Wie eine Ärztin um ihr Überleben kämpfte

1. September 2013, 17:30 Uhr

Als junge Medizinerin infiziert sich Heidemarie Kremer bei der Arbeit mit dem Aids-Virus. Ende der 80er Jahre war das wie ein Todesurteil. Doch die Frau nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand.

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Heidemarie Kremer infizierte sich vor 25 Jahren bei ihrer Arbeit als Krankenhausärztin mit dem HI-Virus.©

Heidemarie Kremer ist HIV-positiv. Die Diagnose erhielt sie schon vor 25 Jahren. Die heute 49-Jährige hatte sich bei ihrer Arbeit im Krankenhaus angesteckt. Dann verändert eine Routineuntersuchung ihr gesamtes Leben und bestimmt dessen weiteren Verlauf. Zunächst will sich die Ärztin nicht mit der Diagnose abfinden: "Ich habe es für einen Testfehler gehalten", so Heidemarie Kremer rückblickend. Doch auch bei den nachfolgenden Tests bleibt das Ergebnis gleich. Sie ist mit dem Aids-Virus infiziert.

Wenige Jahre später muss sie aus gesundheitlichen Gründen ihren Beruf aufgeben. Mit dem Ende ihrer Karriere als Ärztin beginnt für Heidemarie Kremer ein weiterer Kampf: Sie streitet um die Anerkennung ihrer HIV-Infektion als Berufskrankheit. Mit Erfolg: Das Bundessozialgericht gibt ihr nach einem jahrelangen Prozess Recht. Heidemarie Kremer bekommt heute eine Rente – und ist ein Präzedenzfall für infizierte Ärzte.

Gesunde Kinder trotz HIV-Infektion

Trotz der Infektion wird Heidemarie Kremer 1999 schwanger - mit Zwillingen. Damit sich die Kinder bei der Geburt nicht anstecken, kommen sie im Mai 2000 per Kaiserschnitt zur Welt. Beide sind kerngesund. Noch ist nicht klar, ob die Kinder infiziert sind. Deshalb bekommen sie vorsorglich ein Medikament, das eine mögliche Viruslast senken soll. Auch Stillen darf Heidemarie Kremer ihre Söhne nicht, denn Muttermilch enthält das HI-Virus. Nach einem Jahr erhält sie die erlösende Nachricht: Die Zwillinge Arman und Kianosh sind HIV-negativ.

2003 zieht Heidemarie Kremer mit ihrem Mann und den dreijährigen Jungen nach Florida. Das milde Klima dort hilft Heidemarie Kremer, seltener akut krank zu sein. Zudem kann sich die Medizinerin an der Universität von Miami an HIV-Forschungsprojekten beteiligen.

An den Problemen wachsen, anstatt zu zerbrechen

In ihrer Ehe jedoch kriselt es. Die Krankheit, der Stress mit den Kindern, finanzielle Sorgen – all das ist zu viel für die Beziehung. Das Paar lässt sich scheiden. Als Heidemarie Kremer später einen alten Studienfreund wiedertrifft, der ebenfalls Arzt ist, findet sie in ihm einen neuen Partner. Trotz Heirat bekommt er für die USA aber keine Aufenthaltsgenehmigung. Das Paar zieht nach Bali in Indonesien. Das Klima ist auch hier günstig für Heidemaries Gesundheit. Dazu kommt ihre positive Lebenseinstellung: "Ich versuche so zu leben, dass ich es als Herausforderung sehe und versuche, an den Problemen zu wachsen, anstatt daran zu zerbrechen", sagt die inzwischen 49-Jährige.

Trotzdem bestimmt die Infektion ihr Leben: Heidemarie Krämer muss stets genau auf die Einnahme ihrer HIV-Medikamente achten, um die Viruslast in ihrem Blut zu senken. Darüber hinaus nimmt sie Tabletten gegen die Nebenwirkungen, gegen Osteoporose, Nervenschädigungen, Pilzerkrankungen und mehr – 32 Pillen jeden Tag. Sie sollen ihr Leben weiter verlängern.

25 Jahre nach der Diagnose gilt Heidemarie Kremer als so genannte "Langzeit-Überlebende". Doch: "HIV ist und bleibt eben auch eine chronische, unheilbare Krankheit. In den letzten Jahren spüre ich, dass die Müdigkeit zunimmt, die Leistungsfähigkeit abnimmt, und dass sich doch mehr und mehr die Jahre der HIV-Therapie bemerkbar machen", sagt sie. Immerhin hat Heidemarie Kremer bereits ein viertel Jahrhundert gegen den Virus gekämpft. Und sie möchte weiterkämpfen – für ihre Kinder und um anderen Menschen mit HIV Hoffnung zu geben.

Informationen und Beratung Deutsche AIDS-Hilfe e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Wilhelmstraße 138
10963 Berlin
Tel.: 030 - 69 00 87-0
Fax: 030 - 69 00 87-42
E-Mail: dah@aidshilfe.de
Internet: www.aidshilfe.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Persönliche und anonyme Telefonberatung unter der Telefonnummer: 01805 - 555 444 (täglich ab 10 Uhr).
E-Mail: telefonberatung@bzga.de
Internet: www.bzga.de

Informationen von A – Z und zum heutigen Wissensstand hat die BZGA in einer kostenlosen Broschüre zusammengefasst, die Sie hier als PDF herunterladen können.

Netzwerk der Angehörigen von Menschen mit HIV und AIDS e.V.
Brahmsstraße 29
23556 Lübeck
Internet: www.angehoerige.org

Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V (DAIG)
Medizinische Universitätsklinik und Poliklinik I Universitätsklinikum Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
53105 Bonn
Tel.: 0228/ 287 11 208
Fax: 0228/ 287 15 034
E-Mail: daig@ukb.uni-bonn.de
Internet: www.daignet.de

Deutsche AIDS-Stiftung
Markt 26
53111 Bonn
Tel.: 0228 / 60 46 90
Fax: 0228 / 60 46 999
E-Mail: info@aids-stiftung.de
Internet: www.aids-stiftung.de

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