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Das sind Ihre Rechte als Praktikant

Als Praktikant sind Sie kein Freiwild, sondern haben Rechte – aber auch Pflichten. Diese Übersicht zeigt die Unterschiede zwischen den Praktika auf und hilft Ihnen, sich vor Ausbeutung zu schützen.

Gute und sinnvolle Praktika sind ein Pluspunkt im Lebenslauf. Neben Pflichtpraktika, die im Rahmen einer schulischen Ausbildung oder eines Studiums absolviert werden müssen, bieten viele Unternehmen freiwillige Praktika an. Wer sich um eine solche Praktikumsstelle bewirbt, sollte zuvor wissen, welche Rechte er hat - und auch welche Pflichten. Diese Übersicht und die Links sollen Ihnen helfen, sich entsprechend vorzubereiten.

Ist ein freiwilliges Praktikum etwas anderes als ein Pflichtpraktikum?

Ja. Bei Pflichtpraktika, etwa im Rahmen einer Schulausbildung oder eines Studiums, bleiben die Praktikanten Schüler oder Student. Es gelten für sie weiter die Studien- bzw. Schulordnungen. Sie haben deshalb auch keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Vertrag, Vergütung oder Urlaub.

Bei freiwilligen Praktika ist das anders. Hier greift der Paragraf 26 des Bundesausbildungsgesetzes, das Praktikanten (Personen, die außerhalb eines Arbeitsverhältnisses "berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen erwerben") Arbeitnehmern prinzipiell gleichstellt. Für sie gelten alle Rechtsvorschriften und Grundsätze, die auch für Arbeitsverträge gelten (Anspruch auf Vertrag, Vergütung, Urlaub, Zeugnis). Ausnahmen: sehr kurze Praktika von weniger als einem Monat oder reine "Hospitationen".

Muss man für ein Praktikum einen Vertrag abschließen?

Nein, nicht zwingend. Rechtlich vorgeschrieben ist ein schriftlicher Praktikumsvertrag nicht. Erfahrungsgemäß fahren aber beide Seiten besser, wenn ein Praktikumsvertrag schriftlich aufgesetzt wird – gerade wenn ein längeres Praktikum ansteht: Welche Aufgaben, Rechte und Pflichten hat der Praktikant? Was sind die Ziele des Praktikums? Wer ist der Hauptansprechpartner? Darum kann man als Praktikant ruhig bitten, ebenso wie um einen Praktikumsplan mit ggf. einzelnen Phasen und Inhalten.

Als Formulierungshilfe kann dieses Vertragsmuster vom Bundesbildungsministerium (PDF) dienen. Bei längeren, freiwilligen Praktika sollten zumindest die Rahmenbedingungen schriftlich fixiert werden.

Bei reinen Hospitationen/Besuchsveranstaltungen oder im Rahmen eines schulischen oder universitären Praktikums ist ein Vertrag nicht üblich.

Steht mit rechtlich ein Gehalt oder Vergütung zu?

Wenn Sie im Praktikum richtig für das Unternehmen arbeiten, dann ja: Bei freiwilligen Praktika schreibt das Berufsbildungsgesetz eine angemessene Vergütung vor. Sind Sie länger als einen Monat dabei und überwiegen "reguläre Tätigkeiten", wird der Praktikant offensichtlich wie ein normaler Arbeitnehmer eingesetzt und sollte auch so bezahlt werden. Diesen Anspruch können Praktikanten einklagen, auch nach Ablauf ihrer Zeit im Unternehmen. Ein Tarif ist allerdings nicht vorgeschrieben, was den Firmen Spielraum lässt. Ein Anhaltspunkt für die Bemessung der Vergütung können diese vom Bundesinstitut für Berufsbildung ermittelten durchschnittlichen Ausbildungsvergütungen sein.

Insofern unterscheidet sich ein Praktikum, in dem man auch arbeitet, von einer Hospitation, bei der es hauptsächlich ums "Zuschauen" und "Miterleben" geht.

Wie viele Stunden muss ich in einem Praktikum arbeiten?

Wie normale Arbeitnehmer dürfen auch Praktikanten nicht länger als acht Stunden pro Tag arbeiten. Spätestens nach sechs Stunden steht Ihnen eine Pause von 30 Minuten zu.

Muss ich auch am Wochenende arbeiten?

Wenn das in dem Job dazu gehört, in dem Sie ein Praktikum absolvieren, wird in der Regel auch dafür die Bereitschaft erwartet, beispielsweise im Krankenhaus, bei der Feuerwehr oder bei Fernsehen und Rundfunk. Allerdings haben Sie ein Anrecht auf einen Ersatzruhetag für Sonn- oder Feiertagsarbeit.

Wie viel Urlaub steht mir zu?

Bei Pflichtpraktika, die Sie als Schüler oder Student absolvieren müssen, gibt es keinen Urlaubsanspruch. Wer freiwillig ein längeres Praktikum absolviert, hat die gleichen Rechte wie ein Angestellter und dementsprechend auch ein Recht auf Mindesturlaub. Wie viel das ist, hängt von der Länge des Praktikums ab. In der Regel wird ein anteiliger Urlaubsanspruch erworben: für jeden Monat ein Zwölftel des üblichen Jahresurlaubs. Bei drei Monaten sind das zum Beispiel sechs Tage. Praktikanten stehen mindestens 24 Tage Urlaub im Jahr zu, also zwei Tage pro Monat. Ist ein Praktikant nur sehr kurz im Betrieb, etwa weniger als einen Monat, kann der Urlaubsanspruch entfallen.

Muss ich mich im Praktikum selbst kranken- und sozialversichern?

Das hängt davon ab, ob Sie beazhlt werden, oder nicht. Generell sind Sie während eines Praktikums sozialversicherungspflichtig. Allerdings können Sie von der Versicherungspflicht befreit werden, wenn Sie geringfügig beschäftigt sind und nicht mehr als 400 Euro im Monat verdienen. Bekommen Sie mehr Geld, muss der Betrieb Sie bei der Sozialversicherung (Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Pflegeversicherung) anmelden und Beiträge zahlen. Diese richten sich nach der Höhe der Bezahlung.

Schreibt die Studien- oder Prüfungsordnung ein Praktikum während des Studiums oder der Ausbildung vor, sind Sie von der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherungpflicht befreit. Die Dauer des Praktikums, die Höhe der Bezahlung und die wöchentliche Arbeitszeit spielen keine Rolle. Machen Sie das Praktikum freiwillig vor oder nach dem Studium statt und wird es nicht bezahlt, sind Sie nicht versicherungspflichtig. Bekommen Sie Geld dafür, gelten je nach Höhe der Bezahlung unterschiedliche Regelungen. Auskunft dazu kann Ihnen Ihre Krankenkasse geben.

Darüber hinaus sind Praktikanten in der gesetzlichen

Unfallversicherung

gegen Arbeitsunfälle versichert. Der Versicherungsschutz besteht vom ersten Arbeitstag an und ist unabhängig davon, wie lange das Arbeitsverhältnis dauert oder wie hoch das Entgelt ist.

Hafte ich auch für Schäden?

Ja, allerdings gilt hier dieselbe Rechtsprechung, wie bei der Arbeitnehmerhaftung für Schäden, die Sie im Praktikum verursachen.

Was, wenn ich während des Praktikums krank werde?

Auch in diesem Fall gilt für Sie, sofern Sie ein längeres freiwilliges Praktikum in einem Unternehmen machen, das Gleiche wie für Arbeitnehmer. Sie müssen sich umgehend krank melden, benötigen eine Bescheinigung vom Arzt, haben aber auch Anspruch auf eine Entgeldfortzahlung. Schüler- und Studentenpraktikanten müssen sich beim "Arbeitgeber" und bei ihrer Ausbildungsstelle (Schule/Uni) krank melden.

Welche Pflichten habe ich noch als Praktikant?

Je nach Art den Praktikums können Sie zum Beispiel zur Verschwiegenheit oder zu Arbeitssicherheitsmaßnahmen verpflichtet werden.

Gilt der "Arbeitsschutz" auch für Praktikanten?

Ja. Unabhängig von der Art eines Praktikums greifen immer die allgemeinen arbeitsschutzrechtlichen Regeln, zum Beispiel auch die Vorschriften zur Arbeitszeit nach dem Arbeitszeitgesetz und nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz.

Kann ich bei einem Praktikum rausfliegen oder selbst kündigen?

Ja. Ein freiwilliges Praktikum nach § 26 des Bundesausbildungsgesetzes kann vom Arbeitgeber aus wichtigem Grund gekündigt werden. Sie selbst können aus wichtigem Grund fristlos, aber auch mit einer Frist von vier Wochen kündigen.

Links zum Thema Praktikum

Im Internet gibt es verschiedene Praktikumsbörsen mit vielen hilfreichen Informationen, darunter www.praktikum.info, www.praktika.de oder auch www.stepstone.de.

Die Seite meinpraktikum.de bietet eine Praktikumsbörse. Zudem können ehemalige Arbeitgeber bewertet werden, sodass Interessierte erfahren, welche Praktika sich lohnen. Eine Studie des Seitenbetreibers wertet Angaben über mehr als 5500 Praktika aus und fasst sie in einem Praktikantenreport zusammen.

Die DGB Jugend hat eine Broschüre mit Tipps und Informationen für Praktikanten veröffentlicht. Hier gibt es das PDF zum Downloaden.

Zu Auslandspraktika bietet "Wege ins Ausland" Informationen und Neuigkeiten: www.wege-ins-ausland.org

Für einige Studienfächer gibt es Organisationen, die auch bei der Vermittlung von Auslandspraktika helfen: BWLer informieren sich unter www.aiesec.de, Juristen gehen auf www.elsa.org. Und Ingenieure, Naturwissenschaftler, Natur- und Forstwirte finden Infos bei www.iaeste.de.

Zudem gibt es auch kommerzielle Agenturen, die Praktika und Sprachkurse im Ausland vermitteln, wie unter anderem www.praktikawelten.de, www.praktikumsvermittlung.dewww.auslandspraktikum-weltweit.de

Fünf goldene Praktikumsregeln

Gute und sinnvolle Praktika sind ein Pluspunkt im Lebenslauf. Allerdings sollten Berufseinsteiger nicht eine Station an die nächste reihen. Wählen Sie sie mit Bedacht, indem Sie folgende Regeln beachten:

Praktikanten brauchen einen

Praktikumsplan

, am besten vom Chef und dem Praktikanten gemeinsam entwickelt. Darin sollte stehen: Welche Aufgaben hat der Praktikant? Was will er im Unternehmen lernen? Wer ist der Hauptansprechpartner?

Jeder sollte vor Beginn einen

Vertrag

abschließen. Denn auch ein Praktikant hat Rechte und Pflichten - und die sollte er kennen.

Praktika sollten sinnvoll

aufeinander aufbauen

und jeweils eine nächste Stufe darstellen, ein zielgerichteter "roter Faden" sollte später aus dem Lebenslauf hervorgehen, keine Trophäensammlung.

Ein

Praktikum im Ausland

ist ein i-Tüpfelchen, das Einsteiger erst ansteuern sollten, wenn sie im deutschen Berufsalltag erste Erfahrungen gesammelt haben. Ein Auslandspraktikum ist auch kein Urlaub.

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