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26. November 2008, 22:15 Uhr

"Bis nur noch Erschießen übrig blieb"

Borderline-Syndrom

Zuerst entdeckte er das Schneiden für sich: Wenn sich Peter Detert mit der Rasierklinge verletzte, entwich der Druck, den er empfand. Später warf er sich vor einen LKW, nahm eine Überdosis Tabletten und schluckte Rattengift. Peter Detert leidet am Borderline-Syndrom.

Borderline, Depression, Selbstmordversuch

Leidet unter der Borderline-Krankheit: Darüber hat Peter Detert ein Buch geschrieben© stern TV

Wie bei den meisten Borderline-Patienten ist Deterts Krankheit das Resultat von traumatischen Kindheitserlebnissen. Als Kind fühlt er sich vernachlässigt und unverstanden: Seine Mutter verlässt die Familie von heute auf morgen, der Vater ist mit seinen Kindern überfordert und lässt sie verwahrlosen. Heimaufenthalte, Pflegefamilien und Stiefmütter wechseln sich fortan ab.

Als ihm der seelische Ballast zu groß wird, beginnt Detert, sich selbst zu verletzten, ritzt sich mit dem Taschenmesser tiefe Wunden in die Haut. Für einen Moment lang kann er dann alles vergessen: "Ich fühlte mich dann erleichtert", sagt er heute. "Ein wunderbares Gefühl, wenn das warme Rinnsal floss." Solche Selbstverletzungen sind oft ein erstes Anzeichen für die Borderline-Störung.

1984, mit 18 Jahren, unternimmt er einen ersten Selbstmordversuch. Er kommt daraufhin in psychiatrische Behandlung. Die hilft ihm aber nicht. Vier Jahre lang geht das so weiter: Er sägt Gasleitungen an, schluckt Rattengift oder Bremsflüssigkeit. Auf jeden Suizidversuch folgt eine Therapie, vor der er flieht.

Bis nur noch Erschießen übrig blieb
Wegen seines Drangs zu sterben rutscht Peter Detert in die Kriminalität: Er bricht in eine Arztpraxis ein, um sich Tabletten zu besorgen. Aus den Psychiatrien, in die er eingewiesen wird, gelingt ihm stets die Flucht. Dort finanziert er sich sein Leben durch Diebstähle und Einbrüche. Schließlich plant er, sich zu erschießen: Dafür bricht er in eine Polizeistation ein, lässt eine Maschinenpistole und eine Neun-Millimeter-Pistole mitgehen. Jetzt wird mit einem internationalen Haftbefehl nach ihm gefahndet.

Über ein halbes Jahr lang befindet sich Peter Detert auf der Flucht - und genau in dieser Krise entscheidet er sich plötzlich für das Leben. Ihm wird der Prozess gemacht. Drei Jahre lang sitzt er seine Strafe ab und beginnt 2001 eine Therapie, die ihm endlich zurück ins Leben hilft.

Buch über Borderline
Die Therapie an der Westfälischen Klinik Warstein war seine Rettung: Peter Detert hat seinen Lebenswillen wiedergefunden. Seinen Alltag mit Borderline hat der mittlerweile 42-Jährige in einem Buch beschrieben: Er schildert seine Krankheit, seinen Weg in die Kriminalität und seine zahlreichen Versuche, sich das Leben zu nehmen. Peter Detert will über die Gesellschaft über seine Krankheit aufklären. Denn wäre das Syndrom bei ihm früher erkannt worden, wäre er vielleicht nie so tief gefallen.

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