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Sollten todkranke Menschen eine Beihilfe zum Suizid in Anspruch nehmen dürfen?

Rita Wiederhold leidet an einer tödlichen Nervenkrankheit. Sie möchte – wie viele unheilbar Kranke - ihr Leid irgendwann selbst beenden können. Und sie zählt dabei auf Unterstützung. Genau darüber will die Politik nun neu entscheiden: Inwieweit haben Menschen ein Recht auf Hilfe zur Selbsttötung?

  Rita Wiederhold leidet an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Sie möchte – wenn es für sie nicht mehr geht – mit Hilfe eines Sterbehelfers sterben.

Rita Wiederhold leidet an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Sie möchte – wenn es für sie nicht mehr geht – mit Hilfe eines Sterbehelfers sterben.

"Das ist einfach ein langes Sterben. Warum soll ein Mensch so etwas ertragen?“, fragt Rita Wiederhold. Die 68-Jährige leidet an Amyotropher Lateralsklerose, kurz ALS - einer tödlichen Nervenkrankheit, die nach und nach den gesamten Körper lähmt. Rita Wiederhold  möchte über ihr Sterben selbst bestimmen können. Sie wandte sich an einen Sterbehelfer, der irgendwann durch die Bereitstellung eines tödlichen Medikaments ihren Suizid ermöglichen soll.

Der pensionierte Urologe Uwe Christian Arnold kümmert sich um Menschen, die den Wunsch nach Sterbehilfe äußern. Nach eigenen Angaben hat er bereits knapp 200 Menschen in den Tod begleitet.

Er helfe Patienten jedoch nur unter bestimmten Voraussetzungen: "Der Mensch muss schwer krank sein. Und er muss völlig klar im Bewusstsein sein. Er muss das, was er da vorhat, sehr sorgfältig überlegt haben – möglichst mehrfach. Es muss schon immer ein gewisser Prozess ablaufen", so der Sterbehelfer. Betroffene wie Rita Wiederhold würden den körperlichen Verfall miterleben, würden vollkommen pflegeabhängig. Das könnten viele das mit ihrer Einstellung zum Leben und ihrer Würde nicht vereinbaren, so der Mediziner. "Sie ziehen dann für sich einen Schlussstrich."

Noch ist diese Form von Suizidassistenz in Deutschland erlaubt. Ob das so bleibt, ist jedoch ungewiss: Anfang November will der Bundestag über eine gesetzliche Neuregelung der Sterbehilfe und ein mögliches Verbot der Suizidassistenz entscheiden.

Bundesregierung berät über Definition und Strafbarkeit der Suizidassistenz 

Die Neuregelung der Sterbehilfe ist eines der schwierigsten Gesetzgebungsvorhaben. Seit über einem Jahr debattiert der Bundestag darüber. Anfang Juli lagen vier verschiedene fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe vor, die zur Diskussion stehen. Darin geht es vor allem um die Frage: Soll geschäftsmäßige Sterbehilfe von Vereinen oder Einzelpersonen verboten und damit strafbar sein? Und inwiefern und in welchen Fällen soll Beihilfe zur Selbsttötung vielleicht doch erlaubt und straffrei bleiben? Auch über den Ausbau der Begleitung und Betreuung sterbenskranker Menschen in der Palliativ- und Hospizmedizin wird beraten.

Sollte Beihilfe zur Selbsttötung bei todkranken Menschen generell straffrei sein?

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"Der Staat muss sich raushalten"

Das sagte Grünen-Politikerin Renate Künast, die einen der vier Entwürfe vertritt, live bei stern TV: "Wir müssen nicht alle Fälle regeln, sondern wir müssen nur sagen, was die Fälle sind, die zwingend bestraft werden müssen", so die Bundestagsabgeordnete. Zu Gast war ebenfalls der Abgeordnete Patrick Sensburg (CDU). Er forderte, die Beihilfe zur Selbsttötung künftig unter Strafe zu stellen. Sterbenskranken Menschen solle im Gegenzug besser geholfen werden: "Wir wollen die Palliativmedizin weiter ausbauen." Im Beisein von Rita Wiederhold diskutierten die Politiker in der Sendung über das Recht auf selbstbestimmtes Sterben für Menschen, denen ihr Leidensweg unerträglich erscheint. Für sie sei eine solche Ansicht inhuman, jeder kranke Hund werde in Deutschland von seinem Leiden erlöst. "Ich sehe nicht ein, warum das einem Menschen zugemutet wird", sagte sie. 

Auch zahlreiche Zuschauer sprachen sich für eine mögliche Inanspruchnahme der Beihilfe zum Sterben in aussichtslosen Fällen aus, wie nicht nur die zahlreichen E-Mails und Postings auf der stern TV-Facebookseite zeigen, sondern auch das Ergebnis der folgenden Umfrage parallel zur Sendung. 

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

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