Allein im Berliner Bezirk Neukölln gibt es 190 jugendliche Intensivstraftäter, Dreiviertel von ihnen stammen aus ausländischen Familien. Sie gehören zur Stammkundschaft der Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig, die mit eigenen Mitteln gegen die Jugendkriminalität kämpft.

Straffällige Jugendliche als "Stammkundschaft": Jugendrichterin Kirsten Heisig© stern TV
Die Kriminalstatistik 2008 müsste die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig eigentlich zufrieden stellen. Denn: Danach sind die Straftaten bei Jugendlichen zurückgegangen. In Berlin soll die Quote sogar ein Rekordtief erreicht haben. Doch Kirsten Heisig erlebt täglich etwas anderes - in dem so genannten "Problemkiez" Berlin-Neukölln. Im vergangenen Jahr gab es dort 3500 Strafverfahren - so viele wie 2007.
Unter den 300.000 Einwohnern in Neukölln sind 75.000 Jugendliche. Jeder sechste von ihnen wird straffällig. Und: Von den insgesamt 520 Intensivstraftätern aus ganz Berlin kommen 190 aus dem Bezirk Neukölln.
In ihrem Gerichtssaal erlebt Kirsten Heisig nicht nur jeden Tag, wie sich Jugendliche mit Migrationshintergrund wegen zum Teil schwerer Straftaten verantworten müssen. Es stehen auch immer wieder Jugendliche im Gerichtssaal, die nicht wissen warum. Der Grund: Die Straftaten liegen teilweise ein halbes Jahr zurück. Kirsten Heisigs Lösung: das sogenannte "Neuköllner Modell". Es beschleunigt die Verfahren und fördert den Austausch zwischen Polizei, Gericht, Jugendamt und Schule.
Doch damit nicht genug: Kirsten Heisig sucht auch regelmäßig den Kontakt zu den Eltern der meist türkisch- und arabischstämmigen Straffälligen. Denn die Eltern lassen ihre Kinder oft mit ihren Problemen allein. Mit Günther Jauch spricht sie live über ihren Kampf gegen Jugendkriminalität.