Alternative Methoden gegen Brustkrebs:
Wie Blinde Tumore ertasten
Wären sie nicht blind, hätten sie in ihrem Job keine Chance: medizinische Tastuntersucherinnen. Ihre Aufgabe ist die Früherkennung von Brustkrebs. Und tatsächlich: Weil sie einen sensibleren Tastsinn haben, entdecken Blinde kleinste Knoten in der Brust früher als erfahrene Mediziner. Besonders für junge Frauen kann sich diese Form der Vorsorge lohnen.
Suggerieren Vorsorgeuntersuchungen eine falsche Sicherheit? Wie groß ist die Gefahr, trotzdem an Brustkrebs zu erkranken? Der frühe Tod von Schauspielerin Barbara Rudnik hat dem Thema eine traurige Aktualität verliehen. Viele Frauen haben Angst vor der tückischen Krankheit.
Eine Alternative im Kampf gegen den Tumor hat Frauenarzt Frank Hoffmann aus Duisburg ins Leben gerufen: Vor zwei Jahren startete er das Projekt "Discovering Hands". Seine Idee war, blinde Frauen bei der Krebsvorsorge einzusetzen - und sie hatte Erfolg. Inzwischen gibt es nicht nur eine von der Ärztekammer anerkannte Ausbildung für die medizinischen Tastuntersucherinnen, kurz MTUs. Auch in der Praxis zeigt sich, wie wichtig die Arbeit der Tasterinnen für die Krebsfrüherkennung ist.
In einem Test wurden über 450 Patienten sowohl von MTUs als auch von Ärzten untersucht. Ergebnis: Die MTUs ertasteten Veränderungen in der Brust eindeutig öfter und besser als die Mediziner.
Dass Blinde Veränderungen in der Brust frühzeitig erkennen, liegt vor allem an ihrem sensiblen Tastsinn. Dazu kommt, dass sie sich für eine solche Untersuchung Zeit nehmen können. Während ein Arzt dafür durchschnittlich zwei bis drei Minuten Zeit hat, dauert die Untersuchung durch die MTUs je nach Brustgröße 30 bis 60 Minuten.
Für welche Frauen sich die Untersuchungen besonders lohnen, wie das Ertasten abläuft und was es kostet erfahren Sie hier.
Jede zehnte Frau in Deutschland erkrankt in ihrem Leben an Brustkrebs. Am häufigsten betroffen: Frauen ab 50. Erst ab diesem Alter sind daher regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen, die die Krankenkassen auch bezahlen. In Deutschland werden daher Frauen ab 50 im sogenannten Mammographie-Screening regelmäßig auf Brustkrebs untersucht. Hinzu kommen Ultraschall-Untersuchungen.
Doch auch jüngere Frauen erkranken immer häufiger an Brustkrebs, oft sogar an einer besonders aggressiven Form. Doch: Für unter 50-Jährige gibt es derzeit kaum eine Möglichkeit, sich gründlich untersuchen zu lassen. Sie müssen sich selbst abtasten oder ihr Arzt tut es im Rahmen der jährlichen Vorsorge. Im hektischen Praxisalltag bleiben dafür allerdings im Schnitt nur zwei bis drei Minuten Zeit.
Mit der Tastuntersuchung der blinden Tastuntersucherinnen gibt es nun eine Möglichkeit, dass sich auch junge Frauen gründlich untersuchen lassen.
Insgesamt dauert das Abtasten eine halbe Stunde bis Stunde - je nach Brustgröße. In dieser Zeit untersuchen die Blinden beide Brüste nach einem genau festgelegten Schema: Eine Hand ist dabei die Führhand, die sich Zentimeter für Zentimeter vortastet. Und die zweite Hand spürt in die Tiefe. So wird jeder Zentimeter der Brust genau untersucht. MTUs können bereits Veränderungen von einem halben Zentimeter und kleiner ertasten.
Und stellt die Tasterin dann eine Veränderung fest, gibt sie den Befund direkt an den Frauenarzt weiter. Dort wird dann entweder eine Ultraschalluntersuchung oder eine Mammographie durchgeführt, um den Verdacht zu überprüfen - und um festzustellen, ob die Veränderung in der Brust bösartig ist.
Insgesamt gibt es derzeit sechs MTUs in Deutschland, die bei Frauenärzten arbeiten. Das Interesse der Frauen ist groß und viele reisen aus dem gesamten Bundesgebiet zu den entsprechenden Arztpraxen.
Wer als medizinische Tastuntersucherin (MTU) arbeiten möchte, muss blind sein. Außerdem ist ein guter Tastsinn gefragt. Der wird in einem Aufnahmetest vor der Ausbildung überprüft.
Ja. Die Ausbildung erfolgt im Berufsförderungswerk für Sehbehinderte in Düren: Sie dauert neun Monate und endet mit einer Abschlussprüfung vor der Ärztekammer. Die Ausbildung besteht aus Theorie und Praxis - geübt wird an zwei- und drei-dimensionalen Mattenmodellen und an drei-dimensionalen Brustmodellen, in die krankhafte Befunde eingearbeitet sind.
In Deutschland erkranken jährlich über 56.000 Frauen an Brustkrebs - und über 17.000 sterben daran. Bei 27 Prozent aller bekannten Krebserkrankungen handelt es sich um Tumore in der Brust. Zahlen des Robert-Koch-Instituts zufolge ist jede zehnte Frau in Deutschland betroffen. Männer hingegen machen nur einen kleinen Teil der Erkrankungen aus: Etwa 400 Erkrankungen werden pro Jahr registriert.
Zwischen fünf und zehn Prozent aller Brustkrebserkrankungen sind dabei auf erbliche Faktoren zurückzuführen.
An keiner anderen Krebserkrankung sterben so viele Frauen wie an Brustkrebs. In Deutschland werden jedes Jahr knapp 60.000 Neuerkrankungen registriert; die Wahrscheinlichkeit für eine Frau, im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken, liegt bei zehn Prozent. Die Sterblichkeitsrate bei den Erkrankten beträgt 30 Prozent.
Bei der Brachytherapie werden mit Hilfe spezieller Applikatoren radioaktive Strahler in das Tumorgewebe, in das Tumorbett oder in Körperhöhlen eingebracht - eine schonende, aber äußerst wirksame strahlentherapeutische Behandlung.
Dadurch, dass eine radioaktive Substanz direkt in den Tumor oder an den Tumor gebracht wird, erfolgt eine Bestrahlung des Tumors mit einer sehr hohen Dosis. Das gesunde Nachbargewebe wird dabei nur wenig, unter Umständen sogar gar nicht belastet. Voraussetzung ist, dass der bösartige Tumor leicht zugänglich ist, das heißt an der Körperoberfläche oder in einem Hohlorgan liegt, oder durch eine Operation zugänglich gemacht werden kann.
Bei der Bestrahlung eines Hauttumors wird der Strahler entweder direkt auf den Tumor aufgelegt oder in die Haut eingebracht. Die notwendige Strahlendosis wird in mehreren Sitzungen verabreicht, die jeweils nur wenige Minuten dauern und ambulant vorgenommen werden können.
Bei der Brachytherapie gibt es folgenden Methoden:
1. Intrakavitäre Brachytherapie
Der Applikator und damit auch der Strahler wird in Körperhöhlen eingeführt, zum Beispiel in die Scheide, in die Gebärmutter, in die Speiseröhre. Die Behandlung dauert nur wenige Minuten. Sie kann in den meisten Fällen teilstationär durchgeführt werden. Das heißt, kurz nach der Behandlung verläßt der Patient das Krankenhaus wieder.
2. Interstitielle Brachytherapie
Die Applikatoren - Nadeln oder Schläuche - werden direkt in den Tumor gelegt. Die Implantation der Strahler, der Hohlnadeln oder der Kunststoffschläuche erfolgt in Kurznarkose oder in Lokalanästhesie. Der Patient muß während dieser Zeit, im allgemeinen wenige Tage, im Krankenhaus und dort in einem strahlenschützenden Raum bleiben.
Es gibt zwei Formen der interstitiellen Brachytherapie:
Temporäre Implanation:
Die Kunststoffschläuche, die Hohlnadeln bzw. die Strahler werden nach Behandlungsende wieder aus dem Gewebe entfernt.
Permanente Implantation:
Die Strahler verbleiben zeitlebens im Körper. Sie klingen dort ab.
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