Viele DSL-Verbindungen sind viel zu langsam: Die Anbieter weisen die Schuld gerne dem Kunden zu. Doch nun hat ein umfangreicher Test nachgewiesen, wie Alice, Telekom und Co. auf die Bremse treten. Statt 16.000 liefern sie mitunter nur knapp 8600 kbps. Von Philipp Petersdorff und Sönke Wiese

Wenn das Netz stockt: Tricksereien der Anbieter entlarvt© Colourbox
Stellen Sie sich einmal vor, Sie bestellen ein großes Bier, bekommen aber nur ein 0,2-Kölsch - und der Kellner besteht trotzdem auf den vollen Preis für den bestellten halben Liter. Da würde Ihnen das Bier aber schal schmecken? Im DSL-Geschäft ist das fast gängige Praxis: Statt der angepriesenen 2000, 6000 oder 16.000 Kilobit pro Sekunde (kbps) erhält der Kunde oft nur die Hälfte.
Dass dieser DSL-Nepp bundesweit und bei allen Anbietern wie Alice, Arcor oder Telekom vorkommt, hatte stern TV bereits Ende 2007 berichtet. Damals hatte die Zeitschrift Computer-Bild Millionen von Messungen über einen Online-Geschwindigkeitscheck ausgewertet - mit ernüchternden Ergebnissen: Als Mogelpackungen entpuppten sich vor allem die vermeintlich schnellen Anschlüsse. Sie erreichten im Schnitt statt 16.000 nur 8600 kbps.
Eine beliebte Ausrede der Anbieter: Wenn das Maximum nicht erreicht werde, sei der Kunde oft selbst schuld, etwa weil sein Computer nicht optimal konfiguriert sei. Diesem Vorwurf ist nun Computer-Bild nachgegangen.
In den vergangenen Wochen überprüfte man mit einem Programm, welches Tempo an dem Router, der dem Computer vorgeschaltet ist, überhaupt ankommt. So konnten die Experten die Geschwindigkeit erfassen, die die DSL-Anbieter tatsächlich ihren Kunden zuweisen - unabhängig von der individuellen Konfiguration. Das Fazit nach 310.000 ausgewerteten Messungen: "Der neue DSL-Test zeigt, wie leichtfertig die Anbieter mit hohen Tempo-Versprechungen auf Kundenfang gehen", schreibt Computer-Bild in der aktuellen Ausgabe.
Wieder sind es vor allem die DSL 16.000-Anschlüsse, bei denen es die stärkste Bremse gibt: Sie bringen im Schnitt nur zwischen 53 und 80 Prozent der technisch möglichen Geschwindigkeit.
Am besten bei DSL 16.000 schneidet im neuen Test der Computer-Bild Arcor ab: Hier betrug die zugewiesene Geschwindigkeit im Schnitt 12.920 kbps (80 Prozent). Auf dem letzten Platz landete Alice: Gerade mal 53 Prozent der versprochenen 16.000 kbps erreichten die Anschlüsse (im Überlick: alle Anbieter, alle Ergebnisse ...).
Kunden, die den Schmu bei ihren Anschlüssen bemerken und sich beschweren, erleben die nächste unangenehme Überraschung: Die meisten DSL-Anbieter verweigern den Wechsel in einen günstigeren Tarif. Sie verweisen auf das Kleingedruckte in den Verträgen: Dort ist von "Maximalgeschwindigkeit" oder "bis zu" die Rede. Für André Malitzki, Anwalt bei der Verbraucherzentrale Hamburg, sind das Tricksereien: "Niemand kann im Ernst glauben, dass es lauter wäre, zum Beispiel eine Wohnung mit 'bis zu 90 Quadratmeter' zu vermieten, die in Wahrheit nur 40 Quadratmeter hat."
So hat stern TV Alice, Telekom und Co. eine Änderung der Vertragsbedingungen vorgeschlagen mit Klauseln wie etwa: "Der Kunde zahlt 'bis zu 50 Euro'" - je nach gelieferter Leistung. Das wiederum haben die DSL-Anbieter offenbar als schlechten Witz empfunden - keiner reagierte darauf in ernsthafter Weise.
Alle Ergebnisse ... ... des Tests finden Sie in der aktuellen Ausgabe der Computer-Bild. Außerdem auf der Heft-CD: Programme für den ausführlichen DSL-Speedcheck und zum Verbessern der PC-Konfiguration.
Weitere Infos und der Online-DSL-Test auch im Internet: www.computerbild.de