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Die Berliner Spielbank-Wette: Das Finale

"Ich mache Gewinn, an jedem Abend." So lautete die Behauptung des passionierten Roulette-Spielers Karl-Heinz Grotelaers. Das könne nicht funktionieren, sagten Experten.

In der Vergangenheit machte Grotelaers als rechtskräftig verurteilter Anlagebetrüger von sich reden. Nun will er ganz legal reich werden - beim Roulette. Er ist ein leidenschaftlicher Spieler, seit fast 30 Jahren zockt er in Spielbanken. Nun will er ein angeblich "todsicheres" Spielsystem entwickelt haben, mit man am Roulettetisch nicht verlieren könne. Experten meinen einhellig: Unter realistischen Bedingungen gibt es kein System, das auf Dauer Gewinne garantiert.

"Das funktioniert nicht", sagten der Mathematiker Prof. Ehrhard Behrends und Spielbankdirektor Günter Münstermann. Verraten will Grotelaers seine Methode nicht, aber stern TV und per Webcam auch die Zuschauer durften ihn beim Spielen beobachten. An zehn Tagen hintereinander sollte er ausgehend von einem Gundkapital von 3000 Euro Gewinn am Roulettetisch machen. Die Bedingung: Er musste mindestens eine Stunde, maximal zwölf Stunden spielen. Ansonsten konnte er den Ausstieg frei wählen.

Trotz Dauerbeobachtung meinte Grotelaers, dass niemand sein System durchschauen würde: "Die Leute sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht." Einen Hinweis auf seine Spielweise gab er dennoch: So setzt er fast immer nur einfache Chancen, also auf Rot oder Schwarz bzw. auf Gerade oder Ungerade.

Tag 1

Spielzeit: 1 Stunde und 30 Minuten
Gespielte Runden: 22
Gewinn: 50 Euro

Tag 2

Spielzeit: 1 Stunde und 40 Minuten
Runden: 25
Gewinn: 80 Euro

Tag 3

Spielzeit: 3 Stunden
Runden: 50
Gewinn: 60 Euro

Tag 4

Spielzeit: 4 Stunden und 30 Minuten
Runden: 121
Gewinn: 5 Euro

Tag 5

Spielzeit: 2 Stunden und 30 Minuten
Runden: 44
Gewinn: 50 Euro

Tag 6

Spielzeit: 1 Stunde und 5 Minuten
Runden: 43
Gewinn: 20 Euro

Tag 7

Spielzeit: 1 Stunde und 15 Minuten
Runden: 32
Gewinn: 30 Euro

Tag 8

Spielzeit: 1 Stunde und 30 Minuten
Runden: 39
Gewinn: 10 Euro

Tag 9

Spielzeit: 1 Stunde und 5 Minuten
Runden: 36
Gewinn: 80 Euro

Tag 10

Spielzeit: 5 Stunden
Runden: 340
Gewinn: 5 Euro

Gesamtbilanz

Grotelaers hat an zehn Tagen hintereinander Gewinn gemacht. Der fällt allerdings recht dürftig aus: Der niedrigste Tagesgewinn betrug 5 Euro, der höchste 80 Euro - reich werden kann man damit nicht. Insgesamt hat er 390 Euro zum Spielkapital dazugewonnen. Am letzten Tag schien Grotelaers kurz vor dem Scheitern zu sein: Er musste 340 Runden spielen, um ins Plus zu kommen - zwischendurch war er mit 410 Euro im Minus. Am Ende sprangen nur 5 Euro heraus.

Der Trick mit dem Gewinnen


Mathematik-Professor Behrends glaubt, Grotelaers Taktik durchschaut zu haben: So darf man nur auf einfache Chancen (zum Beispiel Rot oder Schwarz) setzen. Gewinnt man, steigt man aus. Verliert man, setzt man in der nächsten Runde das Doppelte, um den Verlust der Vorrunde auszugleichen und dazu gewinnen. Man spielt so lange weiter, bis man einmal gewonnen hat. Nur bei einer sehr langen Pechsträhne verliert man - dann allerdings sehr hoch.

Mit neun Studenten und einem Schimpansen spielte Behrends nach dieser Taktik. Siehe da: Nach einer Stunde (wie in der Wette mit Grotelaers) konnten vier Studenten mit einem Gewinn aussteigen. Wenige Runden später gewannen vier weitere Spieler. Nur eine Studentin erwischte eine seltene Pechsträhne: Sie verlor so oft hintereinander, dass sie ihr gesamtes Grundkapital von 3000 Euro verzockte. Der Affe übrigens gewann ebenfalls: 40 Euro - mehr als Grotelaers im Schnitt.

Fazit: Spielt man nach dieser Taktik, gibt es zwar sehr häufig Gewinne, aber eben nur kleine um die 5 bis 80 Euro - reich werden kann man damit nicht. Dass man eine lange Pechsträhne erwischt, ist zwar unwahrscheinlich, aber natürlich jederzeit möglich. Und dann sind die Verluste enorm hoch: Sie betragen schnell mehrere Tausend Euro, davon abhängig, wie viel Grundkapital man zur Verfügung hat.

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