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Ärger um Hauptgewinn: Muss man unter Freunden teilen?

In geselliger Runde Bier trinken, das macht man als Clique so. Doch was, wenn einer im Kronkorken des gemeinschaftlich gekauften Biers einen Hauptgewinn findet? Wem steht der Preis zu? Ein Freundeskreis aus Schmallenberg ist darüber zerbrochen.

Gemeinsam Bier trinken - und in einem Kronkorken steckt der Hauptgewinn: Wem steht er zu?

Gemeinsam Bier trinken - und in einem Kronkorken steckt der Hauptgewinn: Wem steht er zu?

Ein kleiner Kronkorken kann eine Freundschaft zerstören, wie der Fall der (ehemaligen) fünf Freunde aus dem sauerländischen Schmallenberg zeigt. Als die Clique im Mai 2015 ein feucht-fröhliches Wochenende am Edersee. Für das gekaufte Bier wollten sie zusammenlegen. Als die fünf Freunde am gemeinsam die Flaschen tranken, sammelten sich schnell einige Kronkorken auf dem Tisch, als einer von den Freunden plötzlich einen anders aussehenden Deckel entdeckte und vom Tisch nahm.  Es war ein Kronkorken mit dem Hauptgewinn des Brauerei-Gewinnspiels: ein nagelneuer Audi A3 im Wert von knapp 29.000 Euro. Der Glücklich beansprucht den Gewinn für sich. Doch nun erhebt auch eine Freundin aus der Fünfer-Clique ebenfalls Anspruch darauf – denn den Bierkasten mit der Glücks-Flasche hatten sie schließlich gemeinsam bezahlt. Der Fall landete vor dem Landgericht Arnsberg und der Umtrunk der Schmallenberger Freunde ist inzwischen Diskussionsstoff in ganz Deutschland: Muss man in einem solchen Fall mit den Freunden teilen? Wem steht der Preis zu?

Was meinen Sie?

Wem steht der Gewinn zu?

Fünf Leute haben gemeinsam Bier gekauft und getrunken. Einer der Kronkorken enthält einen Gewinn: ein Audi A3. Wem steht der Preis zu? Dem Finder oder allen?

Fünf Leute haben gemeinsam Bier gekauft und getrunken. Einer der Kronkorken enthält einen Gewinn: ein Audi A3. Wem steht der Preis zu? Dem Finder oder allen?

"Sie haben ein Gesellschaftsvermögen angelegt"

Juristisch gesehen sei die Sache eigentlich klar, meint Rechtsanwalt Christian Solmecke: "Formal gesehen haben die Freunde offenbar, wie von der Klägerin argumentiert, eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts, also eine GbR gegründet. Dafür spricht, dass wohl abgesprochen war, sämtliche Kosten für das Wochenende zu teilen. Das Geld wurde quasi in einen Topf geworfen und damit sozusagen ein Gesellschaftsvermögen angelegt." Obwohl der Kronkorken von den anderen unbeachtet geblieben war, habe er das Umfeld der Gesellschaft nicht verlassen und sich somit noch im direkten Zugriff aller auf das Gesellschaftsvermögen befunden. Der Kronkorken und damit der Gewinn sei also Teil des Gesellschaftsvermögens.

Der beklagte Gewinn-Einlöser hatte nach 12.000 gefahrenen Kilometern offenbar die Lust an dem Audi verloren und verkaufte das Auto für 17.500 Euro. Das Gericht schlug nun einen Vergleich von 3500 Euro vor. Doch die Klägerin verlangt 5.736 Euro – exakt ein Fünftel des Neuwagenpreises. Die gerichtliche Entscheidung in dem Fall fällt frühestens Anfang März.

Gleiches Gewinnspiel, andere Lösung

Mark Linnenbank und Peter Seipel waren sich hingegen gleich einig: Die beiden Kollegen hatten bei demselben Gewinnspiel eines der Autos gewonnen. Mark hatte den Gewinn-Kronkorken beim gemeinsamen Feierabendbier entdeckt, das Peter zuvor gekauft und bezahlt hatte. Auch ihnen stellte sich daher die Frage: Wem gehört der Audi denn nun? "Ich habe mich natürlich erstmal gefreut wie Bolle. Aber ich wusste ganz genau, wenn du das Ding für dich alleine behältst, dann würde das die Freundschaft zerstören", sagt Mark Linnenbank. Für die beiden war sofort klar: der Gewinn wird geteilt. "Für uns war das eigentlich gar kein Thema. Irgendwann sind wir zusammen nach Ingolstadt gefahren und haben die Kiste abgeholt." Und da man ein Auto schwer teilen kann, haben die Freunde es für 20.000 Euro verkauft und von dem Geld zusammen einen Segeltörn gemacht. Den Rest teilten sie gerecht auf. "Meine Frau hat gesagt: 'Endlich hat es sich mal gelohnt, dass du ein Bier getrunken hast'", erzählt Peter Seipel.

Teilen, oder nicht? Diese Frage umtrieb auch die stern TV-Fans auf unserer Facebook-Seite

Ganz schwierige Frage und kein Wunder, dass es da Streit gibt. Mir würde da spontan auch keine Lösung einfallen.

Ich würde mich für meinen Freund freuen, der genau diese Flasche aus der Kiste gefischt hat, und ihn in Zukunft zum Fahren verdonnern.

Wer den Korken findet, dem gehört das Auto. Selber schuld, wenn die anderen die Korken achtlos liegen lassen.

Teilen… keine Frage. Eins steht fest: Freunde werden sie nach der Gerichtsverhandlung nicht mehr sein… ob es das wert ist?

 

Übrigens: Einen gewissen Neid verspürt letztlich jeder Mensch, auch wenn wir es ungerne zugeben. Und besonders neidisch sind wir nachgewiesenermaßen auf das, was auch für uns greifbar wäre. stern TV hat es getestet.


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