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28. April 2010, 20:13 Uhr

Wie mit Kunden-Hotlines abgezockt wird

stern TV-Test

Ihr Internetanschluss funktioniert nicht? Ihr Flug muss umgebucht werden? Hilfe versprechen da die Service-Hotlines der Unternehmen. Doch die Telefonate kosten Nerven - und viel Geld. stern TV hat den Test gemacht.

Vorsicht Kostenfalle: Bis zu drei Euro pro Minute kann ein Anruf bei einer Service-Hotline kosten. Und damit nicht genug - Verbraucherschützer kritisieren vor allem, dass Kunden schon zahlen müssen, wenn sie noch in der Warteschleife hängen. Auch stern TV hat diese Erfahrung gemacht: Bei etwa 40 Prozent von rund 20 getesteten 0900er-Hotlines waren die Warteschleifen kostenpflichtig. Ein Unding für Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern: "Die Unternehmen sollen allenfalls an Dienstleistungen verdienen und nicht an den Warteschleifen." Sie fordert ein Verbot für kostenpflichtige Warteschleifen, wie es in anderen europäischen Ländern heute schon gilt.

Preis ist vertragsabhängig
Für Kritik sorgt außerdem die Tatsache, dass viele Unternehmen den Minutenpreis ihrer Hotline nicht ansagen. Bei 0900er-Nummern ist das Pflicht. Doch die Realität sieht anders aus - auch das zeigte der stern TV-Test: Danach machten viele, besonders kleinere Anbieter von 0900er-Nummern, keine Preisansage. Da müsse es technische Probleme gegeben haben - so die Begründung der Unternehmen.

Viele Verbraucherschützer dagegen sind sich sicher, dass es bei einigen Anbietern offenbar zum Geschäftsmodell gehört, mit dem telefonischen Kundenservice zusätzlich Gewinn zu machen. "Häufig gibt es verschiedene Hotlines für verschiedene 'Kundenklassen'", sagt Petra von Rhein. "Wenn ich einen teuren Vertrag abgeschlossen habe, dann ist es so, dass der teuere Vertrag eine günstige Telefon-Hotline hat und bei dem billigen Vertrag werde ich auf eine teure Nummer verwiesen."

Was Verbraucher beachten sollten
Für den Verbraucher ist das mehr als ärgerlich. Doch wie kann man sich davor schützen? Woran erkennt man, welche Kosten möglicherweise auf einen zukommen können. Und was ist zu tun, wenn doch eine hohe Rechnung ins Haus flattert?

Kann ich schon an der Nummer erkennen, wie teuer eine Hotline ist?

Ja. Bei Firmen-Hotlines gibt es üblicherweise drei Kategorien von Telefonnummern: 0800er-, 0900er- und 0180er-Telefonnummern. Schon daran erkennt man, mit welchen Kosten pro Minute man rechnen muss.

Was kosten 0800er-Nummern?

Service-Hotlines mit einer 0800er-Vorwahl sind immer kostenlos - und zwar rund um die Uhr und auch vom Handy. Die Kosten für die Gespräche übernehmen die Unternehmen selbst.

Manche Firmen verwenden die 0800er-Nummer allerdings nur als Bestell-Hotline - wer Kunde werden will, braucht daher nicht zu bezahlen. Der spätere Service am Telefon wird dann aber oft teurer: Dafür schalten Unternehmen gerne eine kostenpflichtige 0180er-Kundenhotline.

Wie teuer sind 0180er-Nummern?

Bei 0180er-Nummern teilen sich Unternehmen und Kunden die Kosten - es handelt sich um einen sogenannten "Shared-Cost-Dienst". Die Anrufe kosten - je nachdem, ob es sich um eine 0180-1, -2, -3, -4 oder -5-Nummer handelt - maximal 14 Cent pro Minute aus dem Festnetz. Und maximal 42 Cent pro Minute vom Handy.

Und 0900er-Nummern?

Anrufe bei einer bei Firmenhotlines üblichen 09001er-Nummer dürfen höchstens drei Euro pro Minute kosten, darunter sind die Preise vom Betreiber frei wählbar. Allerdings gibt es eine maximale Gesprächslänge von 60 Minuten. Danach muss das Gespräch automatisch abbrechen.

Weitere Informationen zu 0900er-Nummern und Informationen darüber, wie sie noch verwendet werden und was sie kosten, finden Sie unter: www.vis.bayern.de/recht

Müssen die Hotline-Preise zu Beginn des Gesprächs angesagt werden?

Das ist je nach Hotline-Vorwahl unterschiedlich:
Bei 0900er-Nummern muss zu Beginn des Telefonats eine Preisansage erfolgen, das heißt also: schon vor Beginn der Warteschleife. Technisch sind bei 0900er-Nummern kostenlose und kostenpflichtige Warteschleifen möglich. Die Firma entscheidet bei der Einrichtung der Hotline selbst, ob die Wartezeit kosten soll oder nicht.

Bei 0180er-Nummern ist eine Preisansage zu Beginn des Telefonats nicht vorgeschrieben. Wenn in Anzeigen oder in Kundenbriefen des Unternehmens aber auf die Hotline hingewiesen wird, muss immer auch der Preis abgedruckt werden - und zwar für Festnetz und Handy.

Eine Trennung zwischen kostenloser Wartezeit und kostenpflichtiger Gesprächszeit wird bei 0180er-Nummern bislang nicht praktiziert. Ob sie technisch möglich wäre, ist unklar.

Gibt es Situationen, in denen ich eine kostenlose Beratung am Telefon einfordern kann?

Ja. Gesetzeswidrig würden Unternehmen dann handeln, wenn sie Kunden, die ihre Gewährleistungsansprüche geltend machen wollen, auf Hotlines verweisen. Das sei unzulässig, sagt die Verbraucherschützerin Petra von Rhein. "Im Gesetz steht, dass ich Gewährleistungsansprüche kostenlos abwickeln darf. Und diese Kosten sollte man sich unbedingt zurückholen."

Man müsse sich in diesem Fall die Zeit auf dem Einzelverbindungsnachweis notieren und den Firmen in Rechnung stellen. "Die bezahlen das dann auch. Aber natürlich rechnen sie damit, dass so viele Menschen das nicht in Rechnung stellen - und damit verdienen sie."

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