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Fifa stellt sich bei stern TV den Vorwürfen

Nach seiner Undercover-Reise übte Norbert Blüm scharfe Kritik an der Fifa. Unfassbar für den Ex-Arbeitsminister, dass wegen der Fußball-WM 2022 Menschen in Katar so arbeiten müssen. Nun wird reagiert.

Da werden Leute gequält, geschunden, haben keine Rechte. Und da kann die zivilisierte Welt nicht weiter große Worte machen. Solche Weltmeisterschaften dürfen in solchen Staaten nicht mehr durchgeführt werden!", forderte der langjährige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm am vergangenen Mittwochabend live in der Sendung. Schon während seiner fünftägigen Katar-Reise mit stern TV Ende April hatte Blüm deutliche Kritik geübt. Seit der Vergabe der WM im Dezember 2010 sorgen besonders die Arbeits- und Lebensbedingungen der rund 1,5 Millionen Gastarbeiter im Emirat Katar für Schlagzeilen. Laut Schätzungen des Internationalen Gewerkschaftsbundes werden bis zum Beginn der WM über 4.000 Arbeiter sterben.

Enorme Resonanz auf offene Kritik

Auch das Interesse der stern TV-Zuschauer und Internetgemeinde ist überwältigend: Der Beitrag zum Thema wurde im Internet über 200.000 Mal angeklickt, auf der stern TV-Facebook-Seite mehr als eine Million Mal aufgerufen. In über 15.000 Kommentaren äußerten die Menschen ihr Entsetzen über die Zustände in Katar. Während des Studiogesprächs in der Live-Sendung hatte Norbert Blüm auch den Weltfußballverband Fifa und ihren Präsidenten Joseph Blatter kritisiert, die die WM nach Katar vergeben hatten. "Das ist kein Fußball, vor dem ich Respekt habe. So ein Blatter, der spielt wie der Besitzer dieser Welt. Solange Sklaverei geduldet wird, so lange können diese Funktionäre keine Achtung bekommen", so Blüms Fazit.

Ist die Fifa wirklich verantwortlich für die Missstände in Katar? Dietmar Schäfers, stellvertretender Bundesvorsitzender der internationalen Baugewerkschaften, sieht das so: "Die Fifa ist der Hauptverantwortliche für die Missstände. Soziale Bedingungen haben bei der WM-Vergabe gar keine Rolle gespielt. Die fahren wirtschaftlich Riesengewinne ein und das auf Kosten der einfachen Arbeiter. Die Fifa ist für die Toten auf den Baustellen zwar nicht direkt verantwortlich, aber sie nimmt sie billigend in Kauf."

Schäfers war im vergangenen Jahr zwei Mal ins WM-Land Katar gereist – 2013 zum ersten Mal. Die Eindrücke von den Arbeits- und Lebensbedingungen der Bauarbeiter haben sich auch bei ihm eingebrannt. Das seien menschenunwürdige Unterkünfte, wo er nicht einmal einen Hund schlafen ließe. "Wenn die Fifa die Vergabebedingungen sauber regeln würde und vom katarischen Staat sehr viel mehr abverlangen würde, dann würden solche Bedingungen sicherlich nicht die Regel sein, so wie wir das in Katar vorgefunden haben", so der Gewerkschafter.

Blüm fordert Abzug der WM aus Katar

Norbert Blüm fand dafür bereits während seines Besuchs in Katar klare Worte: "Ich wünsche, dass der Herr Blatter hier mal 14 Tage lebt. Hier siehst du Menschen, die entwürdigt werden. Ausgebeutet, zurück in die alte Sklavengesellschaft. Und das mit Hilfe des hoch angesehenen Fußballs."

Die beiden Männer – Dietmar Schäfers und Norbert Blüm – sind einer Meinung: Unter diesen Bedingungen darf eine Fußball-WM in Katar nicht stattfinden. Am Mittwochabend ging die Diskussion darum weiter: Live bei stern TV stellte sich Fifa-Sprecher Alexander Koch den Vorwürfen. Er sagte: "Wir müssen uns nicht darüber unterhalten, dass diese Arbeitsbedingungen inakzeptabel sind." Eine Mitschuld der Fifa stritt der Corporate Communications Manager aber ab. Die Arbeitsbedingungen seien auf das Kafala-System zurückzuführen, das völlig unabhängig von Sportveranstaltungen nicht nur in Katar, sondern auch in Ländern wie Bahrain, Oman, Saudi Arabien, Irak und Kuweit gängig sei. Diese Tatsache nähme die Welt seit mindestens 20 Jahren billigend in Kauf. Die Fußball-WM habe bezüglich der schlechten Arbeitsbedingungen jedoch schon viel bewirkt.

Norbert Blüm zeigte sich entsetzt über die Aussagen des Fifa-Sprechers: "Ich kann dieses Abwiegeln, dieses Verharmlosen nicht mehr ertragen. Die WM sollte endgültig aus Katar abgezogen werden." Er appellierte live in der Sendung an die deutschen Fußballfans: "Wenn der Fußball wirklich das Spiel bleiben soll, das wir alle lieben, dann lasst euch von den Geschäftemachern wie der Fifa nicht das Spiel verderben. Dieser Blatter ist ein großer Geschäftemacher, der hat mit Fußball so viel zu tun, wie ich mit der Weltraumfahrt."

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