsmängel'."

Viele Kleidungsstücke kommen heutzutage aus Asien. Gerade Kleidung aus dem Billigsegment, so weiß man, wird unter wenig ethischen oder umweltfreundlichen Bedingungen hergestellt. Wer nachhaltig einkaufen möchte, sollte sich deshalb kundig machen. "Man kann auf Qualitätssiegel achten", so Prof. Vossbein bei stern TV. "Aber die meisten Leute kennen nicht alle Siegel." Sein Tipp: Die Internetseite Siegelklarheit.de, die die einzelnen Qualitätssiegel erklärt – etwa, ob es sich um eine chemische oder um eine soziale Überprüfung der Arbeitsbedingungen handelt. Beim Einkauf unterwegs hilft die entsprechende App.

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