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5. September 2007, 22:15 Uhr

Fastfood gegen Bio-Essen

Das stern TV-Experiment, Teil 1

Schadet Fastfood dem Körper? Ist Bio-Essen wirklich gesünder? stern TV führt ein in Deutschland einmaliges Experiment mit zwei Zwillingspaaren durch. 30 Tage lang dürfen sich die einen nur von Fritten und Burgern ernähren, die anderen bekommen ausschließlich Vollwertkost.

© stern TV

Was passiert mit dem Körper, wenn man sich vier Wochen lang ausschließlich von Fastfood ernährt? Legt man an Gewicht zu, verschlechtern sich die Blutwerte? Das will stern TV wissen und beginnt einen aufwändigen Versuch unter wissenschaftlicher Aufsicht.

Zwei Zwillingspaare sind die Probanden. Rudolf und Robert sind 38 Jahre alt und wiegen zu Beginn des Experiments rund 77 Kilogramm. Tina und Elisa sind 21 Jahre alt, wiegen 64 und 61 Kilogramm. Für die kommenden 30 Tage müssen die vier einen strengen Ernährungsplan einhalten. Robert und Elisa dürfen sich nur von Fastfood ernähren: Burger, Döner, Pizza. Für Rudolf und Tina das Kontrastprogramm: ausschließlich Bio-Vollwertkost.

Genaue Überwachung Zu Beginn unterziehen sich die Probanden einem intensiven ärztlichen Check im Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE): Glucose- und Laktatwerte, Körpergewicht und der Anteil des Körperfetts werden gemessen. In einem sportlichen Leistungstest wird die Fitness von Rudolf, Robert, Tina und Elisa festgestellt.

Während des Experiments notieren die vier Tag für Tag, was genau sie essen und wie viel Geld sie dafür ausgeben. Und sie filmen alles mit der Kamera. Nach vier Wochen dann die erneute medizinische Untersuchung: Welchen Effekt haben Fastfood und Bio-Kost auf den Körper? Wie haben sich die Werte bei den vergleichbaren Zwillingen entwickelt?

Gibt es den "Supersize"-Effekt? Weltweit war er für die Zuschauer ein Schock: der Film "Super Size Me". Der Amerikaner Morgan Spurlock hatte sich angeblich vier Wochen lang ausschließlich von McDonald’s-Essen ernährt. Die Bilanz nach 30 Tagen: 13 Kilogramm Gewichtszunahme, schlechtere Leber- und Cholesterinwerte. Die Botschaft von Spurlocks Film: Fastfood ist Teufelszeug.

Doch von Anfang an gab es - nicht nur unter Fastfood-Fans - Skeptiker, die Spurlocks Seriosität anzweifelten. Ernährungsexperten wie zum Beispiel Udo Pollmer sagen, ein gesunder Mensch könne nicht ohne Weiteres so viel Gewicht in so kurzer Zeit zulegen.

Wer hat Recht? Der Ausgang des stern TV-Experiments ist offen. Ärzte dokumentieren penibel, was mit den Probanden während des Versuchs passiert. Günther Jauch wird in den kommenden Wochen über die Ergebnisse berichten.

Was ist Körperfett?

Als Körperfett wird der Anteil des Fettes am gesamten Körpergewicht bezeichnet. Welcher Körperfettanteil unbedenklich ist, hängt von den Faktoren Geschlecht und Alter ab: Bei Frauen unter 20 etwa wird ein Anteil von 22 bis 27 Prozent am Gesamtgewicht als normal bezeichnet, während er bei Männern grundsätzlich fünf Prozent niedriger angesetzt wird. Mit steigendem Alter erhöht sich der Körperfettanteil leicht: Bei Frauen ab 40 Jahren gilt ein Anteil von 25 - 30 Prozent noch immer als unbedenklich. Kritische Werte beginnen bei Frauen mittleren Alters bei etwa 30 Prozent, bei Männern wiederum fünf Prozent niedriger. Es gibt verschiedene Messmethoden, die ambulant durchgeführt werden.

Was ist Glucose?

Glucose steht für Blutzucker. In Folge einer ungesunden Ernährungsweise können die Glucosewerte steigen und somit zu einer Erkrankung an Diabetes Typ 2 führen.

Ein gesunder Mensch hat in nüchternem Zustand (vor dem Essen) einen Blutzuckerwert von höchstens 110 Milligramm pro Deziliter (mg/dl)Blut. Nach dem Essen kann der Wert auf bis zu 140 mg/dl steigen. Kritisch sind mehr als 120 mg/dl in nüchternem Zustand und über 180 mg/dl nach der Mahlzeit.

Gemessen wird der Glucosewert mit einem oralen Glucosetoleranztest (oGTT). Damit wird festgestellt, wie der Körper eine bestimmte Menge Zucker verarbeitet.

Was sind Laktatwerte?

Bei Anstrengung produziert der Körper Laktat (Milchsäure). Hierbei handelt es sich um ein Stoffwechselprodukt, an dem sich messen lässt, ob jemand seinen Körper überlastet. Spitzensportler produzieren demnach trotz großer Anstrengungen wenig Laktat, während untrainierte Menschen schnell hohe Laktatwerte haben.

Was ist der Grundumsatz?

Als Grundumsatz bezeichnet man die Energiemenge, die der Körper im Ruhezustand und bei einer Umgebungstemperatur von 28 Grad verbraucht. Es handelt sich also um den Mindestverbrauch an Energie, der etwa im Schlaf benötigt wird.

Hinzu kommt der Arbeitsumsatz, also die Menge Energie, die während der täglichen Beschäftigungen aufgebracht wird. Gemessen werden beide Werte in Kilocalorien (Kcal).

Beispiele: Eine 35-jährige Frau (170 cm, 60 kg) hat im Ruhezstand einen Grundumsatz von etwa 1400 Kcal. Arbeitet sie sitzend, also mit wenig körperlicher Anstrengung, beträgt ihr Arbeitsumsatz etwa 600 Kcal. Ihr Gesamtumsatz beträgt demnach etwa 2000 Kcal pro Tag.

Mehr ist es bei einem 40-jährigem Mann (180 cm, 80 kg), der einen körperlich sehr anstrengenden Beruf ausübt: Sein Grundumsatz beträgt etwa 1800 Kcal, hinzu kommt ein Arbeitsumsatz von gut und gerne 2200 Kcal. So verbraucht er insgesamt rund 4000 Kcal.

Was bedeutet "Vollwert", was "Bio"?

Eine Kost gilt dann als vollwertig, wenn sie - ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge -alle nötigen Nährstoffe in ausreichender Menge, im richtigen Verhältnis und in der richtigen Form enhält; auch der Sättigungswert der Lebensmittel muss beachtet werden. Das richtige Verhältnis ist nach Meinung der meisten Ernährungswissenschaftler: 50 bis 60 Prozent der Kalorien aus Kohlenhydraten, 30 Prozent aus Fett, maximal 20 Prozent aus Eiweiß.

"Bio-Produkte" sind aus biologischem Anbau, der die Umwelt schont. Bei der Auswahl der Lebensmittel berät Sibylle Hartmann die beiden Probanden der "Bio-Fraktion" im Experiment, Tina und Rudolf.

Sie sollen sich vollwertig ernähren und dabei auf Bio-Produkte zurückgreifen. Sie können in Bio-Supermärkten (bzw. -Abteilungen) und auf Bio-Wochenmärkten einkaufen oder in Restaurants mit biologisch-organischer Küche essen gehen.

Was bedeutet Fastfood?

Im stern TV-Experiment gilt als Fastfood Essen, das für den raschen Verzehr zubereitet wird. Dazu gehören einerseits die Angebote der bekannten Ketten wie McDonald's, Burger King und Wienerwald, andererseits auch z.B. die Currywurst vom Imbissstand oder ein Döner Kebap auf die Hand.

Robert und Elisa, die "Fastfood-Fraktion", sollen täglich mindestens eine Hauptmahlzeit bei einer der Fastfood-Ketten oder in einem Schnellimbiss zu sich nehmen. Die andere Hauptmahlzeit können sie wahlweise mit Pizza oder Lieferservice-Gerichten abdecken. Trinken dürfen sie zuckerhaltige Getränke wie z.B. Cola, so viel sie wollen. Zum Frühstück gibt es Kuchen, Sandwich oder die Angebote von McDonald's & Co. Es gibt keine Mindestverzehr-Pflicht - aber auch keine Mengenbeschränkung.

So sieht eine gesunde Ernährung aus

Der aid Infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V. hat eine "Ernährungspysramide" entwickelt, die veranschaulicht, wie viel wovon am Tag gegessen werden darf. Dabei entspricht eine Portion etwa einer Handvoll, was dann eine Scheibe Vollkornbrot oder Käse, oder auch ein Stück Fleisch sein kann.

Diese Mengen gelten als Maßgabe für die tägliche vollwertige Ernährung:

- Viel trinken: Mineralwasser, Leitungswasser, Kräuter- und Früchtetee, stark verdünnte Säfte (1 1/2 bis 2 Liter)

- Gemüse und Salat (3 Portionen): Gegartes Gemüse, Salate und Rohkost, Hülsenfrüchte (Bohnen, Kicher-/ Erbsen, Linsen und Sojabohnen)

- Obst (2 Portionen): am besten frisch und der Saison entsprechend, Trockenobst

- Brot, Getreide und Beilagen (4 Portionen): Brot, Brötchen, Körner- mischungen, Getreideflocken, Müsli sowie Beilagen wie Reis, Nudeln und Kartoffeln

- Milch und Milchprodukte (3 Portionen): Milchprodukte, Milch, Joghurt, Kefir, Buttermilch, Quark, Käse (möglichst unter 45 % Fett i. Tr. bzw. unter 20 % absolut)

- Fleisch, Fisch, Wurst und Ei: Nur eine Portion aus dieser Kategorie!

- Fette und Öle (2 Portionen): Butter, Margarine, Speiseöl, Bratfette, Sahne, Majonäse, Nüsse, Ölsaaten

- Extras (1 Portion): Süßigkeiten, Gebäck, salzige und fette Knabbereien wie Chips, Pommes frites, alkoholhaltige Getränke (z. B. Alkopops)

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