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Schauspieler Sebastian Münster vor Gericht: Mutter des Opfers fordert Sicherungsverwahrung

Er stand nicht das erste Mal vor Gericht: TV-Schauspieler Sebastian Münster wurde erneut wegen eines brutalen Überfalls verurteilt. Diesmal hatte er ein 15-jähriges Mädchen aus Hürth auf dem Schulweg überwältigt und sexuell angegangen. Die Mutter der Schülerin sagt: Dieser Mann darf nie wieder frei herumlaufen.

Die 15-Jährige war früh morgens auf dem Weg zur Schule, als sie plötzlich überfallen wurde. Der Mann war maskiert und bedrohte das Mädchen mit einem Messer, mutmaßlich in der Absicht, die Schülerin vergewaltigen zu wollen. Sie schrie um Hilfe und wehrte sich; im letzten Moment kam ihr ein Anwohner zur Hilfe, der den Täter stellte: Es war der TV-Schauspieler Sebastian Münster. Er war vor Jahren schon einmal in Haft, weil er 2001 zwei Frauen im Drogenrausch vergewaltigt hatte. Das Urteil damals: 6 Jahre und 6 Monate. 

"Ich bin überzeugt, dass Herr Münster wieder rückfällig wird"

Am 27. Juni stand der 45-Jährige erneut vor Gericht, weil er im Dezember die 15-jährige Schülerin aus Hürth bei Köln überfallen und sexuell genötigt hatte - bewaffnet und maskiert. Dass Sebastian Münster für diese Tat wieder nur sechs Jahre ins Gefängnis soll, macht die Mutter des Mädchens fassungslos. Julie Göschl hatte sich während des Prozesses nicht öffentlich geäußert. Nun, zwei Wochen nach dem Urteilsspruch will sie über seine Tat und die Folgen sprechen: "Das Urteil war sehr enttäuschend. Ich bin der Überzeugung, dass Herr Münster eine Gefahr für Frauen und Mädchen ist und dass er wieder rückfällig wird. Bei jeder persönlichen Krise wird er wieder zu Drogen und Alkohol greifen." Münster hatte auch die damalige Strafe nur in Teilen absitzen müssen, der Rest wurde auf Bewährung ausgesetzt.

Zum ersten Mal ist Sebastian Münster 2009 aufgefallen, weil er im Rausch eine Prostituierte gewürgt hatte. Die Ermittlungen dazu brachten die Polizei allerdings auch auf die Spur eines bisher ungeklärten Falles: Demnach hatte Sebastian Münster 2001 einer 18-Jährigen in einer Diskothek die Handtasche gestohlen und war anschließend in dessen Wohnung eingedrungen, wo er die junge Frau und ihre Mutter vergewaltigte. Er soll nur englisch gesprochen haben, um unerkannt zu bleiben. Doch seine DNA überführte ihn acht Jahre später. Nachdem Sebastian Münster eine Drogentherapie gemacht hatte und eine gute Prognose erhielt, wurde er 2013 frühzeitig aus der Haft entlassen. "Er ist mit Sicherheit viel zu früh entlassen worden", meint Julie Göschl. "Und er wurde wegen diesem auch nicht richtig behandelt. Ich denke, dass Herr Münster definitiv eine Störung in seiner Persönlichkeit aufweist. Und dann reicht es eben nicht aus, jemanden wegen Drogen zu behandeln."

"Während ich schrie, schlug der Täter heftig auf mich ein"

Nach der Entlassung vergingen drei Jahre, bis Sebastian Münster Julie Göschls Tochter auf dem Weg zur Schule überfiel. Er war dem Mädchen gefolgt; Aufnahmen aus der Straßenbahn zeigen den dunkel gekleideten Schauspieler, vermummt mit Schal und Kapuze.

Die Schülerin schrieb auf, was sie an jenem verhängnisvollen Tag erlebte - und wie sie mit dem Trauma nun klarkommen muss.

Die Schülerin schrieb auf, was sie an jenem verhängnisvollen Tag erlebte - und wie sie mit dem Trauma nun klarkommen muss.

Aus dem Brief des Mädchens: Um 07 Uhr bin ich am Kiebitzweg angekommen und ausgestiegen. Ich bin den Waldweg gegangen, weil ich diesen schöner finde. Dort sind morgens ältere Leute, die mit ihren Hunden spazieren gehen. Jemand legt seinen Arm um mich. Erst dachte ich, es wäre ein Klassenkamerad, der mich überraschen will. Dann wurde ich nach hinten gezogen und eine tiefe Stimme mit arabischem Akzent sagte: Ich steche Dich ab. Er lag auf mir und sagte: Zieh deine Hose aus. Ich antwortete: Ich bin minderjährig. Er antwortete: Das ist mir egal. Während ich schrie, schlug der Täter heftig auf mich ein. Mit der Faust und mit der flachen Hand. Als er merkte, dass dies nichts brachte, holte er ein Messer aus seiner Jackentasche und hielt es an meine Wange.

Frank Jansen-Teitz ist der Anwohner, der dem Mädchen zur Hilfe eilte. Er sei nur in Unterhose und T-Shirt aus dem Haus gerannt und habe Sebastian Münster überwältigt. "Ich bin ihm ins Kreuz gesprungen, und da war dann Endstation. Sofort die Hände in den Nacken, damit für ihn nichts mehr möglich war."

Für Julie Göschl und ihre Tochter ist Frank Jansen-Teitz ein persönlicher Held. Dennoch: Die 15-Jährige ist noch lange nicht darüber hinweg, was ihr passiert ist. Sie verlasse das Haus kaum noch, und wenn, dann nur noch in Begleitung. Auch in der Schule war sie seit dem Tag im September nicht mehr. "Sie ist einfach kein freier Teenager mehr, der durch die Welt geht und sich auf die Zukunft fokussiert", sagt Julie Göschl. Sebastian Münster wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt. "Allerdings mit verminderter Schuldfähigkeit. Das bedeutet eine Drogentherapie für Herrn Münster. Wie beim letzten Mal." Julie Göschl hatte als Nebenklägerin eine anschließende Sicherungsverwahrung für den Mann gefordert, der ihre Tochter überfallen und schwer sexuell genötigt hatte. "Ich sehe da eine Gefahr für die Öffentlichkeit, wenn er wieder rauskommt." Doch das Gericht entschied anders.

Ob versuchte Vergewaltigung oder nicht – der Strafrahmen wäre derselbe

Christian Zainhofer vom Deutschen Kinderschutzbund e.V. ist Strafrechtler und kann die Sicht der Familie gut verstehen, auch er glaubt an psychologische Probleme, die möglicherweise Anlass für den Drogen- und Alkoholmissbrauch von Sebastian Münster, die in diese Karriere führten. Das habe zur verminderten Schuldfähigkeit geführt, die das Gericht zugrunde gelegt habe, so Zainhofer. In der Urteilsbegründung ist von einer versuchten schweren sexuellen Nötigung die Rede, nicht von einer versuchten Vergewaltigung. "Allerdings mit gleichem Strafrahmen, weil der Waffengebrauch dabei war", sagt der Experte für Sexualstrafrecht. Die Begründung sei jedoch auch in seinen Augen teilweise merkwürdig, so Christian Zainhofer bei stern TV: "Die haben nur eine versuchte sexuelle Nötigung angenommen, weil sie den Nachweis nicht erbringen konnten, dass er den Vorsatz einer Vergewaltigung hatte. Sie haben sich darauf berufen, dass er kein Kondom dabei hatte. So nach dem Motto: Er wusste ja von den letzten Taten, dass er aufgrund seiner DNA überführt wurde, also hätte er keine DNA-Spuren hinterlassen wollen, weswegen man davon ausgehen kann, dass der sie eventuell gar nicht vergewaltigen wollte. Das fand ich in der Tat eine merkwürdige Begründung. Wenn sich jemand in der Straßenbahn offensichtlich fertig macht, und dem Mädchen hinterher rennt, und sie dann zwingen will, die Hose auszuziehen – und auch noch ein Messer dabei hat und sagt: 'Ich stech' dich ab, wenn du das jetzt nicht machst'… Aber selbst, wenn man eine versuchte Vergewaltigung angenommen hätte, wäre der gleiche Strafrahmen herausgekommen, weil es eher um die Waffe geht."

Den Wunsch, Sebastian Münster in Sicherungsverwahrung sehen zu wollen, kann Christian Zainhofer verstehen, allerdings müsse für diese Maßnahme, rein juristisch, ein eindeutig untherapierbarer Hang zu Straftaten nachgewiesen werden. "Hier hat der Gutachter klar festgestellt, dass der Täter unter der Sucht von Drogen und Alkohol die Hemmschwelle herabsetzt und Straftaten begeht – und dass er ohne die Suchtproblematik diese Straftaten eventuell nicht begehen würde. Deswegen ist er zu der Auffassung gekommen, dass er therapierbar ist." Wenn allerdings die Alkohol- und Drogenproblematik nicht behoben würde, ginge von Sebastian Münster eine erhöhte Gefahr für weitere Straftaten aus. In spätestens sechs Jahren wird sich zeigen, ob Münster erfolgreich therapiert wurde. Dann nämlich wird er zum zweiten Mal aus der Haft für ein Sexualdelikt entlassen. 

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