Bei Anruf: Abo

5. März 2013, 12:15 Uhr

Eine Quiz-Show-Teilnahme, 1000 Euro, eine Reise und mehr wurden Hans-Jürgen Krämer am Telefon versprochen. Doch in Wahrheit handelte es sich um eine neue Abzockmasche. Die stern TV-Storybox klärt auf.

Sie haben gewonnen!" Täglich werden Menschen mit derartigen Glückwünschen am Telefon geködert und abgezockt - so auch Hans-Jürgen Krämer. Er soll die Teilnahme an der Quizshow "5 gegen Jauch" und mindestens 1000 Euro gewonnen haben. Noch dazu bekäme er ein Jahr lang monatlich eine Kiste Bier, eine Reise und ein Zeitungs-Abonnement, versprach man ihm. Er müsse lediglich die Druckkosten in Höhe von 53 Euro bezahlen. Obwohl der 59-Jährige zunächst skeptisch ist, stimmt er dem verlockenden Angebot zu. "In die Show zu kommen, den Herrn Jauch kennenzulernen, das reizte schon", gibt Krämer zu.

RTL hat Anzeige gegen Betrüger erstattet

Doch die Enttäuschung folgt auf dem Fuße: Statt der versprochenen Gewinne bleibt dem Hartz IV-Empfänger nur ein teures Zeitschriften-Abo. Hans-Jürgen Krämer wendet sich an die stern TV-Storybox und erzählt seine Geschichte. Reporter Stefan Uhl begibt sich daraufhin auf Spurensuche. Im Internet finden sich viele Beiträge von Betroffenen, die offenbar genau wie Krämer am Telefon abgezockt wurden. Oft ist dort die Rede von der Rodario Medienservice GmbH, gegen die tatsächlich bei der Staatsanwaltschaft Wiesbaden diverse Strafanzeigen vorliegen. "Wir ermitteln wegen des Verdachts des Betruges", erklärt Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse. "Im Rahmen von Telefonanrufen wurden Menschen dazu gebracht, Dinge zu bestellen, die sie möglicherweise gar nicht haben wollen und dann auf Schäden sitzen bleiben."

Auch bei RTL ist die Masche der Betrüger bekannt: Seit November letzten Jahres hatten sich mehrere Zuschauer gemeldet, denen die Teilnahme bei "5 gegen Jauch" versprochen worden war. Der Sender hat mittlerweile bei der Kriminalpolizei Köln Anzeige erstattet. Doch die Telefonabzocker sind schwer zu fassen. Die Spurensuche von stern TV-Reporter Stefan Uhl und Hans-Jürgen Krämer führen ebenfalls ins Leere: Als sie die Telefonnummer anrufen, von der der Anruf kam, ist die Nummer gar nicht vergeben – nur eine der bekannten Maschen. Als die beiden zum angeblichen Firmensitz der mutmaßlichen Betrügergesellschaft nach Düsseldorf fahren gibt es dort weder Klingel noch Briefkasten der Rodario GmbH. Die Firma ist umgezogen.

Betrüger geben sich als Verbraucherschützer aus

Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen kennt die Abzockmethoden am Telefon. "Die Geschichte von Herrn Krämer ist ein ganz typischer Fall", weiß der Rechtsanwalt. Immer häufiger würden dabei die Nummern von Behörden und seriösen Organisationen missbraucht. Auch die Verbraucherzentrale wurde schon Opfer dieses Tricks. "Im letzten Jahr ist sogar unsere Frankfurter Nummer auf dem Display des Angerufenen erschienen", erklärt Peter Lassek. Vermeintliche Verbraucherschützer boten an, die Angerufenen auf eine Sperrliste für Telefonwerbung zu setzen - und schoben ihnen einen Vertrag unter.

Peter Lassek rät Verbrauchern, sich gar nicht erst in ein Gespräch verwickelt zu lassen und auf keinen Fall persönliche Daten anzugeben. Doch selbst wenn Verbraucher den Betrügern in die Falle gegangen sind, haben sie gute Chancen, sich zu wehren. "Wenn unter einem falschen Vorwand angerufen wurde, kann man den angeblichen Vertrag wegen arglistiger Täuschung anfechten", so der Verbraucherschützer.

Für Hans-Jürgen Krämer soll nach dem ganzen Ärger dennoch ein großer Wunsch in Erfüllung gehen: Er wird zur Aufzeichnung von "5 gegen Jauch" ins Fernsehstudio eingeladen - und trifft Günther Jauch persönlich, um ihm von seinem Erlebnis zu erzählen.

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