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Das skrupellose Geschäft mit kranken Hundebabys

Über Kleinanzeigen im Internet werden permanent unzählige Hundebabys angeboten: Welpen von Rassehunden zu einem günstigen Preis. Wer ein solches Tier kauft, unterstützt nicht nur die so genannte Welpen-Mafia und fördert somit das Leid unzähliger Hunde. Der Käufer bekommt oft auch ein krankes Tier.

  Die Hundebabys werden überwiegend per Internet beworben. Hier: eine Anzeige für acht Wochen alte Shih Tzu-Welpen.

Die Hundebabys werden überwiegend per Internet beworben. Hier: eine Anzeige für acht Wochen alte Shih Tzu-Welpen.

Das Internet ist ein beliebter Marktplatz für den illegalen Handel mit Hundewelpen aus Osteuropa. Hier werden Welpen aller Rassen zu niedrigen Preisen per Kleinanzeige angeboten – mit niedlichen Fotos und rührseligen Texten, in denen von "liebevoller Aufzucht" oder "familiärem Anschluss" die Rede ist. Doch die Realität sieht für die Tiere anders aus: Ein Großteil der Welpen kommt aus Polen, Tschechien, Ungarn oder Rumänien, wird dort in so genannten "Vermehrungs-Stationen" unter abscheulichen Haltungsbedingungen "produziert". Die kleinen Hunde werden früh von den Muttertieren getrennt und in Kisten stunden- und tagelang durch halb Europa transportiert. Immer wieder macht der Welpen-Schmuggel Schlagzeilen. Erst im Dezember stoppte der Zoll zwei Transporter aus Ungarn und der Slowakei, aus denen 217 Tiere befreit wurden. Viele Welpen hatten die Tortur nicht überlebt – oder waren schwer krank.

"Wir reden dabei von Welpen-Mafia"

Auch der Hund von Isabela aus Wesel ist krank. Ihr Shih Tzu namens "Pingu" muss seit über zwei Jahren regelmäßig zur Physiotherapie, weil sich seine Muskeln immer wieder verkrampfen. Der Hund läuft schief, kann nicht richtig spielen, fällt immer wieder hin. Behandlungskosten bisher: 4000 Euro. Pingu hatte sie einst über eine Ebay Kleinanzeige gefunden. Sie vereinbarte ein Treffen mit der Händlerin – einer Polin. Vor Ort öffnete ein Mann Isabela die Tür. " "Der Mann wollte eigentlich gar nichts von mir wissen", erzählt die junge Frau. Er habe lediglich auf andere Interessenten verwiesen und dass sie sich gleich entscheiden solle.
Der Mann verlangte 350 Euro für den Welpen. Bei einem seriösen Züchter liegen die Preise für Shih Tzus zwischen 1000 und 1500 Euro. Einen Kaufvertrag gab es nicht. "Ich war so euphorisch, ich wollte den Hund einfach nur mitnehmen! Dann habe ich dem Mann die 350 Euro gegeben. Er wollte nicht mal meinen Namen wissen, er wollte nicht wissen, wo ich wohne oder wo der Hund hinkommt… Das fand ich schon seltsam."

Monate später fiel der kleine Hund beim Laufen um, kurz darauf konnte er gar nicht mehr aufstehen. Als Isabela Kontakt zu dem Verkäufer aufnehmen wollte, existierte die Handynummer nicht mehr. Die Tierärzte stellten bei Pingu eine neurologische Störung fest, die als Folge einer Inzucht auftreten kann. Keine Seltenheit bei Hunden aus Osteuropa. Die Ärzte rieten dazu, den Hund einzuschläfern, doch Isabela wollte ihn nicht aufgeben. Nach zwei Monaten trat eine Genesung auf, Pingu konnte an einem Tragegurt wieder ein Stück gehen, seinen Kopf aber noch immer nicht richtig anheben. "Ich würde diesen Leuten einfach gerne mal zeigen: So ist der Hund heute. Das hätte einfach nicht sein müssen!"

stern TV hat sich gemeinsam mit der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" und der Polizei auf die Spur der illegalen Welpenhändler aus Osteuropa gemacht. "Wir reden dabei von Welpen-Mafia, weil man sich dieses ganze Geschäft mit den Welpen wie ein mafiös strukturiertes Netz vorstellen muss" sagt Tierschützerin Birgitt Thiesmann. Die Hunde werden kostengünstig in Ungarn, Polen, Rumänien, der Slowakei und Tschechien gezüchtet und dann größtenteils nach Westeuropa transportiert. Dabei arbeiten Händler und Züchter eng zusammen. Die Hunde werden in so genannten "Vermehrer-Stationen" geboren. "Das können Keller sein, das können Schuppen sein, das können Ställe sein", weiß Thiesmann. "Es gibt kein vernünftiges Futter, es gibt kein frisches Wasser, es gibt keine medizinische Hilfe. Die Tiere liegen in ihrem eigenen Dreck."

So läuft der Welpenhandel ab

Der Händler kennt verschiedene Züchter, die jederzeit Mengen von Welpen liefern können. Muttertiere werden unter unvorstellbaren Bedingungen gehalten – mit nur einem Ziel: Vermehrung. "Das können Keller sein, das können Schuppen sein, das können Ställe sein, es gibt kein vernünftiges Futter, es gibt kein frisches Wasser, es gibt keine medizinische Hilfe, die Tiere liegen in ihrem eigenen Dreck", weiß Tierschützerin Birgitt Thiesmann.

Hat der Welpenhändler einen Auftrag, verabredet er sich mit den Züchtern und ihren infrage kommenden Tieren, um die Hunde einzusammeln. Dann wird eine Auswahl getroffen: "Die Tiere, die am gesündesten aussehen und den fittesten Eindruck machen werden ausgestattet mit Impfpässen, die in der Regel gefälscht sind", so Birgitt Thiesmann. "Das heißt, die Tiere sind nicht geimpft."

Dann werden die Welpen in Transporter verladen und in das Bestimmungsland gebracht. Die Transporte dauern oft Stunden oder sogar Tage. Für die sehr jungen Tiere ist das eine Tortur. Noch dazu haben sie oft Würmer, Milben oder andere Parasiten und leiden an psychischen Störungen und/oder tödlichen Krankheiten wie Paravirose oder Staupe, sagt die Expertin. 

Sobald die Grenzen passiert wurden,  kann das Geschäft abgeschlossen werden. In Westeuropa haben Rassewelpen einen besonders hohen Marktwert, die Gewinnmarge ist hoch. Selbst bei einer bereits einkalkulierten Sterberaten unter den Hundebabys. In vielen Fällen werden die Welpen Interessenten von Privatmenschen vorgezeigt und unter gefälschten Angaben verkauft. Worauf Sie als potenzieller Kunde achten und wann Sie Verdacht schöpfen sollten, erklärt diese Checkliste für den Welpenkauf.


Birgitt Thiesmann weiß auch, warum so viele Hunde aus Osteuropa krank und verstört in Deutschland ankommen: "Dieser ganze Welpen-Handel ist eine Tierquälerei. Die Tiere werden schon in ganz fürchterliche Verhältnisse reingeboren, so dass sie von Anfang an kaum eine Chance haben, ein vernünftiges Leben zu führen. Das wirkt sich natürlich auch psychisch auf die Hunde aus. Und viele sterben schon in den allerersten Wochen", so die Tierschützerin. "Nicht zu vergessen die Mutterhündinnen. Die kommen ihr Leben lang nicht aus diesen Verschlägen raus. Die sehen kein Tageslicht, werden nicht ausgeführt – die haben nur eine einzige Aufgabe: am laufenden Band zu gebären. Und wenn sie dazu nicht mehr in der Lage sind, dann werden sie kurzerhand entsorgt."


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