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Antworten auf die wichtigsten Fragen

Starke Ängste und ein Stimmungstief nach der Geburt erleben viele Frauen. Wenn es aber nicht von alleine wieder verschwindet, kann eine postnatale Depression dahinter stecken. Das sollten Sie darüber wissen.

Wenn ein Kind zur Welt kommt, ist die Freude groß. Die Anstrengungen von Schwangerschaft und Geburt sind überstanden, alle Familienmitglieder sind glücklich. Nur die Mutter nicht? Das kann doch wohl nicht sein...

Doch. Und es betrifft mehr Frauen, als gemeinhin bekannt ist. Doch viele der depressiven Mütter leugnen oder verschweigen das, versuchen lieber, irgendwie selbst aus dem Stimmungstief heraus zu kommen. Manche schaffen das, andere entwickeln jedoch eine ernsthafte postnatale (medizinisch aus „postpartal“) Depression mit schwerwiegenden Symptomen bis hin zu Suizidgedanken.

Betroffen sind rund 15 Prozent. Weil Frauen aus Schamgefühl aber oftmals keine Hilfe suchen, liegt die Dunkelziffer weitaus höher, schätzungsweise bei 25 Prozent aller Mütter mit einem Baby, wenn man diejenigen einrechnet, die schwächere Symptome haben. Denn diese Frauen glauben oft nicht daran, überhaupt krank zu sein. Immerhin schaffen sie es noch, den Alltag irgendwie zu meistern und werden bei Ärzten nicht vorstellig.

Noch dazu wird die Krankheit oft klein geredet, Mütter werden von Ärzten mitunter nicht ernst genommen. Denn die Ausbildung und das Wissen um die Symptomatik sind auch bei Medizinern und Hebammen nicht so umfassend, wie sie sein sollten.

Wer bekommt eine postnatale Depression?

Oft wird vermutet, dass besonders Frauen mit psychischen Vorerkrankungen, mit  psychisch kranken Familienangehörigen oder besonderen Belastungen gefährdet sind. Prinzipiell kann aber jede Frau nach einer Entbindung an einer psychischen Störung erkranken.

Was löst eine postnatale Depression aus?

Es ist noch nicht hinreichend erforscht, welche Auslöser konkret dahinter stecken. Es handelt sich eher um eine oftmals allmähliche Entwicklung, bei der Verschiedenes zusammenspielt. Neben den hormonellen Umstellungen des Körpers nach der Geburt sowie der körperlichen und psychischen Belastung durch die Entbindung, können die Lebenssituation, fehlende Unterstützung, die eigene Persönlichkeit sowie innere und äußere Erwartungshaltungen an die Rolle der Mutter eine postnatale Depression begünstigen.
Auch Zukunftsängste spielen wohl eine Rolle, wodurch Alleinerziehende, Frauen ohne sozialen Halt oder in einer schlechten finanziellen Lage häufiger betroffen sind.
Es kann aber auch eine traumatische Geburt, ein ungeplanter Kaiserschnitt oder extreme Stillschwierigkeiten dazu führen, dass die Bindung zum Kind beeinträchtigt ist – und in einer Depression münden. Insbesondere, wenn die Mutter dadurch Schuldgefühle entwickelt.
Starker Druck auf Mütter wird auch von der Gesellschaft genährt: Von einer Mutter wird wie selbstverständlich erwartet, dass sie gebärt, stillt, schnell wie eine schlanke Frau aussieht, arbeitet und vor allem sofort die Mutterliebe empfindet.

Wie äußert sich eine postnatale Depression?

Die Symptome können von Frau zu Frau sehr verschieden sein. Ein sehr häufiges und auffälliges Merkmal sind Beziehungsstörungen zum Kind. Davon sind mindestens 30 Prozent der Mütter betroffen. Auch das Bindungsproblem kann unterschiedlich stark ausfallen: Manche empfinden Aggression gegenüber ihrem Kind, andere sind eher gefühlsarm oder kühl. Oft werden sie zu Unrecht als Rabenmütter gesehen, denn nur in tragischen Einzelfällen führt das soweit, dass die Kinder zu Schaden kommen.
Weitaus häufiger unter den depressiven Müttern sind die so genannten Pelikanmütter, die sich besonders viele Gedanken um ihr Kind machen und darin einen Perfektionismus entwickeln, der Selbstvergessenheit , Schlafstörungen, Erschöpfung und extreme Sorgen zur Folge haben kann.
Oft ist die Depressivität geprägt durch Schuld- und Versagensgefühle, als unzureichend empfundene Mutter-Kind-Gefühle, innere Unruhe, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, frühes Erwachen, Appetitlosigkeit.
Darüber hinaus treten im Zusammenhang mit einer postnatalen Depression allgemeine depressive Symptome auf, darunter: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Grübeln, Denkverlangsamung, Lust- und Interesselosigkeit, Apathie, sozialer Rückzug, Bewegungsunruhe, Gereiztheit, Aggressivität, unbestimmte Angst, Panikattacken, Zwangsgedanken (etwa dem Kind was anzutun, was jedoch nicht realisiert wird), lebensmüde Gedanken oder körperliche Schmerzen.

Bin ich betroffen?

Die Mutter-Kind-Ambulanz der LWL Klinik in Herten bietet einen Test zur ersten Selbsteinschätzung, sowie weitere Informationen zum Thema.

Wie wird eine postnatale Depression behandelt?

Die postnatale Depression ist – wie jede Depression – eine Erkrankung. Sie betrifft viele Frauen. Betroffene sollten sich deshalb keinesfalls scheuen, ihre Gefühle und Probleme gegenüber einem Arzt offen anzusprechen, der sie an Therapeuten oder entsprechende Kliniken überweisen kann. Depressionen können geheilt werden. Dazu eignet sich in vielen Fällen eine Kombination aus entsprechenden Medikamenten und Therapie-Gesprächen, die über mehrere Wochen angewendet werden. Auch Selbsthilfegruppen können eine Stütze sein, weil man sich dort urteilsfrei unter Betroffenen austauschen kann. Therapeuten und Berater helfen gegebenenfalls dabei, den Alltag mit dem Kind neu und weniger belastend zu organisieren.

Lässt sich einer solchen Depression vorbeugen?

Da vermutet wird, dass die Lebensumstände viel Einfluss auf die Erkrankung haben, kann Unterstützung – ob vom Partner, Verwandten oder Freunden – während der Schwangerschaft und kurz nach der Geburt helfen, dass die Mutter besser in den Alltag findet, sich selbst weniger in der Pflicht sieht und zuversichtlicher den Alltag meistern kann. Auch Zeit für sich selbst zu haben (während Schwangerschaft und Mutterschaft) reduziert den Stress und damit auch Folgen (s. Entstehung der postnatalen Depression). Eine gute Organisation im Vorhinein und die Fähigkeit, Hilfe anzunehmen oder danach zu fragen, können eine Menge vorbeugen.

Wo finde ich weitere Informationen oder Hilfe

Bundesweit haben sich Kliniken auf die Behandlung von postnatalen Depressionen spezialisiert oder sind in speziellen Mutter-Kind-Einheiten darauf ausgerichtet. Die Angebote können auch ambulant genutzt werden. Krankenkassen übernehmen in der Regel die Behandlungs- und Beratungskosten.

Unter anderem:
Charité Berlin

LWL Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Herten
Klinikum Frankfurt Höchst

Klinikum Nürnberg

Österreich: Wiener Spezialambulanz für perinatale Psychiatrie

Der Verein "Schatten & Licht e.V." wurde 1996 als bundesweiter gemeinnütziger Verein von betroffenen Frauen als Selbsthilfe-Organisation gegründet. 

Der gemeinnützige Verein "Deutsches Bündnis gegen Depression e.V." verfolgt unter dem Dach der Stiftung Deutsche Depressionshilfe das Ziel die gesundheitliche Situation depressiver Menschen zu verbessern,  das Wissen über die Krankheit in der Bevölkerung zu erweitern, Suiziden vorzubeugen. Zahlreiche Städte und Kommunen haben sich dem Bündnis angeschlossen und engagieren sich auf lokaler Ebene. 

Zudem können Sie sich telefonisch beraten lassen bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe 
Telefon: 0800 3344533

Wer direkt zur Therapeutensuche übergehen möchte, wird in der Datenbank bundesweiter Angebote des Psychotherapie Informationsdienst fündig.

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