Das Geschäft mit dem Tod

24. Juli 2013, 22:15 Uhr

Wenn ein Angehöriger stirbt, müssen die Hinterbliebenen etliche traurige Dinge organisieren. Möglichst schnell und unkompliziert. Nutzen Bestatter die Trauernden aus? stern TV hat es getestet.

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Die Trauer der Hinterbliebenen wird von Bestattern in vielen Fällen ausgenutzt.©

Violettas Großtante liegt im Sterben. Der betrübten Nichte kommt die Aufgabe zu, die bald anstehende Beerdigung zu organisieren - nach den Vorstellungen der Tante. Sie wünscht sich eine schlichte Urnenbestattung. Pietätvoll, aber nicht zu teuer. Soweit die Legende dieses Tests mit versteckter Kamera.

Im Internet und in Zeitungsanzeigen bieten unzählige Bestatter an, nach Hause zu kommen und umfassend zu beraten. Für alles rund um eine Beisetzung stehen in Deutschland etwa 4000 Bestattungsunternehmen bereit, meist sind es Familien- und Kleinbetriebe. Immer häufiger bieten inzwischen auch Bestattungs-Discounter ihre Dienste an, die vor allem in größeren Städten zu finden sind.

In der stern TV-Testwohnung fühlt Violetta Bestattungsunternehmern auf den Zahn: Wie seriös arbeiten Beerdigungsinstitute in Deutschland? Mit welchen Tricks werden trauernde Angehörige womöglich in die Kostenfalle gelockt? Hinter den Kulissen beurteilt Experte Michael Schomers das Vorgehen der Bestatter. Der Journalist recherchierte monatelang undercover in der Bestatter-Branche und hat ein Buch darüber geschrieben. Er kennt die üblichen Preise: Die von Violetta gewünschte einfache Feuerbestattung mit Sarg, schlichter Schmuckurne, Krematorium, Blumen, Trauerfeier und Bestatterdienstleistungen sollte insgesamt nicht viel mehr als 2.000 Euro kosten.

Viele zu hohe Angebote

Schon beim ersten Bestattungsunternehmen fällt auf: Der günstige Basispreis von weniger als 1.000 Euro steigt durch teure, "unerlässliche" Extras wie beispielsweise ein Kondolenzbuch oder Musik auf letztlich 3.200 Euro. Noch dazu ist der Versuch der Bestatterin, Violetta zu einer Unterschrift zu nötigen, absolut unseriös. Auch die übrigen Bestatter arbeiten Punkt für Punkt ihre Angebotslisten ab. Auf Violettas Frage, ob sie nicht auch in Eigenleistung etwas ergänzen kann, meint eine Unternehmerin: "Sie machen ja jetzt schon viel: Sie suchen alles aus. Sie machen im Grunde schon alles, was man machen kann." Diese Sie-brauchen-sich-um-nichts-zu-kümmern-Haltung der Bestatter käme häufig vor, meint Experte Schomers. Die Situation der trauernden Angehörigen verführe dazu, den eigentlichen Bestattungspreis überschaubar zu halten und dafür mehr zusätzliche, teure Produkte zu verkaufen. Dabei können die Verwandten durchaus selbst etwas übernehmen und dadurch die Kosten kontrollieren: "Man kann die Blumen besorgen, man kann sich um die Trauerdrucke kümmern. Man kann den Verstorbenen sogar selbst waschen und anziehen, falls das gewünscht ist. Auch die Dekoration der Abschiedsfeier kann selbst gestaltet werden. Man muss sich einfach trauen und sich informieren", so Michael Schomers. "Aber da verdient der Bestatter nicht dran und deswegen versucht die Frau das in dem Test abzuwenden." Ihr Angebot liegt schlussendlich bei über 4.500 Euro – mehr als das Doppelte, das eine einfache Urnenbestattung kosten sollte.

Und so waren viele Angebote eindeutig zu hoch. Die preiswerten Särge und Urnen wurden nicht einmal erwähnt. Von den sechs getesteten Bestattern haben nur zwei fachlich und preislich überzeugt. Noch dazu zeichneten sich einige der vermeintlichen Bestattungsunternehmer als pietätlos, unwissend und unprofessionell aus. Letztere Mängel haben oft den Grund, dass die Tätigen über andere Wege als eine entsprechende Ausbildung zum Beruf des Bestatters gekommen seien und es gar im Nebengeschäft betrieben, weiß Michael Schomers.

Deshalb sollten sich die Hinterbliebenen bei einer Beratung stets fragen: Habe ich das Gefühl, dass mir der Bestatter hilft, meine persönliche Vorstellungen umzusetzen oder die passende Form zu finden? Auch rät der Experte, eventuell einen zweiten oder dritten Bestatter aufzusuchen, bis man sich wirklich gut aufgehoben fühlt. Das gelte insbesondere, wenn Menschen sich aus Vorsorgegründen noch zu Lebzeiten um ihre eigene Bestattung kümmern.

Informationen und Hilfestellung Aeternitas e. V.
Verbraucherinitiative für Bestattungskultur

Dollendorfer Straße 72
53639 Königswinter

Postfach 31 80
53626 Königswinter

Telefon: 02244 - 92537
Fax: 02244 - 925388
E-Mail: info@aeternitas.de
Internet: www.aeternitas.de

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