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25. Januar 2012, 23:15 Uhr

Frauen in der Nazi-Szene

Frauen spielen in der rechten Szene eine immer größere Rolle, doch ihre politische Motivation wird oft unterschätzt. Sie sind nicht nur Mitläufer, wie stern TV zeigt.

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Nur Mitläuferinnen? Welche Rolle spielen Frauen in der Nazi-Szene?© Sebastian Lasse/Getty

Bei Neonazis denkt man ausschließlich an junge gewalttätige Männer - zu Unrecht, wie die Geschichte von Beate Zschäpe zeigt. Sie gehörte zur so genannten Zwickauer Zelle. Sie und ihre zwei Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt lebten jahrelang unter falschen Namen, nannten sich NSU - Nationalsozialistischer Untergrund. Sie haben zehn Menschen brutal erschossen. Doch Beate Zschäpe bestreitet bis heute, an den Morden beteiligt zu sein.

Jeder fünfte Nazi weiblich

"Beate Zschäpe hat die Ideologie nicht nur mitgetragen, sie hat diese rechtsextreme, menschenverachtende, gewalttätige Ideologie gelebt", sagt die Rechtsextremismus-Expertin, die ihre Doktorarbeit über Frauen in der Nazi-Szene geschrieben hat. "Alleine die Vorstellung dass diese Frau jahrelang mit den beiden Männern im Untergrund gelebt hat und sich nicht für deren Ideologie interessiert haben soll, finde ich total absurd."

Ein Einzelfall ist Beate Zschäpe nicht, so wie sie spielen Frauen generell in der rechtsextremen Szene eine immer stärkere Rolle. Experten gehen davon aus, dass jeder fünfte Nazi weiblich ist, jede Zehnte von ihnen ist nach Angaben des Forschungsnetzwerkes "Frauen und Rechtsextremismus" gewalttätig oder gewaltbereit.

"Deutschland den Deutschen"

Was sind das für Frauen, die der rechtsradikalen Szene eine neue Dimension geben? Frauen in der rechten Szene sind nicht nur Mitläuferinnen, sondern treten auch als Wortführerinnen und Funktionärinnen auf. "Im Rechtsextremismus gilt: Wenn sie ernst genommen werden wollen, müssen Frauen besser sein als die Jungs", erklärt Expertin Esther Lehnert diese Entwicklung. Und: "Was die ideologische Auseinandersetzung angeht, gibt es eine Reihe von Frauen, von denen sich die Kameraden eine ganze Scheibe abschneiden können."

Edda Schmidt ist so ein Beispiel dafür, dass rechte Frauen längst nicht mehr nur Anhängsel ihrer Männer sind, sondern sogar ihre eigenen rechtsextremen Organisationen haben. Die Bundesvorsitzende vom Ring nationaler Frauen sagt im Gespräch mit stern TV offen, worum es ihr geht: "Deutschland den Deutschen, auf jeden Fall. Wir sind nun mal in Deutschland und wir wollen in unserem deutschen Land auch die Mehrheit stellen", sagt sie.

"Wir wollen unsere Kinder dazu erziehen, dass sie von allein den passenden Partner finden", erklärt die 63-Jährige. "Es muss nicht unbedingt ein Deutscher sein, es kann auch ein Flame sein, oder ein Däne, aber möglichst kein Türke, Neger, Chinese oder irgendwas in der Richtung."

Frauen als Köder

Oft gelangen Frauen schon als Teenager in die rechte Szene - so wie Beate Zschäpe oder auch Claudia*. Sie war gerade 14 Jahre alt, als sie Neonazis kennen lernte. "Sie waren halt sehr freundschaftlich, sehr kameradschaftlich, man hat sich geholfen, wenn man ein Problem hatte", erinnert sich die 26-Jährige, die mittlerweile aus der Szene ausgestiegen ist.

Frauen sind in der Szene auch Köder. "Dadurch, dass wir eben Frauen waren, die allesamt ganz hübsch und intelligent waren, haben wir unheimlich viele junge Leute fasziniert, interessiert", sagt Claudia im Gespräch mit stern TV. "Es war schon so, dass viele junge Männer auf uns zugegangen sind und das total toll fanden, was wir gemacht haben."

Vier Jahre lang ist Claudia auf allen Demonstrationen mit dabei, dann wird ihr das Ganze zu gewalttätig. "Bei einer großen Demonstration sind die Männer wirklich ziellos auf Passanten losgegangen. Das war so ein Punkt, wo ich fassungslos war", sagt sie rückblickend. Sie konnte nicht verstehen, "dass einfach wild durch die Gegend gerannt wird und wahllos Leute angegriffen werden."

Zeltlager und kämpferische Lieder

Auch Tanja P. ist ausgestiegen - nach 20 Jahren in der Szene. Schon den Jüngsten werde bei Freizeitaktivitäten das braune Gedankengut vermittelt, weiß die 40-Jährige. "Für die schulpflichtigen Kindern veranstaltet man dann Zeltlager, damit bei den Kindern schon das Gemeinschaftsdenken und eine Gemeinschaft entsteht, die in einer kämpferischen Gemeinschaft endet", erklärt die Aussteigerin, die mit ihren eigenen Kindern bei solchen Veranstaltungen war.

Bei den kleineren Kindern erfolgt die Indoktrinierung spielerisch. "Sie singen Lieder: Volkslieder, kämpferische Lieder. Dann wurden die Kinder auch abgefragt, nach dem Dritten Reich, nach Rudolf Hess und den Grenzen von 1933. Da werden dann auch richtige Tests geschrieben."

* Name von der Redaktion geändert

Razzien bei mutmaßlichen Terror-Helfern Die Bundesanwaltschaft hat am Mittwoch bundesweit Wohnungen und Geschäftslokale von mutmaßlichen Unterstützern der Zwickauer Terrorzelle durchsucht. Wie die Behörde am Mittwoch mitteilte, sollen die Beschuldigten den mutmaßlichen Terroristen der Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) Schusswaffen und Sprengstoff verschafft haben.

Zwei der Beschuldigten sollen den mutmaßlichen Rechtsterroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bereits 1998 Sprengstoff und eine Schusswaffe zur Verfügung gestellt haben. Es bestehe der Verdacht, dass sie die Zwickauer Terrorzelle auch später unterstützt hätten, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Zwei weitere Beschuldigte sollen den Mitgliedern des NSU 2002 und 2003 mehrere Schusswaffenverschafft haben.

 
 
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