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Knochenmark-Spenden: Ist der Eingriff für Spender gefährlich?

Für Guido Westerwelle war eine Stammzellspende die Rettung. Auch viele andere Leukämie-Patienten warten darauf. Wer überlegt, sich als Spender registrieren zu lassen, erfährt hier kurz und knapp alles Wichtige.

  Günther Jauch und seine Gäste sprechen über das Schicksal einer Leukämie-Erkrankung

Günther Jauch und seine Gäste sprechen über das Schicksal einer Leukämie-Erkrankung

Bevor sich jemand zu einer Typisierung oder für eine Knochenmarkspende entschließt, gibt es natürlich viele offene Fragen. stern TV möchte die wesentlichsten hier beantworten.

Alle erdenklichen Fragen rund um das Thema beantwortet die DKMS ausführlicher hier auf ihrer Internetseite www.dkms.de/faq.

Für welche Erkrankungen wird eine Knochenmark- oder Stammzellspende benötigt?

Knochenmark- oder Stammzellspenden helfen vor allem bei Leukämie oder anderen Bluterkrankungen. Und zwar, wenn die herkömmlichen Behandlungsformen wie beispielsweise Chemotherapie und Bestrahlung keine dauerhafte Heilung erzielen.

Wie groß sind die Heilungschancen für Betroffene, wenn sie eine Spende erhalten?

Die Heilungschance liegt zwischen 40 und 80 Prozent und hängt von vielen Faktoren ab, etwa welche Erkrankung besteht, welche Maßnahmen bereits vor der Transplantation unternommen wurden, wie alt der Spender ist, ob andere Erkrankungen vorliegen oder auch wie lange die Spendersuche gedauert hat.

Wie wird eine passende Spende gefunden?

Die Wahrscheinlichkeit einer Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger liegt im günstigen Fall leider nur bei 1:20.000. Manchmal kann es aber auch passieren, dass unter Millionen Menschen kein passender Spender gefunden wird. Deshalb ist es weiterhin notwendig, dass sich noch mehr Menschen typisieren lassen. In Deutschland sucht immer noch jeder fünfte Patient, der auf eine Spende angewiesen ist, vergeblich nach seinem "genetischen Zwilling", dem passenden Spender.

Wie vielen Menschen konnte bislang mit einer Spende geholfen werden?

Die DKMS führt seit 24 Jahren Spender und Betroffene zusammen, bislang etwa 52.000 Mal. Weltweit haben sich mittlerweile fast sechs  Millionen Menschen typisieren lassen.

Wie funktioniert eine Typisierung?

Zunächst müssen Sie eine Einverständniserklärung ausfüllen und einen Wangenabstrich machen, der für die Typisierung gebraucht wird. Das können Sie direkt durch die DKMS machen lassen, oder selbst zu Hause. Ein Typisierungsset können Sie sich nämlich auch telefonisch unter 0221 - 9405 820 oder online über dieses Formular bestellen - natürlich kostenlos. Sie machen dann einfach mit einem Wattestäbchen einen Abstrich von Ihrer Mundschleimhaut und füllen die Einverständniserklärung aus. Beides schicken Sie an die DKMS zurück. Der Abstrich wird im Labor ausgewertet und für alle Suchenden anonym gespeichert.

Wo kann ich mich typisieren lassen?

Wenn Sie eine persönliche Typisierung vorziehen, können Sie das bei einer Veranstaltung der DKMS in Ihrer Nähe tun. Zur Analyse Ihrer Gewebemerkmale werden Ihnen dann entweder 5 ml Blut aus der Armvene abgenommen oder Sie machen einen Wangenabstrich mit einem Wattestäbchen-Set. Sie können sich auch bei einer DKMS-Partnerkliniken registrieren lassen.

Kostet es etwas, sich typisieren zu lassen oder Spender zu werden?

Nein. Die Kosten von 50 Euro für eine Typisierung trägt die DKMS. Bei einer Knochenmark- oder Stammzellenspende übernimmt die Krankenkasse des betroffenen Patienten alle notwendigen Untersuchungs- und Behandlungskosten und bezahlt einen eventuellen Krankenhausaufenthalt des Spenders für den kleinen Eingriff. Ebenso übernimmt die DKMS die Kosten eines möglichen Verdienstausfalls, Reisekosten und andere nichtmedizinische Aufwendungen. Die DKMS regelt alle organisatorischen Belange für Sie.

Was muss der Spender alles machen?

Kommt ein Spender in die engere Auswahl, muss er nochmals Blut abgeben, das dann noch genauer untersucht und mit den Gewebemerkmalen des Patienten vergeglichen wird. Steht sicher fest, dass der Spender passt, dann wird er ausführlich medizinisch untersucht. Damit werden mögliche Risiken für ihn, aber auch für den Patienten ausgeschlossen. Für die Spende wird seitens der DKMS alles organisiert, so dass der Spender nur noch an- und abreisen muss. Auch mit dem Arbeitgeber klärt die DKMS den Arbeitsausfall. Ob der Spender dann ambulant Stammzellen spendet oder ihm unter Vollnarkose der Beckenknochen punktiert wird, entscheidet der behandelnde Arzt des Patienten.

Worin unterscheidet sich eine Stammzellspende von einer Knochenmarkspende?

Es gibt zwei Verfahren, wie Stammzellen gewonnen werden: Die periphere Stammzellentnahme, die in etwa 80 Prozent der Fälle angewendet wird, und die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm. Bei der peripheren Stammzellentnahme wird dem Spender über mehrere Tage ein hormonähnlicher Stoff, der Wachstumsfaktor G-CSF, verabreicht, der vom Körper selbst beispielsweise bei entzündlichen Infekten produziert wird. Dieses Medikament stimuliert die Produktion der Stammzellen, die dann über ein spezielles Verfahren (Apherese) aus dem Blut gesammelt werden.

Bei der Knochenmarkentnahme (die nichts mit dem Rückenmark zu tun hat) wird dem Spender unter Vollnarkose circa ein Liter Knochenmark-Blut-Gemisch aus dem Beckenknochen entnommen und dem Patienten übertragen.

Ist der Eingriff für den Spender gefährlich?

Das Risiko ist klein. Bei der Knochenmarkspende beschränkt es sich im Wesentlichen auf das übliche Narkoserisiko. Nach der Entnahme kann für einige Tage ein lokaler Wundschmerz auftreten – ähnlich dem einer Prellung. Bei der peripheren Stammzellspende können während der Medikamenteneinnahme grippeähnliche Symptome auftreten. Langzeitnebenwirkungen sind nach dem heutigen Forschungsstand nicht belegt.

Wie schnell erholt man sich nach einer Spende?

Bei der Knochenmarkspende ist man nach drei Tagen wieder zu Hause. Es gibt einen lokalen Wundschmerz und Spender beschreiben es so: "Es fühlte sich so an, als hätte ich mich an der Tischkante gestoßen." Bei der ambulanten Spende können während der Medikamenteneinnahme grippeähnliche Symptome auftreten. Am Tag der Spende fühlen sich einige Spender ein wenig schlapp. Die Mehrheit geht aber bereits am folgenden Tag wieder arbeiten. Die entnommenen Stammzellen beziehungsweise das Knochenmark-Blutgemisch regeneriert sich nach wenigen Wochen vollständig. Verdienstausfall und alle anderen Kosten des Spenders werden von der Krankenkasse des Patienten übernommen. In beiden Fällen wird der Spender vor der Entnahme eingehend ärztlich untersucht.

Können Spender und Empfänger einander immer kennenlernen?

Grundsätzlich dürfen sich Spender und Empfänger kennenlernen. Allerdings ist ein wenig Geduld gefragt: Die deutschen Richtlinien sehen vor, dass sich Spender und Patient erst zwei Jahre nach der Spende persönlich kennenlernen dürfen. In der Zeit zwischen Spende und Ablauf der Frist vermittelt die DKMS anonymisiert Briefe zwischen Spendern und Patienten.

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