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"Wir hatten Angst um unser Leben"

Lisa, Leonie und Lara sind drei von Hunderten Frauen, die Silvester am Kölner Hauptbahnhof Opfer von sexueller Gewalt wurden. Mehrere Männer verfolgten sie, kesselten sie ein, betatschten sie. Bei stern TV berichten die Frauen von einer Silvesternacht mit Folgen.

  Svenja Z. am Ort der Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof. Auch sie wurde in der Silvesternacht Opfer von sexuellen Übergriffen.

Svenja Z. am Ort der Ereignisse am Kölner Hauptbahnhof. Auch sie wurde in der Silvesternacht Opfer von sexuellen Übergriffen.

Seit den unfassbaren Ereignissen in der Silvesternacht, die sich am Kölner Hauptbahnhof zugetragen haben, wird deutschlandweit heftig diskutiert: über ein mögliches Versagen der Polizei, über die Sicherheit von Frauen, über die Täter und deren Herkunft. Inzwischen liegen der Polizei mehr als 650 Anzeigen vor; Von den mutmaßlichen Tätern konnten bislang jedoch erst wenige ermittelt werden. Wie haben die Opfer die Horrornacht in Köln erlebt? Lisa, Leonie und Lara sind drei der betroffenen Frauen, die in vor wenigen Tagen mitten drin waren, in diesem Horrorszenario. Sie wurden von Männern sexuell bedrängt, genötigt und begrapscht: "Die Hände waren überall", so Lisa über die beängstigenden Momente. "Wir waren eingekesselt", erinnern sich Lara und Leonie. "Wir hatten echt Angst um unser Leben." 

Allein an stern TV wandten sich 38 Betroffene Frauen mit ihren Erlebnissen aus der Silvesternnacht, unter anderem: Ich wurde von mehreren Männern gleichzeitig überall angefasst und sie versuchten, mich auszuziehen. Ich hatte noch nie solche Angst. Ich dachte, jetzt ist es vorbei und du wirst vergewaltigt in aller Öffentlichkeit. (Medaleine F.) / Mir haben in kurzer Zeit mindestens 20 Männer an meinen Hintern gegrapscht. Sie konnten alle kein Deutsch und haben mich noch dreist ausgelacht. Dann rissen sie meiner Freundin noch die Handtasche weg (Doro F.) / Wir waren eingekreist von Männern, die uns von allen Seiten begrapschten. Ich hatte das Gefühl, als wären wir in einem Fangnetz. (Friederike Z.)

"Hoffentlich wirst du nicht vergewaltigt"

Auch Svenja Z. war mit ihrer Freundin aus dem Ruhrgebiet nach Köln gereist, um ein schönes Silvester zu feiern. Doch der Abend wurde für sie zu einem der schrecklichsten. Nachdem sie sich anfangs bereits verfolgt fühlten, wollten die jungen Frauen in ihr Hotel. Dafür mussten sie jedoch den überfüllten Bahnhof durchqueren. "Irgendwann standen wir dann mittendrin in der Menschenmenge und es gab kein Vor und kein Zurück mehr. Das war eigentlich das Schlimmste: Dass dich Menschen angefasst haben, dir in die Taschen gegriffen haben, dir dein Persönlichstes klauen wollten", erzählt Svenja Z. "Und letztlich dir dann auch dein Persönlichstes nahmen, deine Würde. Indem sie dir zwischen die Beine gefasst haben, einfach an den Busen gefasst haben." 

Für die Frauen waren es Minuten schierer Angst. "In dem Moment gehen dir Gedanken durch den Kopf 'Hoffentlich wirst du nicht vergewaltigt.' Das war die größte Angst, die ich hatte in dem Moment."

Tatsächlich kam es an dem Abend auch zu Vergewaltigungen. Das Polizeiprotokoll jener Nacht dokumentiert eine Liste von Abscheulichkeiten. Svenja Z. ist seit der Silvesternacht eine andere, sagt sie. Am nächsten Morgen erschien ihr das alles zunächst wie ein böser Traum: "Ich glaube, wir mussten beide erst mal verstehen, was da wirklich vorgefallen ist. Weil das so unglaubwürdig ist. Dieses Gefühl: ist es wirklich in Köln passiert? Aus einem so schönen Tag ist so eine Nacht geworden?"

581 Anzeigen, 305 wegen sexueller Übergriffe

Die Aufarbeitung des Silvesterabends in Köln hat für alle gerade erst begonnen. Mittlerweile haben 581 Menschen Anzeige erstattet  – 305 davon wegen sexueller Übergriffe. Welche Folgen haben die Ereignisse auf das Sicherheitsgefühl eines ganzen Landes? Live in der Sendung diskutierten neun betroffene Frauen und Zeugen zusammen mit der Frauenrechtlerin und ehemaligen SPD-Politikerin Lale Akgün, sowie mit Moderator und Journalist Jaafar Abduk-Karim und dem ehemaligen Bundespolozisten Nico Hein, der in den vergangenen Tagen mit einem Facebook-Post für Aufsehen sorgte. 

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