27. März 2013, 22:15 Uhr

Wie sicher ist meine Wohnung?

Alle vier Minuten wird in Deutschland in eine Wohnung eingebrochen. Die Täter sind in wenigen Augenblicken verschwunden und werden oft nicht gefasst. Wie man sich dagegen wappnen kann, zeigt der Test.

Ein Wohnhaus in Köln, Baujahr 1958, 15 Wohnungen. In sechs Sekunden ist die Vordertür des Mehrfamilienhauses geöffnet – wer soll so schnell etwas bemerken? Das Aufschließen mit einem Schlüssel dauert oft länger. neun von 10 Wohnungen des Hauses ist in weniger als zwei Minuten geöffnet.

Was der Sicherheitsexperte Volker Schirrmacher im stern TV-Experiment demonstriert, passiert mit echter krimineller Energie etwa alle vier Minuten irgendwo in Deutschland. Laut polizeilicher Kriminalstatistik stieg die Zahl der Wohnungseinbrüche zwischen 2008 und 2012 um fast ein Drittel auf rund 140.000 pro Jahr. Im Durchschnitt erbeuten die Täter dabei 4.500 Euro. In über 80 Prozent der Fälle werden sie nicht gefasst; die Aufklärungsquote beträgt nur 16,2 Prozent.

Bandenkriminalität aus Osteuropa

Laut Polizei nehmen die Einbrüche zu, weil immer mehr ausländische Banden in Deutschland agieren. Einst waren 80 Prozent der Täter Ortsansässige. "Die Problemlage hat sich verschärft durch größere Reisefreiheiten innerhalb der EU", erklärt Dieter Töpfer, Kriminalhauptkommissar und Leiter des Einbruchkommissariats der Kripo Düsseldorf. "Unser Hauptproblem sind die überörtlich agierenden Täter. Tätergruppen aus dem Ausland reisen wie Saisonarbeiter ein." Diese starten regelrechte Beutezüge in einzelnen Städten und Wohngebieten. Nach den Einbrüchen flüchten Einbrecher über Autobahnen und Bundesstraßen. Die Polizei ist dieser Form der Bandenkriminalität kaum gewachsen. Zumal die Diebe äußerst professionell vorgehen: Wie in unserem Experiment benötigen sie nur Sekunden, um in Wohnungen und Häuser einzudringen, nach fünf Minuten sind sie wieder weg.

Die Einbrecher rücken dafür nicht etwa mit schwerem Gerät an. Hauptwerkzeuge sind Schraubendreher, Stemmeisen, Hammer, Seil mit Schlaufe, Treibkeil – und in seltenen Fällen ein Schlagschlüssel. Eine Methode, die bei veralteten Zylindern funktioniert: Reinstecken, draufhauen, umdrehen, fertig. Mehr als 70 Prozent aller Einbrüche gehen allerdings über Fenster und Balkontüren. In einer Studie des Polizeipräsidiums Köln zeigte sich, dass bei Einfamilienhäusern 80 Prozent der Täter über die ebenerdigen Fenster oder Terrassentüren einsteigen, bei Mehrfamilienhäusern gehen etwa die Hälfte der Einbrüche über die Wohnungstür, bei Erdgeschosswohnungen bevorzugen Einbrecher wiederum Fenster und Fenstertüren. 63,7 Prozent aller Einbrüche finden in Mehrfamilienhäuser statt.

Leichtsinn ist eine Einladung

Dass Einbrecher leichtes Spiel haben, liegt aber auch daran, dass die meisten Wohnungen nicht ausreichend gesichert sind, wie unser Einbruch-Experiment beweist: Zwei der Wohnungstüren waren nur ins Schloss gezogen. Ein Leichtsinnsfehler, den viele Menschen begehen. Der Gedanke "Ich bin ja nur mal kurz weg" ist falsch. Es reicht eine einfache Scheckkarte und die Tür ist in Sekunden geöffnet. "Die Sicherungen, die man hat, sollte man auch unbedingt nutzen", betont Kriminalhauptkommissar Dieter Töpfer. Nicht gesicherte Balkontüren und gekippte Fenster sind für Einbrecher eine Einladung. "Ein gekipptes Fenster ist ein offenes Fenster", weiß Schirrmacher, der über den Balkon und mit einer Seilschlaufe binnen zwei Minuten in der Wohnung ist. Wer einige wenige Maßnahmen beherzigt, kann seine Wohnung gegen Einbruch schützen.

Einbrecher scheitern an Sicherheitstechnik

Diejenigen Wohnungstüren im Experiment, die durch Querverriegelungen oder übergroße Winkelschließbleche gesichert waren, erschwerten das Aufhebeln zwar erheblich. Aber auch sie hielten nicht lange stand: Die Beschläge seien meistens gut, erklärt Volker Schirrmacher, doch an der Montage hapere es oft, etwa wenn die Dübel zu kurz sind. Sicherheitsbeschläge in den Türrahmen mit zusätzlichen Mauerankern seien vielfach sogar sicherer als ein Türriegel. "Als Bürger sollte man sich immer bei einer polizeilichen Beratungsstelle informieren", sagt der Spezialist für Einbruchschutz. "Dort erfahre ich, welche Sicherheitsmaßnahmen ich für meine Wohnung überhaupt benötige und wie viel das kostet." Die Nachrüstung von Fenstern und Türen liegt laut Experte jeweils zwischen 140 und 360 Euro. Die Sicherheitstechnik sei aber nur die halbe Miete. Die richtige Montage ist genauso wichtig. Für eine gut gesicherte Tür benötigen Einbrecher selbst mit gutem Werkzeug zwischen fünf und 16 Minuten. Zu lange. Denn: Einbrecher sind Fluchttäter, keine Gewalttäter, weiß die Polizei. Nur in 6,3 Prozent der Fälle in der Kölner Studie waren die Geschädigten beim Einbruch zuhause. Fühlen sich die Täter gestört oder ertappt, ergreifen sie in der Regel sofort die Flucht. Und immerhin: In fast 40 Prozent der Taten bleibt es beim Einbruchsversuch, weil sie an technischen Sicherungen von Türen und Fenstern scheitern.

Auch an dem Kölner Haus, in dem stern TV eingebrochen hat, werden sich die Ganoven künftig die Zähne ausbeißen. Die Bewohner bekamen nach dem Experiment neue Wohnungstüren – mit Sicherheitsschloss!

Wohnungseinbruch verhindern
Wohnungseinbruch verhindern
Wohnungseinbruch verhindern
Wohnungseinbruch verhindern
Wohnungseinbruch verhindern So schützen Sie Ihre Wohnung

Hilfe nach einem Einbruch Für Betroffene ist ein Einbruch oftmals eine traumatische Erfahrung, von der sie lange verfolgt werden. Psychische Folgen wie Angstzustände, Albträume oder Kontrollzwänge sind keine Seltenheit. Opfer von Kriminaldlikten finden Hilfe bei der Organisation "Weißer Ring", kostenloses Infotelefon: 116 006, Internet: www.weisser-ring.de

 
 
Jetzt bewerten
0 Bewertungen
MEHR ZUM ARTIKEL
Diebe in Deutschland Winterzeit ist Einbruchszeit

Tür einfach zuziehen und auf Facebook posten, wann es in den Urlaub geht? Keine gute Idee! Alle vier Minuten wird in Deutschland eingebrochen - gerade in den Wintermonaten haben Diebe Konjunktur.

Bei Diebstahl hilfreich Das leisten Hausratversicherungen

Eine Hausratversicherung ist nicht zwingend. Wer bei einem Einbruch bestohlen wird, darf als Versicherter jedoch mit Ersatz rechnen. Plus: Die Policen springen auch bei anderen Wohnungsschäden ein.