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7. Oktober 2009, 22:15 Uhr

Warum in Japan so viele Delfine sterben müssen

Mit Treibjagden werden in Japan jährlich tausende Delfine in Buchten eingekesselt und dann mit Speeren und Messern abgeschlachtet. Nur die schönsten und kräftigsten bleiben am Leben: Sie kommen in Delfinarien weltweit. stern TV zeigt, was hinter den Jagden steckt - und was Sie dagegen tun können.

Warum finden die Delfinjagden überhaupt statt?

Delfinjagden finden statt, um lebende Tiere für Delfinarien und Vergnügungsparks einzufangen, aber auch, um sie zu töten und ihr Fleisch zu verkaufen. Und das obwohl es nur niedrige Preise erzielt und Gifte wie Quecksilber enthält .

Die japanische Regierung begründet die Jagden auch gerne damit, dass Delfine angeblich das Meer leer fressen würden. Die Tierschutzorganisation "Pro Wildlife" sagt, dass Studien diese Propaganda widerlegen: "Erst die modernen Hightech-Fischfangflotten mit immer engmaschigeren und größeren Netzen haben die Meere nahezu leer geräumt."

Wie werden die Delfine getötet?

Die Tiere werden in Treibjagden von mehreren Fischerbooten in die Enge getrieben. Dabei schlagen die Fischer gegen Metallrohre, die ins Wasser ragen, um die Delfine zu verängstigen. Die Delfine versuchen diesem Lärm zu entkommen und fiehen in nahegelegene Buchten. Dort werden sie eingekesselt - und dort können sich Händler die schönsten und kräftigsten Tiere für Delfinshows aussuchen.

Delfine, die nicht für die Delfinarien ausgewählt werden, sind für die Fischer leichte Beute. Sie werden mit Harpunen, Speeren oder Messern brutal abgeschlachtet. Ein lebender Delfin ist bis zu 150.000 Dollar wert, ein toter rund 600.

Was passiert mit den gefangenen Delfinen?

Wenn Händler die Delfine für Vergnügungsparks oder Delfinarien auswählen, werden die Tiere von ihrer sozialen Einheit getrennt und mit Lastwagen oder Flugzeugen in Beckenanlagen transportiert, die weit vom Ozean entfernt sind. Die Sterblichkeitsrate bei gefangenen Delfinen ist sehr hoch, weil sie mit den Veränderungen ihrer Lebensbedingungen nicht klar kommen.

Wieviele Tiere werden in Japan getötet?

Momentan liegt die jährliche Fangquote in Japan bei 10.000 bis 20.000 Delfinen, viele Arten gelten als regional stark gefährdet. In den 1980er Jahren waren es noch weniger Tiere, doch als Reaktion auf das kommerzielle Walfangverbot, das die "Internationale Walfangkommission" (IWC) 1986 ausssprach, hat Japan seine Delfinjagd ausgebaut - wahrscheinlich, um das Delfinfleisch als angebliches Walfleisch zu verkaufen. Obwohl Delfine Zahnwale sind, hat das Verbot der IWC für sie keine Gültigkeit.

In den letzten Jahren ist der Delfinfang zwar ein wenig zurückgegangen - allerdings nur, weil Japan seit dem Jahr 2000 wieder Großwale jagt, und die Nachfrage nach Delfinfleisch gesunken ist. Gejagt werden die Tümmler aber trotzdem noch: für Delfinarien in aller Welt.

Warum wehrt sich die japanische Bevölkerung nicht?

Da die Delfinmassaker in den Regionen streng geheim gehalten werden, sind sie den meisten Bürgern in Japan kaum bekannt. Auch dass das Delfinfleisch vergiftet ist, wissen viele nicht. Die Regierung in Tokio untersützt die Delfinjagd sogar und hat bislang erfolgreich verhindern können, dass die Internationale Wahlkommission auch die Jagd auf Kleinwahle reguliert oder verbietet.

Worum geht es in Rick O'Barrys Film "Die Bucht"?

Gemeinsam mit dem Regisseur Louie Psihoyos und einem Team aus Tauchern, Surfern und Unterwasserfilmern begab sich Rick O'Barry an die japanische Ostküste, um in einer Undercover-Aktion das grausame Delfinmassaker vor Ort an die Öffentlichkeit zu bringen. Der Film zeigt, wie es den Tierschutzaktivisten gelingt, das brutale Treiben der Fischer und den Tod zahlreicher Delfine zu filmen. Das Abschlachten der Tiere ist eigentlich geheim, die Bucht, in der es stattfindet, wird hermetisch abgeriegelt.

Weitere Infos zum Film gibt es unter: www.diebucht-derfilm.de. Filmstart in Deutschland ist am 22. Oktober 2009.

Wie wurde Rick O'Barry zum Delfinschützer?

In den 1960er Jahren war Rick O'Barry Delfintrainer für die erfolgreiche Fernsehserie "Flipper". Fünf Tiere hat er dafür eigenhändig eingefangen und trainiert. Doch vor allem wegen des Erfolgs der Serie ist das Geschäft mit Delfinarien und Delfin-Shows heute eine Milliardenindustrie. Obwohl diese Entwicklung in den 1960ern noch nicht absehbar war, fühlt sich O'Barry dafür mitverantwortlich.

Nach sieben Jahren änderte der Tod des Delfins Kathy, einer der Flipperdarsteller, O'Barrys Einstellung: Das Tier hat Selbstmord begangen, sie hörte einfach auf zu atmen. Bei Delfinen ist jeder Atemzug bewusst gesteuert. Wenn ihr Leben für sie unerträglich wird, können sie es beenden, indem sie mit dem Atmen aufhören. Spätestens seitdem war Rick O'Barry bewusst: "Delfine gehören nicht in Gefangenschaft." Heute kämpft er gegen den Fang der Meeressäuger.

Was kann ich für den Schutz der Delfine tun?

Die Tier- und Artenschutzorganisation "Pro Wildlife" hat einen Protestbrief gegen die Delfinjagd in Japan aufgesetzt, den jeder unterschreiben, online abschicken und so gegen die Fangpolitik der japanischen Regierung protestieren kann.

Außerdem hilft man den Tieren, indem man Delfinshows und Delfinarien meidet. Denn so lange das Geschäft mit den Delfinen lukrativ bleibt, werden auch noch wilde Tiere für Vergnügungsparks gefangen.

Mehr Infos zum Thema gibt es unter:
www.prowildlife.de,
www.delfine.org und
www.dolphinproject.org.

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