3. April 2013, 13:26 Uhr

So chattet Ihr Kind sicherer

Tipps und Hinweise

Tests belegen: In keinem Kinderchat sind junge Nutzer vor sexuellen Belästigungen gefeit. Ein pauschales Chatverbot macht aber wenig Sinn. Diese Dinge sollten Sie und Ihr Kind darum beachten.

Sich interessieren

Interessieren Sie sich für das, was die Kids täglich im Internet machen. Machen Sie sich fit in Sachen Chatwelt, damit Ihr Kind Sie als vollwertigen Ansprechpartner schätzt und Sie verstehen, wovon es spricht.

Gemeinsam chatten

Besuchen Sie die Lieblingsseiten Ihres Kindes. Legen Sie sich ein eigenes Profil an und schauen Sie sich den Chatraum genau an. Im echten Leben möchten Sie ja auch wissen, wo und mit wem sich ihr Kind austauscht. Vielleicht hat Ihr Kind auch Lust, ein Spiel daraus zu machen, wenn Sie zu zweit den Chat besuchen.

Kenntnisstand prüfen

Wie gut kennt sich Ihr Kind in der Chatwelt aus? Welche Erfahrungen hat es mit Chats? Welche Art Freundschaften hat es? Hat es feste Chatpartner, echte Freunde aus der Schule, mit denen es chattet, oder lernt es täglich neue Freunde kennen? Wie gewappnet, selbstbewusst oder auch naiv ist es im Umgang mit Chatpartnern?

Chaträume aussuchen

Vereinbaren Sie, wo gechattet wird: Welche Sicherheitsmaßnahmen gelten hier? Wie kann ein Kind einen Chat beenden, wie einen Nutzer sperren lassen, wie präsent und engagiert sind die Moderatoren, was passiert beim Notfall- oder Alarm-Button, wie kann ihr Kind unliebsame Chatter ausschalten, welche persönlichen Schutzeinstellungen kann man im Profil vornehmen? Die Internetadressen der erlaubten Seiten können Sie als Favoriten abspeichern. Alle anderen sollten tabu sein.

Regeln vereinbaren

Generelles Chatverbot zu erteilen macht wenig Sinn. Treffen Sie deshalb genaue Vereinbarungen, wo und wie lange Ihr Kind chatten darf und welche Regeln dabei gelten. Die wichtigsten Infos für Kinder und Jugendliche hat jugendschutz.net auf einem Poster "Sicher chatten!" zusammengefasst, das Sie hier herunterladen und ausdrucken können.

Der Schein trügt

Machen Sie Ihrem Kind klar, dass das Internet, insbesondere Chats, eine Welt sind, in der jeder alles von sich behaupten und jede Persönlichkeit annehmen kann. keine Angabe kann überprüft werden und viele schreiben einfach nicht die Wahrheit. Vergleich Sie es für Ihr Kind mit einem unbekannten Anrufer oder einem Fremden an der Haustür. Ihm würde es doch auch nichts von sich verraten, das ihn nichts angeht.

Bild aussuchen

In vielen Chats ist es üblich, Bilder auszutauschen oder Profilbilder anzuzeigen. Einmal hochgeladen, können alle Bilder und Informationen gespeichert, verändert und an anderer Stelle weiterbenutzt werden. Machen Sie das Ihrem Kind klar. Besteht es trotzdem auf ein Profilbild, suchen Sie dafür gemeinsam ein erlaubtes Foto aus, das so wenig wie möglich zeigt. Am besten ein Passfoto, das Ihr Kind dann bei verschiedenen Profilen benutzen kann. So kursiert maximal ein einziges, neutrales Bild im Netz.

Reden macht frei

Schaffen Sie eine Vertrauensbasis zwischen sich und Ihrem Kind: Es sollte keine Scham haben, Ihnen sofort Bescheid zu geben, wenn ihm etwas komisch vorkommt. Auch Computerverbot darf dann nicht drohen, denn das will kein Kind riskieren. Stärken Sie es darin, Belästiger und seltsame Chatter zu sperren oder zu verbannen und sich selbstbewusst zu sagen "Nicht mit mir!"

Beweise sichern

Leider gibt es oft zu wenig Beweise, um die Kriminellen zu überführen. Bei Verdacht notieren Sie die Chatnamen, den Anbieter, Datum und Uhrzeit des Chats. Versuchen Sie unbedingt einen Screenshot oder eine Kopie des Chats abzuspeichern. Zeigen Sie auch Ihrem Kind, wie das geht. Gesicherte Protokolle können Sie der Polizei übergeben.

Verstöße und Täter anzeigen

Jedes Einwirken auf Kinder mit der Absicht einer sexuellen Handlung ist laut Paragraph § 176 StGb in Deutschland strafbar. Zeigen Sie einen Täter an, wenn Sie bemerken, dass: sexualisierte Gespräche geführt werden, pornografisches Material gezeigt oder zugeschickt wird, zu sexuellen Handlungen aufgefordert oder Geld dafür geboten wird. Machen Sie auch dem Kind klar, dass jeder eine Straftat begeht, der so etwas schreibt oder verlangt. Sammeln Sie Beweise und bringen Sie sie umgehend zur Anzeige. Warten Sie keinen Tag, denn die Taten im Internet sind wenn überhaupt nur kurze Zeit nachweisbar. Jede Polizeidienststelle nimmt Anzeigen dieser Art entgegen.

Weitere Informationen und Tipps

Auf der Internetseite NetkKids hat die Journalistin und Gründerin des Vereins NetKids e.V. Beate Krafft-Schöning viele Informationen zur Prävention zusammengestellt. Unter anderem Chattipps für Kinder, Jugendliche, Eltern und Pädagogen.

Weitere nützliche Informationen finden Eltern außerdem auf der Seite www.chatten-ohne-risiko.net.

Die wichtigsten Chatregeln und Infos für Kinder und Jugendliche hat jugendschutz.net auf einem Poster "Sicher chatten!" zusammengefasst, das Sie hier herunterladen und ausdrucken können.

Die Internauten erklären Kindern an einem Beispiel die möglichen Gefahren.

Wenn Sie problematische Inhalte melden wollen, die Ihnen in Chats oder Foren auffallen oder Sie E-Mail-Spam bekommen, können Sie dies bei der Internet Beschwerdestelle melden.

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