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Kleine Löhne bei Schlecker-XL

Mit seinen neuen XL-Märkten will Schlecker auf den wachsenden Erfolg der Konkurrenz reagieren: Dafür werden alte Filialen der Drogeriekette geschlossen und die Belegschaft entlassen. In den neuen Märkten setzt Schlecker auf neue Mitarbeiter und niedrigere Löhne.

Elf Jahre lang arbeitete Karla Schatz für Schlecker, war am Ende sogar Filialleiterin eines AS-Schlecker-Marktes in Brake. Jetzt wurde der 39-Jährigen gekündigt. Einfach so. Weil in Brake ein neuer, größerer Schlecker-XL-Markt entstehen soll. Und dort sollen keine alten Mitarbeiter mehr arbeiten.

Wie Karla Schatz geht es derzeit vielen Angestellten der Drogeriekette. Was sich hinter dem Schlecker-XL-Konzept verbirgt und warum Schlecker dafür Mitarbeiter entlässt - stern TV hat Antworten.

Was steckt hinter dem Namen "Schlecker XL"?

Der Drogerieunternehmer Anton Schlecker setzte in Deutschland bislang auf rund 30.000 kleine Schlecker-Filialen, die AS-Märkte. Die Kundschaft zieht es aber immer mehr zu Drogeriemärkten wie "dm" oder "Rossmann", die mehr Service und ein größeres Warensortiment bieten. Darauf hat der Schlecker-Konzern jetzt reagiert und setzt ebenfalls auf neue, größere und besser ausgestattete Filialen - die sogenannten Schlecker-XL-Märkte. Das Problem: Laut Verdi schließt der Konzern pro neuem Schlecker-XL-Markt drei bis vier kleinere Filialen. Viele der Mitarbeiter werden nicht in die neuen Läden übernommen. Stattdessen werden neue Arbeitskräfte eingestellt, allerdings zu deutlich schlechteren Konditionen.

Unter welchen Bedingungen werden die neuen Mitarbeiter beschäftigt?

Die Konditionen, zu denen die XL-Mitarbeiter bei Schlecker eingestellt werden, sind deutlich schlechter als die von Angestellten der bisherigen AS-Märkte.

Das heißt in der Praxis:
- Niedriglöhne statt Tarifzahlung: Die neuen Schlecker XL-Mitarbeiterinnen erhalten nur rund die Hälfte des Brutto-Gehalts der langjährigen AS-Schlecker-Mitarbeiterinnen, also statt 12,67 Euro nur noch ab 6,61 Euro,
- Weihnachts- und Urlaubsgeld wurden gestrichen,
- und statt 30 bezahlten Urlaubstagen, haben die neuen Mitarbeiterinnen nur 24 bezahlte Urlaubstage.

Wieso können die alten Mitarbeiter so einfach entlassen werden?

Der Schlecker-Konzern hat den Kündigungsschutz für seine Mitarbeiter im Grunde ausgehebelt, indem für die neuen Großmärkte eigens eine Tochtergesellschaft gegründet wurde: die Schlecker XL GmbH. Schlecker argumentiert nun damit, dass man die alten Mitarbeiter nicht einfach in die neuen Großmärkte übernehmen kann, weil diese ja einer anderen GmbH angehören. Das Frappierende: Viele Schlecker XL-Märkte werden in ein- und denselben Räumen eröffnet, in denen vorher AS-Filialen waren. Da die Schlecker XL-Märkte einer Konzerntochter angehören, können die bisherigen Angestellten ganz legal gekündigt werden. Die Kündigungen wären nur dann unwirksam, wenn dem Schlecker-Konzern mit seiner Filialumwandlung ein sogenannter Betriebsübergang nachgewiesen werden könnte. Das ist bislang nicht geschehen.

Wie viele Mitarbeiter sind betroffen?

Die Gewerkschaft Verdi geht davon aus, dass mehr als 1000 Mitarbeiter von einer Kündigung betroffen sind, darunter vor allem Frauen. Für viele von ihnen geht es um ihre Existenz.

Welche Folgen kann das für die Branche haben?

Sollte sich Schlecker XL mit seinen Lohnsenkungen durchsetzen, bekommt das womöglich auch die ganze Drogeriemarkt-Branche zu spüren: Andere Unternehmen könnten dann gezwungen sein, ihre Arbeitsbedingungen ebenfalls zu verschlechtern.

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