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Nichts sehen, nichts hören: Die Welt des Peter Hepp

Wie Peter Hepp sein Leben meistert, ist für die meisten Menschen schwer vorstellbar. Peter Hepp kann nämlich weder hören noch sehen. Doch der 44-jährige taubblinde Diakon führt ein fast normales Leben - auch dank seiner Ehefrau Margherita.

"Es war Liebe auf die erste Berührung", sagt Peter Hepp, der sich mit Gebärdensprache verständigt. Margherita hat er 1994 in einem Krankenhaus in Heidelberg kennengelernt; dort machte die Sizilianerin ein Praktikum.

Hepp konnte damals noch schemenhaft erkennen. Er sagt: "Wenn ich von ihr träume, habe ich immer noch das Bild einer jungen hübschen Frau im Kopf." Ihr gemeinsamer Sohn Tobias ist fast zwei Jahre alt. Und Margherita Hepp ist wieder schwanger: Das zweite Kind wird im März zu Welt kommen.

"Ich bin gesund"

"Das Glück kommt, wenn ich ehrlich zu mir bin", sagt Hepp. "Dazu gehört, dass ich mir sage: Ich bin zwar taub und blind - aber ich bin gesund." Diese Gelassenheit über sein Schicksal musste er sich erst mühsam beibringen.

Von Geburt an war Peter Hepp gehörlos, doch das hinderte ihn nicht daran, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Als junger Mann reiste Hepp mit einem alten VW-Bus quer durch Europa, er machte eine Lehre als Maschinenschlosser und engagierte sich später im sozialen Bereich in der Arbeit mit Gehörlosen und Blinden - wenig später sollte er ihr Schicksal teilen.

Denn bald zerstörte das sogenannte Usher-Syndrom seine Sehnerven, im Alter von 29 Jahren erblindete er zunehmend. Heute kann Hepp nur sehr kontrastreiche Schrift auf kurzer Distanz erkennen; die Welt um ihn herum erscheint wie im Nebel.

Erster taubblinder Diakon

Drei Jahre lang verkroch sich Hepp, er stritt mit Gott und rutschte in eine Lebenskrise - bis er seine Erblindung akzeptierte. "Ich musste vieles neu erlernen - das war wie eine zweite Geburt."

Und Hepp verspürte nun den Wunsch, Diakon zu werden. Er will Vorbild sein, anderen Menschen, die ähnlich wie er eingeschränkt sind, Mut und Kraft schenken. 2003 wird Hepp der erste taubblinder Diakon Deutschlands. "Andere Menschen sollen sich mit mir identifizieren und bereit sein, sich helfen zu lassen - das ist keine Schwäche."

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