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Outdoor-Jacken im Härtetest

Winddicht, wasserdicht und atmungsaktiv – glaubt man den Herstellerangaben, sind Outdoorjacken echte Alleskönner. Aber wie viel muss man für eine solche Jacke ausgeben? stern TV hat teure und preiswerte Modelle getestet.

  Dauerregen im Düsseldorfer Fußballstadion. Unter dem Rasensprenger werden die Jacken einem Härtetest unterzogen.

Dauerregen im Düsseldorfer Fußballstadion. Unter dem Rasensprenger werden die Jacken einem Härtetest unterzogen.

Mehrere Hundert Euro kann man für eine Outdoorjacke ausgeben, dafür versprechen die Hersteller vieles. Günstige Modelle wollen vergleichbare Kriterien erfüllen. Aber sind sie genauso gut, wie teure? Wie erklären sich die Preisunterschiede?

Gemeinsam mit dem Sächsischen Textilforschungsinstitut in Chemnitz hat stern TV jeweils fünf Damen- und fünf Herren-Modelle aus drei Preiskategorien Härtetests unterzogen: bis 50 Euro, 51 bis 100 Euro, 101 bis 250 Euro. Alle Jacken versprachen wasserdicht, atmungsaktiv und auch winddicht zu sein. Bei allen handelte es sich um 3-in-1-Jacken mit einer herausnehmbaren und separat tragbaren Innenjacke. Diese Jacken eignen sich für verschiedene Wetterlagen: Die Funktions-Außenjacke schützt vor Regen, die Innenjacke wärmt. Beide Jacken zusammen schützen bei kaltem Regenwetter.

Praxistest mit Fahrradkurieren

Wie sich die preiswerten gegenüber teureren Jacken im Alltag schlagen, haben zwei Fahrrad-Kuriere aus Düsseldorf ausprobiert: Nicole Klümper und Patrick Meye. Für sie sind vor allem Komfort und Passform wichtig, da sie den ganzen Tag einen Rucksack tragen und ihn zig Male täglich absetzen müssen. Darüber hinaus sollte eine Jacke Dauerregen abhalten, warm genug sein und dennoch atmungsaktiv, damit die Radfahrer nicht zu sehr ins Schwitzen kommen. Jede Jacke kam während zwei Arbeitsschichten von Nicole Klümper und Patrick Meye zum Einsatz. Im Düsseldorfer Fußballstadion testeten sie außerdem unter Dauerregenbedingungen, dem Rasensprenger, welche Jacke trocken hält. Darüber hinaus gab es einen Schwitztest, in dem die Kuriere die Tribünen des Stadions rauf und runter sporteten.

Alle Jacken bestanden Winddichte-Test

Mindestens ebenso wichtig: die wissenschaftliche Bewertung der Jacken. Dafür hat Hendrik Beier vom Textilforschungsinstitut in Chemnitz weitere Tests gemacht. „Wir hatten die Möglichkeit, ein sehr breites Spektrum aus dem Markt zu bekommen", so Beier. Die Labor-Mitarbeiter überprüften zunächst die Winddichte, also ob Luft durch die Außenhülle dringt. Dabei wurde gemessen, wie viel Luft bei einem Druck von 100 Pascal innerhalb einer Sekunde durch einen Quadratmeter Stoff strömt. Diesen Test bestanden alle zehn Jacken – von preiswert bis teuer. "Das Material ist in allen Fällen luftundurchlässig gewesen."

In puncto Atmungsaktivität ging es genau umgekehrt: Hier wurde gemessen, wie viel Wasserdampf innerhalb von 24 Stunden durch eine Fläche von einem Quadratmeter nach außen durchdringt. Auch diesen Test überstanden alle Jacken akzeptabel. Laut Testleiter Hendrik Beier lässt es sich übrigens nicht verallgemeinern, dass eine gute Atmungsaktivität automatisch eine geringere Wasserdichte bedeutet. Oder umgekehrt: dass eine gute Wasserdichte eine schlechtere Atmungsaktivität zur Folge hat. Eine der günstigen Jacken bewies, dass technisch beides technisch hervorragend funktionieren kann.


Nähte entscheidend bei Wasserdichte

Im nächsten Schritt überprüfte das Institut, ob und wann Wasser durch Material und Nähte dringt, sprich: Welchem Wasserdruck Gewebe und Membranen standhalten. Anschließend wurden die ermittelten Werte mit den Angaben der Hersteller verglichen, die in der Regel eine Wassersäule in Millimeter angeben. "Der Druck von 10.000 mm Wassersäule ist ungefähr so, als hätte man zehn Meter Wasser über sich, das auf die Jacke drückt", erklärt Hendrik Beier. Die Test-Jacken sollten Wassersäulen von 3.000 bis 10.000 Millimetern trotzen, manche sogar mehr. Ergebnis: Die preiswerten Jacken übertrafen zwar die Herstellerangabe von 3.000 mm, das sind im Vergleich zu den teureren aber eher niedrige Werte. Hingegen übertraf die mit 40 Euro sehr günstige Jacke Angaben und Erwartungen und hielt bis zu 10.000 mm stand. Im mittleren Preissegment hielten zwei von drei Jacken mehr, als sie versprachen. Zwei der – mit 200 Euro – teuren Jacken blieben weit hinter ihrem Versprechen.

Die günstigen Jacken hatten an den Nähten die meisten Probleme, was größtenteils an Verarbeitungsfehlern lag: Schlecht vernähte Verklebungsbänder mit herausstehenden Fäden, die das Wasser nach kurzer Zeit wie ein Docht nach innen zogen. Bei Starkregen zählt dieses Kriterium besonders, wie eine der teureren Jacken im Stadion-Rasensprenger-Test bewiesen hat: "Da ist minimal was durchgekommen", berichtet Kurierin Nicole Klümper. "Die Nähte scheinen dicht zu sein. Nur beim Kragen ist ein bisschen rein getropft." Die mit 200 Euro eher teure Jacke schnitt auch im Gesamtfazit am besten ab. Im Labor bewies sie: Sie ist winddicht, besonders wasserdicht und atmungsaktiv. Die verschiedenen Preiskategorien im Vergleich:

Gesamtergebnis im Preisvergleich

Gute Messergebnisse erzielten die teuren Jacken für 250, 200, 100, sowie zwei günstigere Modelle für 65 und sogar 40 Euro.

Im guten Mittelfeld landen bei unserer Stichprobe ebenfalls zwei 200-Euro-Jacken und zwei günstige für 30 und 50 Euro.

Trotz einiger Unterschiede fiel keine der geprüften Jacken komplett durch. Fazit: Eine Outdoor-Jacke muss nicht 200 Euro oder mehr kosten. Um für Dauerregen gewappnet zu sein, sollte man aber genaues Augenmerk auf die Verarbeitung legen – insbesondere die der Nähte. Am besten beim Kauf die Jacke auch von innen genau unter die Lupe nehmen, rät auch Hendrik Beier. 

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