Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Wann abgelaufene Lebensmittel unbedenklich sind

Kann man einen 14 Monate abgelaufenen Joghurt noch essen? Eine Zuschauerin machte den Selbstversuch. stern TV hat es ihr nachgemacht und weitere Lebensmittel getestet. Die Ergebnisse überraschten.

  Viele Milchprodukte sind auch nach dem Verfallsdatum noch lange genießbar - weil sie eben nicht "verfallen".

Viele Milchprodukte sind auch nach dem Verfallsdatum noch lange genießbar - weil sie eben nicht "verfallen".

Als Tanja Brünnen in ihrem Kühlschrank einen Joghurt fand, der bereits 14 Monate abgelaufen war, wagte sie den Selbstversuch – und probierte das laut Angaben längst verfallene Lebensmittel: "Der Joghurt roch gut, sah gut aus, schmeckte gut und wir sind nicht krank davon geworden", schrieb die Mutter einer siebenjährigen Tochter der Redaktion. Über die Storybox hatte sie sich mit ihrem Erlebnis an stern TV gewandt. Reporter Stefan Uhl machte sich auf den Weg und besuchte die Familie, die anderthalb Jahre alten Joghurt isst. Beim Blick in den Kühlschrank der Brünnens zeigte sich: Die Familie hortet Joghurts und Puddings, deren Mindesthaltbarkeitsdatum ewig abgelaufen ist. Sind Lebensmittel, die schon so langenicht mehr haltbar sein sollen doch noch essbar?

stern TV hat die Produkte von Prof. Friedrich Titgemeyer, dem Experten für Lebensmittel-Mikrobiologie, im Labor überprüfen lassen. "Ich würde die erstmal öffnen. Wenn da keine Schimmelpilze drauf wachsen, dann kann man die auch probieren", so der Experte. Das überraschende Ergebnis: Alle Nachtische – von drei Monaten bis zu anderthalb Jahren abgelaufen – rochen und schmeckten noch wie ein frisches Produkt. Einzig die Farbe hatte sich verändert. Auch der Nährbodentest belegte: Keine gesundheitsschädlichen Keime. Joghurts für den Lebensmittelhandel werden nämlich vor dem Verpacken noch einmal erhitzt, sodass alle Keime absterben. Sogar die in Joghurt normalerweise vorkommenden Milchsäurebakterien. Bei einer intakten Verpackung, können sich deshalb keine Keime bilden oder ausbreiten. Theoretisch könne es sogar sein, dass ein Joghurt noch fünf Jahre nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum gut ist, so Titgemeyer. Wichtig sei, dass die Packung intakt ist: "Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht so entscheidend. Ich gucke drauf und schaue: Sieht der okay aus, riecht der gut? Und auch wenn der 1 oder 2 Wochen drüber ist, kann ich den ohne Probleme Essen." Die alten Joghurts und Puddings von Familie Brünnen waren jedenfalls alle noch gut.

Mindesthaltbarkeitsdatum ist kein Verfallsdatum

Wurde das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) überschritten, heißt das also noch lange nicht, dass das Nahrungsmittel verdorben ist. Die Angabe "Mindestens haltbar bis" sagt tatsächlich wenig darüber aus, wie lange man etwas bedenkenlos verzehren kann. Sie ist lediglich eine Art Rückversicherung für die Hersteller, die dadurch Klagen vorbeugen kann. Nach diesem Datum genügt das Produkt aber häufig nicht mehr den Qualitätsstandards, schmeckt fade, wird trocken oder verliert die Farbe. Das könnten Verbraucher beim Hersteller beanstanden.

Die Fristen für die Mindesthaltbarkeit wie auch für das Verbrauchsdatum regelt auch nicht das Gesetz. Die Hersteller können sie nach eigenem Ermessen festlegen. Das bedeutet aber auch, dass sie im Zweifelsfall vor Gericht dafür geradestehen müssen - möglicherweise auch ein Grund, warum manche die Haltbarkeitsangabe viel zu früh ansetzen.

Verwenden statt verschwenden

Jeder Deutsche schmeißt pro Jahr knapp 100 Kilogramm Lebensmittel in den Müll. Das meiste davon könne man noch gut verwenden, meint Spitzenkoch Michael Schieferstein. Er hat sich dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung verschrieben. Mit seiner Initiative, den "Foodfighters", will er möglichst vielen Menschen zeigen, wie man auch mit aussortierten, nicht ganz einwandfreien Lebensmitteln hervorragend kochen kann. Ein Klassiker: Der Gemüsefond aus Gemüseresten wie Schalen, Endstücken oder Blättern. Aufgekocht, auf ein Drittel der Menge eingekocht, durchgeseiht und mit Gewürzen und Kräutern abgeschmeckt, dient der Fond als Basis oder zur Verfeinerung vieler Suppen – auch portionsweise eingefroren. Die Produkte für seine Aktionen findet er teilweise in den Müllcontainern der Supermärkte – weggeworfen, weil das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist. Dass diese Angabe zunächst einmal nichts heißt, weiß selbstverständlich auch Schieferstein.

Vorsicht bei leicht verderblichen Lebensmitteln

Anders ist es mit leicht verderblichen Lebensmitteln wie Fisch oder Fleischprodukte. Sie tragen anstelle des MHD meistens ein Verbrauchsdatum auf der Verpackung. Wenn das abgelaufen ist, könnte es ungenießbar sein. Die Bezeichnung "Zu verbrauchen bis..." nennt den letzten Tag, an dem man den Packungsinhalt noch essen kann. Danach sollte er in den Müll wandern – und darf auch nicht mehr verkauft werden. Neben dem Verbrauchsdatum sind außerdem exakte Bedingungen für die Aufbewahrung anzuzeigen, zum Beispiel: "Bei Lagerung bei maximal x Grad Celsius zu verbrauchen bis yy.zz."

Worauf Sie beim Einkauf und bei der Aufbewahrung von frischem Fleisch noch achten sollten, können Sie sich hier anschauen. Weitere nützliche Tipps zum hygienischen Umgang mit Lebensmitteln vom Bundesinstitut für Risikobewertung können Sie hier als PDF herunterladen.

Was kann ich nach Ablauf des MHD noch essen, und was nicht?

Viele Lebensmittel können auch nach Ablauf des MHD noch gegessen werden - allerdings je nach Produktgruppe unterschiedlich lange. Ein paar Beispiele:

Brot

ist laut Verbraucherzentrale Hamburg (VZH) auch nach Ablauf des MHD noch essbar - Brotlaibe länger als Schnittbrot. Hat sich Schimmel gebildet, sollte Brot besser entsorgt werden, da sich die Schimmelpilzgifte schon im Inneren verteilt haben können. Lediglich wenn die von Schimmel befallene Stelle auf einem Brotlaib sehr klein ist, reicht es aus, sie großzügig auszuschneiden.

Getreide und Müsli

muss nach Ablauf des MHD ebenfalls nicht in die Tonne. Genau wie bei Nüssen gilt allerdings: Sobald Sie Schimmelbefall bemerken (auch wenn dieser nur an der Nussschale auftritt), sollten Sie diese Produkte entsorgen, da besonders starke Pilzgifte gebildet werden. Diese sogenannten Aflatoxine können Leberschäden hervorrufen. Sie wirken auch krebserregend.

Nudeln, Reis und Mehl

sind bei trockener Lagerung noch viele Monate nach dem MHD verwendbar. Um sie vor Ungeziefer zu schützen, sollten sie gut verschlossen gelagert werden. Vollkornprodukte können der VZH zufolge etwas schneller verderben und ranzig werden.

Ist der Wasseranteil in einem Lebensmittel hoch - wie bei

Obst und Gemüse

- können sich die Schimmelpilzgifte gut verteilen. Diese Produkte sollten daher besser in den Müll wandern, sobald sich Schimmelspuren zeigen - ein Abschneiden ist hier meist nicht hilfreich. Sind bei Gebinden wie Weintrauben oder Schälchen wie Erdbeeren nur wenige Früchte befallen, reicht es, diese auszusortieren und den Rest gut abzuwaschen. Bei einem starken Befall sollten die Lebensmittel komplett entsorgt werden.

Verschlossen ist

Milch

nach Ablauf des MHD laut Verbraucherzentrale circa drei Tage lang noch genießbar. Eine angebrochene Packung H-Milch ist bis zu sieben Tage im Kühlschrank haltbar, Frischmilch etwa drei Tage.

Gut gekühlt sind

Eier

mindestens noch zwei Wochen nach Ende des MHD verwendbar. Sie sollten dann allerdings zum Backen oder Kochen gebraucht werden - und nicht für Speisen wie Tiramisu. Bei Eiern hilft auch ein einfacher Test zum Überprüfen, wie frisch sie sind: Legen Sie das Ei in ein Glas Wasser - taucht es ab, ist es gut, schwimmt es oben, ist es alt.

Milchprodukte wie Käse, Joghurt oder Quark

sind in der Regel noch einige Tage nach MHD genießbar. Sind sie von Schimmel befallen, müssen sie entsorgt werden. Eine Ausnahme ist Hartkäse wie Emmentaler oder Parmesan: Hier reicht es, befallene Stellen großzügig auszuschneiden.

Bei

Rind-, Schweine- oder Kalbsfleisch

sollte ebenso wie bei

Fisch und Geflügel

das Verbrauchsdatum eingehalten werden. Mit dessen Ablauf sollten Sie das Produkt nicht mehr verzehren.

Wurst

ist laut VZH ungeöffnet noch einige Tage nach MHD haltbar, geöffnet sollte sie innerhalb weniger Tage verbraucht werden.

Je mehr Zucker in

Marmeladen und Konfitüren

enthalten ist, desto schwerer kann sich der Schimmelpilz ausbreiten. Die VZH rät daher, bei Produkten mit mehr als 50 Prozent Zucker, den Schimmel großzügig zu entfernen. Achten Sie darauf, dass keine Schimmelreste am Rand verbleiben! Enthält die Marmelade weniger Zucker, sollten Sie diese bei Schimmelbefall gleich komplett entsorgt werden.

Generell gilt: Ist das MHD abgelaufen, sollten Sie auch Ihren Sinnen trauen - und durch Sehen, Riechen und Schmecken prüfen, ob das Lebensmittel noch bedenkenlos verzehrt werden kann. Die Gifte der Schimmelpilze sind übrigens sehr stabil: Verarbeitungstechniken wie Kochen, Braten, Backen, Trocknen oder Einfrieren können ihnen nichts anhaben.

Bei welchen Lebensmitteln muss man das MHD unbedingt beachten?

Wasserhaltige Lebensmittel
Schimmelige Produkte wie Obst, Gemüse, Kompott, Saft, Suppen, Soßen, Konfitüre mit weniger als 50 Prozent Zucker und Schnittkäse sollte man komplett wegwerfen. Durch die Flüssigkeit verteilen sich Schimmelgiftpilze unsichtbar im ganzen Lebensmittel.

Getreide und Nüsse


Kerne und Samen, die offensichtlich mit Schimmel befallen sind bilden gefährliche Schimmelpilzgifte (Aflaxione).

Hack- und Geflügelfleisch


Nach Ablauf des Verfallsdatums sofort wegwerfen, es besteht die Gefahr von Salmonellen!

Konserven


Hinter Konserven, deren Deckel sich nach außen wölbt, steckt vermutlich das Bakterium Clostridium botulinum, das extrem gefährliches Botulinustoxin produziert. Wenn Gemüse und Früchte vor dem Einmachen nicht gründlich geputzt und sterilisiert wurden, vermehrt sich der Erreger in den Konserven weiter und verursacht Lebensgefahr beim Verzehr.

Eine Liste mit den meisten Lebensmitteln und ihrer Halbarkeit finden Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools