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Was haben diese Frauen alle gemeinsam?

91 Prozent aller deutschen Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden. Doch das liegt einzig und allein an der Perspektive: Sie sehen nur ihre Makel. Und das völlig zu unrecht, sagt Schauspielerin Nora Tschirner.

Viele Frauen, eine Gemeinsamkeit: Sie alle haben etwas an sich auszusetzen.

Viele Frauen, eine Gemeinsamkeit: Sie alle haben etwas an sich auszusetzen.

Zu kurze Beine, der Po zu dick, die Nase zu lang, der Bauch nicht straff... "Ich kenne keine Frau, die davon nicht betroffen ist, weil er ständig was an sich auszusetzen hat", sagt auch Schauspielerin Nora Tschirner über das prekäre Körperbild, dem die meisten Frauen nacheifern.
Tschirner hat den Dokumentarfilm "Embrace - Du bist schön" mitproduziert, weil sie das 'Body Image' kritisch sieht, dem sich Frauen weltweit unterwerfen: "Dieses Thema beschäftigt mich schon lange. Durch meine Arbeit, aber auch in meinem persönlichen Umfeld, habe ich seit Jahren besorgniserregende Entwicklungen beobachtet: einen zunehmenden Fokus auf Äußerlichkeiten und damit einhergehend Selbsthass, Depression, Verlust von Lebenszeit, Lebenslust und Kreativität", so 35-Jährige.

In dem Film zeigt die australische Fotografin und dreifache Mutter Taryn Brumfitt, dass Frauen weltweit zu Unrecht einem vermeintlich perfekten Bild von sich hinterher jagen. Sie berichtet von den unterschiedlichsten Frauen weltweit, die von den eigenen Unsicherheiten und Abneigungen dem eigenen Körper gegenüber berichten. Für einen Trailer zu ihrem Film bat sie 100 Frauen, ihren Körper mit nur einem Wort zu beschreiben. Die häufigsten Antworten: dick, abstoßend. Doch die Frauen irren, meint Taryn Brumfitt. Ihre Botschaft lautet: Liebe deinen Körper wie er ist, er ist der einzige, den du hast!  Der Dokumentarfilm "Embrace" wird am 11. 05.2017 einmalig in 150 deutschen Kinos zu sehen sein.   Mehr Infos und Orte auf www.embrace-derfilm.de 

In dem Film zeigt die australische Fotografin und dreifache Mutter Taryn Brumfitt, dass Frauen weltweit zu Unrecht einem vermeintlich perfekten Bild von sich hinterher jagen. Sie berichtet von den unterschiedlichsten Frauen weltweit, die von den eigenen Unsicherheiten und Abneigungen dem eigenen Körper gegenüber berichten. Für einen Trailer zu ihrem Film bat sie 100 Frauen, ihren Körper mit nur einem Wort zu beschreiben. Die häufigsten Antworten: dick, abstoßend. Doch die Frauen irren, meint Taryn Brumfitt. Ihre Botschaft lautet: Liebe deinen Körper wie er ist, er ist der einzige, den du hast!

Der Dokumentarfilm "Embrace" wird am 11.05.2017 einmalig in 183 deutschen Kinos zu sehen sein (sowie in 33 in Österreich und 2 in der Schweiz).
Mehr Infos und Orte auf www.embrace-derfilm.de 

Der Film "Embrace" erzählt die Geschichte der Australierin Taryn Brumfitt, die eigentlich ganz zufrieden war in ihrem Leben: Sie arbeitet als Fotografin, ist verheiratet und hat drei tolle Kinder. Doch nach den Schwangerschaften wurde sie ihre zusätzlichen Kilos nicht wieder los und begann, ihren Körper zu hassen. Ihre Brüste, ihr Bauchfett… Sie fing an, hart zu trainieren. 15 Wochen lang erkämpfte sie sich ihren vermeintlich perfekten Körper, um bei einem Bodybuilding-Wettbewerb auf der Bühne zu stehen. Doch das erhoffte Glück habe ihr das nicht gebracht, sagt Taryn Brumfitt: "Ich hatte den perfekten Körper, den alle Frauen haben wollen. Aber in diesem Moment habe ich nur gedacht: Um hierhin zu kommen, habe ich zu viel geopfert: zu viel Zeit, zu viel Energie, zu viel Besessenheit. Und das ist es nicht wert. Ich stehe hier also mit meinem perfekten Körper – und bin nicht glücklich!" Jener Moment auf der Bühne war ein Wendepunkt im Leben der dreifachen Mutter. Die Australierin aß wieder normal, bewegte sich viel in der Natur, konzentrierte sich auf ihr Wohlgefühl – und lernte dabei schließlich ihren Körper anzunehmen, wie er ist. Eines Tages postete sie ein Vorher/Nachher-Foto im Netz, auf dem sie einmal mit Bodybuilding-Figur – und einmal als "unperfekte", weiblich gerundete Frau mit Makeln zu sehen war. Ihre Botschaft ging um die Welt: "Die Leute konnten nicht glauben, dass eine Frau ihren ganz normalen Körper lieben kann", so die 39-Jährige.

Um der Frage auf die Spur zu kommen, woher dieser Körperkult und das gängige Idealbild der Frauen herkommt, machte sich die Mutter von drei Kindern auf eine Reise um die Welt. Sie traf Frauen mit Magersucht, Schönheitschirurgen, Fitnesstrainer. In Wien traf sie schließlich auf Nora Tschirner, die ihre Einstellung mit Taryn Brumfitt teilt. Heraus kam eine gemeinsame, beeindruckende Dokumentation für Frauen: Embrace – Du bist schön.

"Ich vergleiche mich ständig mit anderen Frauen – und fühle mich oft schlecht dabei"

stern TV traf für ein einzigartiges Experiment mehr als 40 ganz normale Frauen – von der Studentin bis zur mehrfachen Mutter oder Großmutter. Sie alle sollten überlegen, welchen Aussagen über ihren Körper zustimmen. Der Aussage etwa "Ich bin mit meinem Gewicht aktuell unzufrieden" stimmten 20 Frauen zu und traten gemeinsam in ein markiertes Feld. Unter ihnen auch viele Normalgewichtige. Trotzdem haben sie ihre ganz eigenen Begründungen, wie sich zeigte.
Und auch in der Online-Selbsteinschätzung, an der sich bis heute fast 6000 Frauen beteiligt haben, gaben fast 70 Prozent an, mit ihrem jetzigen Gewicht unzufrieden zu sein. Beine oder Bauch sahen ebenfalls mehr als die Hälfte kritisch. Und weit mehr als die Hälfte der befragten Frauen räumte ein, sich ständig mit anderen Frauen zu vergleichen – und sich dabei schlecht zu fühlen.

So geht es auch Nadine Szepaniak aus München: Sie schrieb stern TV zu diesem Thema: Leider kann ich von mir selbst nicht sagen, dass ich meinen Körper liebe.
Die 29-Jährige hadert seit ihrer Kindheit mit ihrem Aussehen: "Ich weiß innerlich: Ich bin ein guter Zuhörer, ich bin witzig, ich bin auch nicht ganz auf den Kopf gefallen. Und wenn ich mir etwas vornehme, dann schaffe ich das auch", so Nadine S. "Aber wenn es darum geht, mit meinem Körper gut umzugehen, dann weiß ich nicht, wie ich das machen soll." Wenn sie zu Hause vor dem Spiegel steht, sieht sie nichts, das ihr gefällt. Sie sieht zwar ein, dass das nicht richtig ist, kann aber aus sich selbst heraus nichts daran ändern. "Das schränkt einen Menschen so unglaublich ein, wenn man immer nur damit beschäftigt ist, sich selbst niederzumachen. Ich würde einfach gerne morgens aufstehen, in den Spiegel gucken und denken: Du bist echt ein toller Mensch."

"Ich bin selbst mein größter Feind"

Es sind Gedanken, die viele Frauen haben. Etwa die Duisburgerin Claudia M. Eine von 42 stern TV-Zuschauerinnen, die an unserem Experiment teilgenommen haben. Sie stimmte den meisten negativen Aussagen zu. Sie sei sehr unglücklich mit ihrem Körper, mache ihr Leben lang schon Mobbingerfahrungen, vor allem, wegen ihres Übergewichts. Trotzdem sie einst schlank war, seien "die Unsicherheiten, Hemmungen und die Ängste, der Gesellschaft, den Jungs in meiner Schule, nicht  zu genügen, geblieben", sagt sie. Bei der Aussage Ich finde, ich bin – trotz mancher Makel – eine gute Partie blieb Claudia als einzige von 42 Frauen stehen; sie konnte dieser Aussage als einzige nicht zustimmen. Es mache sie traurig, trotzdem sagte sie: "Bei diesem Experiment ging es darum. ehrlich zu sein. Und da konnte ich einfach keinen Schritt nach vorne machen." Claudia steht zu ihrer Aussage: "Ich bin wohl selbst mein größter Feind. Ich muss erstmal lernen, mich selbst zu lieben, bevor andere mich lieben können."

Das Leben ist zu kurz für Selbstzweifel und Selbsthass

Wie Claudia ihr geht es unzähligen Frauen auf der Welt. Dass es auch anders geht, erzählte uns Nicole Schnurre aus Dessau. Die dreifache Mutter haderte jahrelang mit ihrem Körper. Aber sie hat es geschafft, die Selbstzweifel hinter sich zu lassen. Nach der Geburt ihres ersten Sohnes als 18-Jährige war die junge Mutter zunächst kreuzunglücklich: "Der Bauch hing, dann die Streifen, die Brust, die auch nicht mehr aussah wie vorher… Man war der Meinung, das will niemand sehen. Das sieht nicht schön aus." Obwohl sich die Alleinerziehende nach einer neuen Beziehung sehnte, habe sie an sich und ihren Körper lange Zeit niemanden heran gelassen. Mit 35 Jahren hatte sich schließlich genug von diesem Wahn und machte einen Schnitt: "Als erstes habe mich meine Wage entsorgt. Ich habe sie richtig in den Müll geschmissen. Und das hat dazu geführt, dass ich nach ein paar Monaten sagen konnte: So wie ich jetzt bin, fühle ich mich wohl in meinem Körper. Und so möchte ich bleiben. Ich möchte mich nicht mehr ändern."

Inzwischen hat Nicole Schnurre auch eine 13-jährige Tochter, an die sie diese Einstellung weitergeben möchte. Die Schülerin spürt den Druck des Körperideals schon jetzt in der Schule, erzählt das Mädchen: "Die wollen immer alle perfekt aussehen. Und wenn jemand mal nicht so aussieht, oder zu dünn oder zu dick ist, dann wird er gleich ausgeschlossen oder nicht so angenommen."

Für Nicole stehen heute die Kinder an erster Stelle. Dass die alten Sachen nicht mehr passen, nimmt die 39-Jährige gelassen hin: "Die Sachen, die mir zu eng sind, die schenke ich jetzt einfach meiner Tochter. Ich muss da nicht mehr reinpassen."

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Kommentare (4)

  • Siglinde
    Siglinde
    Guten Abend, es kommt überhaupt nicht darauf an, wieviel man wiegt, sondern wie der
    Charakter ist!!! Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade Frauen mit etwas mehr auf den Rippen viel netter sind als ausgehungerte.
    Die Damen in Ihrer Runde haben im übrigen alle ein unglaublich hübsches Gesicht mit viel Ausstrahlung, besonders Claudia. Sie kann wirklich stolz auf sich sein!!!! Da gibts überhaupt keinen Grund zu so viel Selbstzweifel!!!!!!!
    Ganz liebe Grüße aus Nürnberg
    Siglinde
  • Saskia91
    Saskia91
    Ich habe in der Schwangerschaft 6 Kilo abgenommen , unbewusst. Seit der Geburt meines Sohnes ( 4 Jahre ) habe ich einige Diäten ausprobiert. Mit sport , aber leider bekomme ich nicht noch mehr runter.
    Ich bin 1,64cm groß und wiege 64 Kilo. Habe schwere Muskeln , daher kann ich nach Gewicht nicht abnehmen .
    Habe jetzt leider eine esstörung davon getragen .
    Ich schaue mir andere , schmalere Frauen an und würde auch gern so aussehen . Ich weiß , dass ich ein ganz tollen Jungen zur Welt gebracht habe . Darauf bin ich auch stolz.
    Ich wünsche mir ein flacheren Bauch zu haben .
    Ich War im Kindesalter etwas moppeliger und ich möchte noch mehr dafür das ich nicht wieder so werde.
  • Babette67
    Babette67
    Ich habe erst mit meinem Körper Frieden schließen müssen um abnehmen zu können. Extremes Übergewicht ist für mich heute ein Zeichen davon das zu seinem Körper jeglichen Bezug verloren hat. Ich habe mir selbst nichts gutes mehr getan. Den größten Müll in mich hinein gestopft. Oder halt gehungert. Dann... habe ich beschlossen nicht mehr gegen meinen Körper zu kämpfen sondern mit ihm zusammen für ihn und für mich. Was soll ich sagen. Es hat funktioniert. Heute gute zwei Jahre später wiege ich 80kg weniger. Bin glücklich und fit voller Energie gesund und rundum zufrieden mit mir. Ich gebe meinem Körper das was er braucht. Gesunde Ernährung und Bewegung. commentImage0
  • sebi85fl
    sebi85fl
    Ich glaube, dass dieses Problem nicht nur ein Problem der Frauen ist. Ich bin männlich und 32 Jahre alt. Mein Sixpack ist weg, mein Knackpo ist weg. Ich stehe manchmal vor dem Spiegel und denke: " man, wie hast du früher ausgesehen? Und jetzt sieh dich an!" Aber was solls. Ich habe einen Partner, der mich liebt und ich liebe sie! Wir haben zwei Kinder. Bei meiner Frau sitzt auch nicht mehr alles da, wo es vor zehn Jahren saß. Trotzdem finde ich sie immer noch sehr anziehend und vergöttere sie. Unsere Gesellschaft ist leider so oberflächlich, dass sich einige Menschen schlecht fühlen, für etwas wofür sie absolut nichts können. Traurig, aber wahr. Jeder der jetzt sagt, dass das nicht stimmt, sollte mal drüber nachdenken, wann er/sie das letzte Mal gedacht hat: "boah! Wie sieht die denn aus?!" "alter ist der/die Fett!" "guck dir den Vogel mal an!" und wann habt ihr gedacht: "Die dicke Frau mit den fettigen Haaren und der kaputten Hose war aber nett."

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