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Wie groß ist die Terrorgefahr in Deutschland?

Bei Explosionen am Brüsseler Flughafen und an einer Metro-Station sind gestern Morgen mindestens 30 Menschen getötet und über 100 verletzt worden. Auch in Deutschland wurden daraufhin Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Wie hoch ist das Anschlagspotenzial bei uns derzeit wirklich?

  Explosionen auf dem Brüsseler Flughafen: Menschen sind auf der Flucht, Zerstörungen in der Abflughalle

Explosionen auf dem Brüsseler Flughafen: Menschen sind auf der Flucht, Zerstörungen in der Abflughalle

Brüssel im Ausnahmezustand: Dienstagmorgen um kurz vor acht Uhr wurden bei mehreren Explosionen am Flughafen und in einer U-Bahn-Station nahe des EU-Viertels mindestens 30 Menschen getötet und Dutzende verletzt. Augenzeugen schildern schreckliche Szenen, wie dieser Flughafen-Mitarbeiter: "Ich habe einen Koffer eingewickelt, dann den Koffer hochgenommen – und plötzlich gab es eine enorme Explosion, einen Knall", erinnert sich der Mann. "Ich habe Menschen gesehen, die da lagen und beide Beine verloren haben. Da waren viele, die ihre Beine verloren haben. Andere hatten keine Hände mehr. Es war entsetzlich."

Auch stern TV-Regisseur Dennis Fuß befand sich am Brüsseler Flughafen. Er war drei Minuten nach der Explosion aus Köln gelandet. Er und die anderen Passagiere hätten eine Stunde lang im Flugzeug gesessen und zunächst nur spärliche Informationen bekommen. Erst als sie die sozialen Netzwerke aufriefen oder mit Freunden sprachen, erfuhren sie Näheres. "Das ist natürlich komisch, dass es so nah ist, dass wir drei Minuten nach Explosion gelandet sind. Das ist etwas anderes, als wenn man in den Nachrichten davon erfährt", so Fuß.

"Es gab eine Druckwelle und die Metro stoppte abrupt"

Kurz darauf: Eine weitere Detonation in der Metro-Haltestelle Maelbeek im EU-Viertel. Evan Lamos befand sich dort unter der Erde, in einer Metro, die kurz davor war, in die Station einzufahren. Erst am Freitag hatten Fahnder im Brüsseler Problemviertel Molenbeek den noch flüchtigen Hauptverdächtigen der Terroranschläge von Paris vor vier Monaten festgenommen. "Dann gab es einen Windzug und ich verspürte plötzlichen Druck in den Ohren und sah einen Lichtblitz oder etwas ähnliches“, erzählt der Amerikaner. "Die Metro stoppte abrupt und über die Lautsprecher kam die Durchsage, dass es eine Störung geben würde – aber wir haben gemerkt, dass hier etwas vor sich geht." Dann sei der Waggon evakuiert worden.

Der 30-Jährige ist Video-Journalist und filmte, wie die Passagiere über die Gleise langsam das Abteil verließen. Sein Video ging um die Welt. "In dem Moment, als wir aus der Metro ausgestiegen sind, da war eine Mutter ganz in meiner Nähe. Auf der Videosequenz kann man hören, dass ihr kleines Kind schreit. Der Junge war sehr erschrocken, weil er von jemandem getragen wurde, den er nicht kannte." Zusammen mit den anderen brachte sich Evan Lamos über die Gleise in Sicherheit. Im Tunnel habe eine merkwürdige Atmosphäre geherrscht, Rauch sei langsam durch den Tunnel auf sie zugekommen. Als er die U-Bahn verlassen hatte, nahm Lamos das gesamte Ausmaß wahr: "Ich habe Leute auf dem Bordstein gesehen, irgendetwas war passiert, die Krankenwagen waren schon da." Er sagt: "Ich bin froh, unverletzt zu sein. Und ich bin am Boden zerstört für die, die es nicht sind."

Mitten ins Herz der Europäischen Union

In der Zwischenzeit gingen die Sicherheitsbehörden von einem Terroranschlag aus, die belgische Regierung verhängte landesweit die höchste Terrorwarnstufe. Wieder erlebte eine europäische Metropole einen feigen Terroranschlag – diesmal traf es das Herz der Europäischen Union. Die verheerende Bilanz des Tages: 31 Menschen starben bei den Anschlägen, 270 wurden verletzt.

Die Terror-Organisation des so genannten "Islamischen Staat" hat sich zu den Anschlägen bekannt. In einem auf Deutsch veröffentlichten Bekennerschreiben heißt es: Durch Allahs Güte rückte eine Sicherheitsbrigade (…) aus, das kreuzzüglerische Belgien als Ziel, welches nicht aufgehört hat, den Islam und die Muslime (zu) bekämpfen. (…) alles Lob gebührt Allah für sein Verhelfen zum Erfolg und wir bitten ihn, dass er unsere Brüder als Märtyrer annimmt.

Kommt der Terror auch zu uns?

Drei der Selbstmord-Attentäter sind mittlerweile identifiziert: Die Brüder Ibrahim und Khalid El Bakraoui sowie Najim Laachraoui. Von ihm hieß es zunächst, er sei gefasst, doch die Polizei dementierte derweil. Er ist weiter flüchtig.
Die deutsche Bundespolizei hat ihre Kontrollen am Flughafen in Frankfurt sowie an den Grenzen verstärkt, die Sicherheitsbehörden sind in höchster Bereitschaft, gehen allen Hinweisen zu möglichen Verbindungen nach.

"Die Ziele der Anschläge, ein internationaler Flughafen und eine U-Bahn-Station in der Nähe von EU-Institution sprechen dafür, dass dieser terroristische Anschlag nicht nur Belgien galt, sondern unserer Freiheit, unsere Bewegungsfreiheit, der Mobilität und allen, die Teil der EU sind. Daher fühlen wir uns genauso getroffen von diesem Anschlag", so Bundesinnenminister de Maizière in einem Statement des Ministeriums. Dennoch gebe es im aktuellen Fall keinerlei Hinweise über einen Deutschlandbezug.

Wie groß ist die Terrorgefahr in Deutschland tatsächlich? Darüber sprach Steffen Hallaschka live in der Sendung mit Nahostkennerin und Sicherheitsexpertin Florence Gaub.


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