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Mit einem Klick in die Illegalität

Illegale Musik aus dem Internet: Vergangene Woche berichtete stern TV über die Abmahnwelle der Plattenbranche. Besonders häufig werden Kinder erwischt. Nun fragen sich besorgte Eltern: Was ist alles illegal? stern TV klärt auf.

Von Stephanie McClain und Sönke Wiese

  Filesharing: Wenige Klicks können 3000 Euro kosten

Filesharing: Wenige Klicks können 3000 Euro kosten

"Eltern haften für ihre Kinder": Dieser Spruch hat im Internetzeitalter für Erziehungsberechtigte eine neue schmerzhafte Bedeutung bekommen. Denn viele Eltern haben keine Ahnung, dass ihre Sprösslinge schon mit wenigen unbedarften Klicks Abmahnsummen von 10.000 Euro und Schadensersatzforderungen von 100.000 Euro provozieren können - wegen ein paar herunter geladener Lieder.

Vergangene Woche hat stern TV über die Offensive der Musikindustrie gegen Raubkopierer berichtet: Über 50.000 Menschen wurden schon erwischt. Und jeden Monat kommen 5000 dazu. "Wir wollen, dass die Botschaft ankommt: 'Es kann auch dich treffen'", sagte Anwalt Clemens Rasch zu stern TV. Im Auftrag der Musikindustrie durchsuchen seine 100 Ermittler jeden Tag die einschlägig bekannten Tauschbörsen nach Urheberrechtsverletzungen. Wer ertappt wird, erhält von Rasch ein Abmahnschreiben - 3000 bis 10.000 Euro sind dann fällig. "Es soll wehtun", sagt der Anwalt.

IT-Experte: Vorschläge der Gerichte "taugen nichts"

Für die Eltern sind die Summen ein Schock. Die meisten verstehen nicht, was ihnen konkret vorgeworfen wird. Und sie wissen nicht, wie sie die Straftaten hätten verhindern können. Mit Rechnern und Internet kennen Eltern sich selten so gut aus wie ihre Kinder. Das sei ein schweres Versäumnis, meinen gemeinhin die Gerichte in Deutschland.

In einem Urteil (Aktenzeichen 308 O 139/06) aus dem April 2006 vertritt zum Beispiel das Landgericht Hamburg den Standpunkt, Eltern müssten sicherstellen, dass ihre Kinder im Netz kein urheberrechtlich geschütztes Material tauschen. Entweder müsste man den Nachwuchs am PC permanent kontrollieren oder - wenn das nicht praktikabel ist - einen IT-Experten zu Rate ziehen, der den Computer "sicher" macht.

Doch das ist offenbar gar nicht so leicht: "Niemand kann einen Internet-PC bombensicher abschirmen", sagt IT-Experte Sebastian Schreiber, der früher schon bei stern TV zum Thema Datensicherheit zu Gast war. Er meint, die Vorschläge der Richter "taugen in der Praxis nichts".

Kinder cleverer als Richter denken

So sagt das Hamburger Gericht in einem Fall, es "wäre auch die Einrichtung einer sogenannten 'firewall' möglich und zumutbar gewesen, durch die die Nutzung einer Filesharing-Software verhindert werden kann." Für Sicherheitsexperte Schreiber ein nutzloser Rat: "Heutzutage sind die Tauschprogramme so raffiniert, dass Firewalls sie nicht mehr aufhalten können."

Auch andere Vorschläge von Gerichten und Musikindustrie garantierten keine hundertprozentige Sicherheit, dass Dritte mit dem Computer nicht illegal in Tauschbörsen unterwegs seien, sagt Schreiber. Zwar könne man durch bestimmte Einstellungen die Hürden für Missbrauch erhöhen. Aber das ernüchterne Fazit des Experten lautet: "Es ist nicht möglich, einen Internet-PC bombensicher zu machen - auch nicht wenn man viel Geld für einen IT-Experten ausgibt. Die einzige sichere Lösung ist, den Computer wegzusperren oder das Kind rund um die Uhr zu überwachen, was es am PC anstellt."

"Musikindustrie erschwert legalen Erwerb"

Eines ärgert Sebastian Schreiber bei der Debatte um die Musik-Downloads besonders: Grundsätzlich plädiere er zwar für den Kauf von CDs im Geschäft, damit die Künstler auch ein wenig Geld verdienten. "Aber das Kuriose ist, dass die Plattenbranche den Erwerb von legaler Musik sehr unattraktiv macht." Knackpunkt: die starken Kopierschutzmaßnahmen. Dadurch könnten die Kauf-CDs auf vielen Geräten wie zum Beispiel im Auto nicht mehr abgespielt werden. Auch könne man die Lieder häufig nicht auf die beliebten mp3-player laden.

Schreiber sagt: "Ich kenne viele Leute, die besorgen sich ihre Musik lieber im Internet, anstatt sie zu kaufen, nur aus dem einen Grund: weil gekaufte Musik nicht portabel und nicht überall hörbar ist."

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