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So zockten Betrüger unter vorgetäuschter Nummer Senioren ab

Mit einer heimtückischen Falle hat eine Rockerbande in Köln reihenweise Senioren betrogen. Die Opfer vertrauten ihnen, denn die Anrufer waren schließlich seriös. Das glaubten sie zumindest. Doch es war nur ein technischer Trick.

Ein Anruf von Daddy? Mit einem technischen Trick können Betrüger mit einer vermeintlich vertrauenswürdigen Rufnummer telefonieren.

Ein Anruf von Daddy? Mit einem technischen Trick können Betrüger mit einer vermeintlich vertrauenswürdigen Rufnummer telefonieren.


Heimtückisch und schwer zu durchschauen: Eine Rockerbande aus Köln gab sich bei Anrufen als Beamte der Polizei aus und behauptete gegenüber ahnungslosen Senioren, deren Geld und Schmuck sicherstellen zu müssen - sie seien nämlich Ziel eines bevorstehenden Einbruchs. Zweifeln begegneten die Betrüger mit dem Hinweis auf das Telefondisplay: Den Tätern war es gelungen, neben der Kölner Vorwahl die "110" auf dem Telefon der Angerufenen anzeigen zu lassen. 350 ahnungslose Senioren tappten 2016 in die Falle dieser Bande, der entstandene Schaden der Telefon-Abzocke beläuft sich auf rund eine Million Euro.


IT-Sicherheitsexperte Tobias Schrödel weiß: "Technisch ist das kein Problem." Die Täter nutzen Apps, die für jedermann im Internet verfügbar sind und die es ermöglichen, die ausgehende Rufnummer zu manipulieren. Tobias Schrödel erklärt: "In dieses Programm oder die App trage ich einfach die gewünschte Absendernummer ein und telefoniere über die Applikation dann raus. Und die Nummer, die ich eingetragen habe, wird dann beim Angerufenen angezeigt."

Die angezeigte Telefonnummer kann eine Falle sein – und kaum jemand ahnt es

Doch wissen andere Menschen das auch? Für stern TV machte Schrödel einen Test im Münchener Uni-Viertel und stellte fest: "Die meisten Leute vertrauen darauf, dass die Nummer, die auf dem Telefon-Display angezeigt wird, auch die Nummer ist, die tatsächlich anruft. Doch dem ist nicht unbedingt so." Auch junge Leute ahnen nichts von diesem perfiden Trick und könnten ebenso Opfer von Betrügern werden. Auch andere Polizeibehörden bestätigen: Mithilfe falscher Telefonnummern werden bundesweit Menschen per Anruf hinters Licht geführt. 2016 wurden allein in Hamburg 615 Taten gemeldet. Der Schaden: 1,7 Millionen Euro.  Ergo: Wenn das nächste Mal Ihre Versicherung, Ihre Bank oder die örtliche Polizei anruft und etwas von Ihnen verlangt – bleiben Sie misstrauisch. Die angezeigte Telefonnummer kann eine Falle sein!

So schützen Sie sich vor betrügerischen Anrufern
Nicht beim ersten Anruf reagieren!

Gehen Sie niemals direkt auf einen fremden Anrufer ein, der etwas von Ihnen verlangt. Selbst wenn es vermeintlich die Polizei, Ihre Bank, Versicherung oder Ihre Telefongesellschaft ist: Schieben Sie ein Problem vor, weshalb Sie gerade nicht telefonieren können und bitten Sie um Rückruf (!) oder Bedenkzeit! Sofern es sich um echte Anrufer handelt, werden sie Verständnis haben. In jedem Fall haben Sie bis zum zweiten Telefonat Zeit genug, um zu prüfen, ob es sich um einen betrügerischen Anrufer handelt. Zum Beispiel mit folgenden Tipps.

Um Rückruf bitten

Lassen Sie sich die Nummer des Anrufers geben und bitten Sie, sich später zurückzumelden. Das geht nicht? Dann sollten Sie Verdacht schöpfen, denn: "Der Täter kann die gefälschte Nummer nur beim Anruf anzeigen lassen. Wenn man zurückruft, landet man beim echten Besitzer der Nummer", so IT-Experte Tobias Schrödel. Spätestens dann sollte sich der Irrtum aufklären.

Nummer sichtbar machen

Sollten Sie immer wieder Anrufe einer fremden Person erhalten, und vermuten oder wissen, dass die angezeigte Nummer falsch ist, können Sie die echte Rufnummer mit einem zugegebenermaßen nicht ganz simplen Trick sichtbar machen. Besorgen Sie sich eine ausländische Telefonnummer, am besten mit Sprachbox. Die gibt es von diversen sog. VoIP-Anbietern auf der ganzen Welt, leider nicht immer kostenfrei. Richten Sie dann eine Rufumleitung auf diese ausländische Sprachbox ein, wenn Sie damit rechnen, dass der Störer mit der gefälschten Nummer wieder anrufen wird. Der ausländische Anbieter "sieht" die echte Telefonnummer des Anrufers und teilt Ihnen diese dann mit: "Sie haben eine Sprachnachricht von <Echte Nummer>".

Fangschaltung einrichten

Gegen eine Gebühr können Sie bei Ihrem Telefonanbieter eine Art Fangschaltung einrichten lassen, das kann nicht nur die Polizei. "Wenn man dann beispielsweise wieder einmal einen Anruf dieser bestimmten Nummer bekommt, kann man je nach Telefonanbieter eine Tastenkombination drücken oder einer Hotline die Uhrzeit des Störanrufes mitteilen. Wenige Tage später erhält man dann von seinem Telefonanbieter Telefonnummer und Anschrift des Anrufers", erklärt Tobias Schrödel. "Man muss dazu sagen: Auch der Anrufer wird über den Vorgang informiert. Einzige Ausnahme: Wenn man schwerwiegende Argumente dagegen hat, wie etwa Verfolgung, Bedrohung oder Lebensgefahr." Das geht übrigens auch bei so genannten Klingelstörern, die einen Nachts aus dem Bett klingeln. Einziges Manko: Man muss die "Fangschaltung" vorher beim Provider beauftragt haben, es lassen sich also nur Störer ermitteln, die immer wieder anrufen.

WhatsApp-Check

Eine weitere Möglichkeit: Checken Sie über WhatsApp, zu wem die Nummer möglicherweise gehört. "Wenn man eine Rufnummer nicht zuordnen kann, sollte man sie einfach in den Kontakten speichern, dann WhatsApp öffnen und nachsehen, ob es ein Profil dazu gibt."


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