Wer schön sein will, muss leiden

30. Juli 2013, 10:15 Uhr

Wie gut und seriös wird in Deutschlands Beauty-Branche gearbeitet? Stimmen Optik, Hygiene und medizinisches Fachwissen? stern TV hat mobile Dienstleister getestet - mit erschreckenden Ergebnissen.

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Sich vertrauensvoll in die Hände einer mobilen Kosmetikerin zu begeben kann ins Auge gehen.©

Ob Fußpflege, Hochzeitsfrisur, Nageldesign oder Gesichtsbehandlung - für fast alles gibt es heutzutage Dienstleister, die man sich ins Haus bestellen kann. Das Geschäft mit der Schönheit boomt. Tausende Frauen und Männer lassen sich regelmäßig in den eigenen vier Wänden verwöhnen und verschönern. Doch wie gut und seriös wird in Deutschlands Beauty-Branche gearbeitet? Hat jeder, der eine solche Dienstleistung anbietet, auch eine solide Ausbildung und ist sein Geld wert?

Schlechte Hygiene und enttäuschende Ergebnisse

In der stern TV-Testwohnung schauen Experten den Dienstleistern auf die Finger. Lockvogel Susanne möchte sich ihre Nägel machen lassen. Im Nebenzimmer beurteilt Frank Schäberle die Arbeit der mobilen Nageldesignerinnen. Schäberle ist zweifacher deutscher Meister im Nageldesign und weiß, worauf es ankommt. "Das Wichtigste ist Grundsätzlich einmal die Hygiene auf jeden Fall, dass nur sauberes hygienisches Werkzeug benutzt wird", so der Experte. Von den insgesamt sechs mobilen Nageldesignerinnen im stern TV-Test hat die Hälfte jedoch unhygienisch und schlecht gearbeitet. Eine Modellage grenzte sogar an Körperverletzung. Nur eine einzige war sehr gut.

Bei den Kosmetikerinnen zeigt sich kaum ein anderes Bild: Hygienisch einwandfrei arbeitete keine einzige der fünf erschienenen Damen. Zwei verursachten bei unseren Lockvögeln allergische Reaktionen. Und bei Lockvogel Corinna, die an Couperose leidet, will die Kosmetikerin sogar eine Thermomodellage machen. Expertin Astrid Rudolph hinter den Kulissen ist schockiert. Die Stylistin und Imageberaterin weiß: Hitze und Kälte sind bei dieser Hauterkrankung verheerend. Sie will Schlimmeres verhindern und bricht die Behandlung ab. Und die Make-ups? Durch die Bank optische Flops!

Schlecht frisiert für über Hundert Euro

Die mobilen Friseure erwartete eine besondere Herausforderung: Lockvogel Tatjana möchte sich eine Hochzeitsfrisur zaubern lassen. Die Vorlage dazu hat sie im Internet gefunden und schickt sie den Fachkräften vorab zu. Für keinen der eingeladenen Figaros scheinen die kunstvollen Haarschnecken ein Problem. Es wird gebürstet und geföhnt, gesprüht und gekräuselt, bis der Lockenstab glüht. Doch das Ergebnis ist niederschmetternd. Bei so manchem Figaro halten Haarteil und -klammern nicht einmal dem Hochzeitswalzer stand. Die Frisur soll trotzdem 115 Euro kosten. Starfriseur Bela Fahrenwald ist entsetzt über die dilettantische Arbeit: "Das hab ich ja noch nie gesehen. Sie hat das Haarteil falsch rum aufgesetzt. Jetzt sieht das aus als hätte Tatjana einen Hut auf", wundert er sich hinter den Kulissen. Das Urteil des Experten: Von den acht getesteten Haarkünstlern war nur eine einzige Friseurin gut und hat einen angemessenen Preis berechnet. Zwei mobile Friseure lieferten durchschnittliche Arbeit ab. Alle anderen haben total versagt. Und zwei Friseure sind erst gar nicht erschienen – schlecht, wenn sich Tatjana darauf verlassen hätte, ihre echte Hochzeitsfrisur zu bekommen.

Gute Beauty-Dienstleister sind rar

Woran liegt es aber, dass mobile Beauty-Dienstleister oftmals so unqualifiziert sind? Das Problem sein, so Expertin Astrid Rudolph, dass es im Bereich Kosmetik und Nageldesign keine Vorschrift für eine entsprechende Ausbildung gäbe. Das habe der Gesetzgeber bislang versäumt. So bekomme jemand bereits nach einem Wochenendkurs oder einem Ein-Tages-Kurs ein Zertifikat und könne die Tätigkeit offiziell ausüben. "Im Bereich Mode ist das nicht weiter tragisch", so Rudolph. "Wenn einem die Kleidung eines Modedesigners nicht gefällt, kauft man sie einfach nicht. Aber im Bereich Kosmetik und Nageldesign geht es um Gesundheit, da darf so etwas nicht sein." Wer eine gute Kosmetikbehandlung wünscht, solle jedoch nicht auf mobile Kräfte setzen: "Eine Kosmetikerin kann nicht alle Geräte mitnehmen, die sie benötigt." Zudem sei es ratsam, die jeweilige Qualifikation vorab zu erfragen. "Aber selbst wenn jemand einen staatlichen Abschluss hat, ist das leider keine 100-prozentige Garantie, dass jemand seinen Job gut macht", sagt Astrid Rudolph.

Wichtigstes Merkmal einer guten Kosmetikerin, Fußpflege oder Nageldesignerin: Wenn sich ein Dienstleister vor der Behandlung die Hände nicht desinfiziert hat oder schon mit unsauberem Gerät zu Werke geht, sollte man den Mut haben die Behandlung abzubrechen.

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