Zur mobilen Ansicht
Wechseln Sie für eine bessere Darstellung
auf die mobile Ansicht
Weiterlesen Mobile Ansicht
Startseite

Warum Verbraucher höhere Gaspreise nicht akzeptieren müssen

Als "Gas-Rebell" machte sich Kurt Geisler bei seinem Energieversorger unbeliebt: Der Rentner kürzt seit Jahren seine Gasrechnung. Mahnungen und Drohungen blieben juristisch unwirksam. Verbraucherschützer loben das Vorgehen sogar - und erklären, wann Kunden Preiserhöhungen ablehnen sollten.

  Kurt Geisler kürzt seit 11 Jahren seine Gasrechnung: Er widersprach allen Preiserhöhungen und zahlt einfach einen seines Erachtens angemessenen Preis.

Kurt Geisler kürzt seit 11 Jahren seine Gasrechnung: Er widersprach allen Preiserhöhungen und zahlt einfach einen seines Erachtens angemessenen Preis.

"Da mache ich nicht mit“, sagt Kurt Geisler entschlossen und meint damit die stetig steigenden Gaspreise. Schon seit Jahren streitet sich der rüstige Rentner mit seinem Energieversorger. Der 82-jährige ehemalige Ingenieur lebt seit 50 Jahren in seiner Wohnung in Panketal bei Berlin. Auf einem selbstgezeichneten Diagramm hat Kurt Geisler elf Gaspreiserhöhungen innerhalb von 10 Jahren festgehalten. "Ab dem Jahr 2000 wurden die Preise stufenweise immer weiter erhöht", ärgert er sich. Trotzdem habe er lange brav gezahlt. Als 2004 eine Preiserhöhung von stolzen zwölf Prozent ins Haus flatterte, reichte es dem Rentner endgültig: Statt der geforderten 3,6 Cent pro Kilowattstunde zahlte er stoisch den alten Preis von 3,2 Cent weiter. Bis heute! Die letzten sieben Preiserhöhungen seines Gasversorgers hat er einfach nicht mehr mitgemacht. Bei jeder Rechnung legt Geisler entschlossen Widerspruch ein und berechnet seinen eigenen Gaspreis – mit Erfolg.

Das Gas fließt trotzdem. Und sein Energieversorger, die EWE, hat es nicht geschafft, die Preiserhöhungen gegenüber Kurt Geisler juristisch durchzusetzen. EWE ist der fünftgrößte Energieversorger Deutschlands. Umsatz im vergangenen Jahr: rund 8 Milliarden Euro.

Preise sollen nach "billigem Ermessen" bestimmt werden

Kurt Geisler beruft sich auf das bürgerliche Gesetzbuch. Im Paragrafen 315 heißt es: Ein Preis muss nach "billigem Ermessen" bestimmt werden, er muss demnach angemessen kalkuliert sein. "Das heißt, die andere Seite muss beweisen, dass ihre Preise dem billigen Ermessen entsprechen", sagt Geisler. Zwischen dem Rentner und EWE entstand also ein inniger Briefkontakt, der schon seit Jahren läuft. Mittlerweile kann der Mann damit mehrere Ordner füllen. Der Ablauf ist dabei immer gleich: EWE schickt eine Rechnung, Geisler legt Widerspruch ein und macht seine eigene Rechnung auf. Dabei rechnet immer mit dem ehemaligen Preis von 3,2 Cent pro Kilowattstunde. Sein Beispiel aus dem Jahr 2011: "EWE wollte 1.025, 71 Euro haben. Und gezahlt habe ich 712, 61Euro." Insgesamt habe er so rund 3000 Euro an Gaskosten gespart. 

Kann das aber jeder Gaskunde so machen? "Niemand muss unberechtigt zu hohe Preise bezahlen", erklärt Kurt Geislers Anwalt Ingmar Benger. "Wenn Sie also eine Gasabrechnung bekommen, bei der höhere Preise abgerechnet werden, kann man sich die Frage stellen: Warum ist das so? In den meisten Fällen fehlt es an einer rechtlichen Grundlage, einen solch höheren Preis zahlen zu müssen." 

Klauseln in Sonderkunden-Verträgen sind oft unrechtmäßig

Gaskunden können in Deutschland auf zwei Arten ihr Gas beziehen. Entweder man schließt keinen speziellen Tarif ab, dann landet man in der Regel automatisch in der so genannten Grundversorgung. Die meisten Gaskunden, vor allem diejenigen, die mit Gas heizen und dadurch einen höheren Verbrauch haben, vereinbaren so genannte Sonderverträge. Sie sind günstiger, müssen mit einem Energieversorger gesondert abgeschlossen werden. In den AGBs der Verträge stehen oft Klauseln, die eine Preiserhöhung einräumen. Doch die müssten Kunden in vielen Fällen nicht akzeptieren, sagt der Experte für Energierecht: "Ich persönlich habe noch keine Klausel erlebt, die einer gerichtlichen Überprüfung standgehalten hätte." Gegen die meisten Preiserhöhungen können man deshalb Widerspruch einlegen. 

Und so gibt es in Deutschland neben Kurt Geisler noch tausende weitere "Gas-Rebellen", organisiert in Dutzenden Bürgerinitiativen. Die Menschen kämpfen teilweise seit mehr als zehn Jahren gegen die Energieversorger, denen sie Preiswillkür vorwerfen. Solange die Gasunternehmen nicht plausibel machen können, warum die Preise so hoch sind, widersprechen die Gas-Rebellen ihren Rechnungen konsequent. 

Weitere Themen

Das könnte Sie auch interessieren

Partner-Tools