Vom Ehrgeiz getrieben

10. Juli 2013, 22:15 Uhr

Die Jagd nach Rekorden trieb Benjamin Franz jahrelang an, beim Apnoetauchen bis an die Grenzen des Möglichen zu gehen. Dann erlitt er in der Tiefe einen Schlaganfall. Das veränderte sein Leben.

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Benjamin Franz war im Apnoetauchen ein Profi, bis er einen folgenschweren Tauchunfall erlitt.©

Viele Jahre lang war Benjamin Franz der Star unter den Apnoetauchern. Sein Leben: eine einzige Jagd nach Rekorden. Ohne Sauerstoffflasche tauchte er ins Meer hinab. Immer länger, immer tiefer, immer fanatischer. "Ich war vom Ehrgeiz getrieben", sagt Benjamin Franz. "Und das werfe ich mir heute vor."

Rechte Körperhälfte gelähmt

Doch ein Tauchunfall kostet ihn 2002 beinahe das Leben. Bei einem Weltrekordversuch im Roten Meer erleidet der Tauchprofi einen Schlaganfall. Bereits beim Auftauchen spürt er, dass seine rechte Körperhälfte gelähmt ist. "Und zu meinem Schreck konnte ich auch nicht mehr sprechen", erinnert sich Benjamin Franz. "Dann ging alles blitzschnell, meine Leute haben mich aufs Boot gezogen, mit Sauerstoff beatmet und mich zur Küste gebracht. Diese Einsicht, dass dieser Tauchgang der letzte war, war sofort da, schon auf dem Boot."

Die Computertomographie zeigt: Ein großes Areal seines Gehirns ist durch den Schlaganfall unwiderruflich zerstört worden - der Bereich, der zuständig ist für die Kontrolle der rechten Körperhälfte und der Sprache. Und auch das Gehen muss Benjamin Franz ganz neu erlernen. Doch der damals 31-Jährige kämpft: in der Reha, im Schwimmbad, auf dem Crosstrainer. Und dabei hat er eine besondere Motivation: "Das war die Zeit, als mein Sohn anfing zu sprechen - und ich konnte nicht antworten."

Halbmarathon zwei Jahre nach dem Schlaganfall

Sein hartes Training zahlt sich aus. Nach vierzehn Tagen kann Benjamin Franz wieder sprechen, nach zwei Jahre läuft er einen Halbmarathon - und beeindruckt damit auch seinen Arzt: "Er hat so gute Fortschritte gemacht in den zwei Jahren", erklärt Dr. Anton Zellner 2004. "Er ist sozusagen der Modell-Reha Patient."

Noch immer ist seine rechte Körperhälfte teilweise gelähmt. Kraft und neuen Lebensmut gibt ihm heute die Fotografie. Der gelernte Holzbildhauer kann seinen ursprünglichen Beruf nicht mehr ausüben und hat nun eine neue Leidenschaft, mit der er heute sein Geld verdient. Der 42-Jährige freut sich über jedes gelungene Foto - so wie früher über seine Rekorde. "Die ersten Fotos haben mich vor Depressionen bewahrt", so Benjamin Franz. "Immer wenn ein Bild entstanden ist, war ich wie im Siebten Himmel."

Der ehemalige Extremsportler ist heute ein Familienmensch. Auf seine Taucherkarriere blickt er inzwischen kritisch zurück: "Sport war Nummer eins und dann kam erst der Rest. Ich glaube, so muss man als Spitzensportler auch denken, ansonsten würde man solche Ziele nicht erreichen."