Es ist der Fall einer Frau, die seit 22 Jahren in der Todeszelle sitzt, verurteilt wegen Anstiftung zum Mord an ihrem Sohn. Ihre Schuld steht jedoch infrage. Lesen Sie hier die Abfolge der Ereignisse:
Debra Milke sitzt seit 22 Jahre in der Todeszelle in Arizona. 1990 wurde die gebürtige Berlinerin wegen Anstiftung zum Mord verurteilt. Sie soll den Mord an ihrem eigenen Sohn angezettelt haben. Die gebürtige Berlinerin beteuerte stets ihre Unschuld, allein die Aussage eines Polizeiermittlers war der entscheidende Beweis für ihre verurteilung. Nun hat ein US-Revisionsgericht das Todesurteil aufgehoben: Debra habe keinen fairen Prozess erhalten.
Lesen Sie hier eine Chronologie der Ereignisse, die zu diesem Gerichtsbeschluss führten.
10. März 1964: Debra Jean Milke wird als Tochter der Deutschen Renate Sadeik (jetzt: Renate Janka) und des US-Amerikaners Richard Sadeik in Berlin-Lichterfelde geboren.
02. Mai 1965: Die Familie zieht erstmals in die USA nach Montana.
1967 – 1983: Verschiedene Umzüge der Familie innerhalb der USA, nach der Scheidung der Eltern zieht die Mutter Renate Sadeik zurück nach Deutschland. Debra bleibt in den USA. Die jüngere Schwester Sandy bleibt beim Vater Richard Sadeik in Florence, Arizona.
April 1983: Debra lernt Mark Milke kennen und die beiden werden nach kurzer Zeit ein Paar.
Juli 1984: Debra verlässt Mark Milke aufgrund dessen Alkohol- und Drogenproblemen.
September 1984: Debra kehr zu Mark Milke nach Phoenix zurück.
22. Dezember 1984: Debra und Mark Milke heiraten.
02. Oktober 1985: Sohn Christopher Conan Milke wird geboren. Mark Milkes anstehende Gefängnisstrafe wird aufgrund der Geburt verschoben.
1985 – 1989: Mark Milke ist wegen Alkohol- und Drogendelikten mehrfach im Gefängnis.
19. April 1988: Debra stellt einen Antrag auf Auflösung der Ehe.
27. Juni 1988: Debra erwirkt gegen Mark eine Schutzanordnung, dass er sich ihr nicht mehr nähern darf.
November 1988: Debra wird von Mark Milke geschieden und stellt einen Antrag auf alleiniges Sorgerecht, Mark darf Christopher unter Aufsicht sehen.
Juli 1989: Nach Drohungen und Kidnapping-Versuchen versteckt sich Debra mit Sohn Christopher bei einem Freund ihrer Schwester, James Styers, bei dem sie vorübergehend zur Untermiete wohnen will.
August 1989: Debra findet eine neue Arbeitsstelle bei einer Versicherungsgesellschaft in Tempe und kümmert sich um einen Kindergartenplatz für Christopher, sowie um eine Wohnung.
24. November 1989: Debra sagt James Styers, dass sie zum Januar ausziehen wird.
02. Dezember 1989: Christopher wird in der Wüste erschossen aufgefunden. Debras Mitbewohner James Styers und dessen Freund Richard Scott hatten den Jungen mit zum Einkaufen genommen, wo er angeblich verschwand. Die beiden verwickeln sich in Widersprüche und werden verhaftet.
03. Dezember 1989: Debra wird nach einer Befragung durch Detective Armando Saldate verhaftet.
04. Dezember 1989: Die Untersuchungen im Fall Christopher Conan Milke werden eingestellt.
06. Dezember 1989: Detective Armando Saldate gibt seinen Untersuchungsbericht ab. Den Medien gegenüber sagt er, Debra Milke habe ihm gegenüber das Mordkomplott gestanden. Beweise für ein Geständnis, wie Tonaufnahmen, Zeugen oder eine Unterschrift von Debra Milke unter dem Geständnis fehlen. Sie soll ihren Mitbewohner James Styers und dessen Freund Richard Scott zum Mord an ihrem Sohn angestiftet haben, um eine Lebensversicherung von 5000 Dollar zu kassieren.
08. Dezember 1989: Debra wird angeklagt. Einziger Zeuge ist der Detective Armando Saldate.
12. Oktober 1990: Debra wird wegen Konspiration zum Mord, Kidnapping, Kindesmissbrauch und verübten Mordes schuldig gesprochen.
11. Januar 1991: Richterin Cheryl Hendrix ordnet die Todesstrafe an.
1991 bis 1993: Im Berufungsverfahren wird die Strafe für Kindesmissbrauch fallen gelassen, da sie nicht hinreichend bewiesen werden konnte.
1993 bis 1997: Debbies Anwalt Anders Rosenquist und Privatdetektiv Kirk Fowler beantragen die Zulassung neuer Beweismittel, die erst nach dem Schuldspruch geltend gemacht werden können. Zudem greifen sie die Glaubwürdigkeit von Detective Saldate an, er habe gelogen. Denn mittlerweile ist bekannt geworden, dass in Saldates Bezirk fünf Unschuldige als Mörder verhaftet wurden. Doch das zuständige Gericht lehnt ab.
1997: Schauspielerin Uschi Glas erfährt von Debra Milkes Schicksal und engagiert sich für eine Wiederaufnahme des Verfahrens. Weitere Unterstützer sind der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker und Moderator Günther Jauch.
19. Dezember 1997: Das Bundesgericht von Arizona ordnet die Exekution für den 29. Januar 1998 an.
Januar 1998: Debra wird abgeholt und zu einem "Probelauf" zur Hinrichtungskammer gebracht. Unterdessen beantragt ihr Anwalt eine Revision ihres Urteils. Kurz vor dem Exekutionstermin erhält Debbie ein Aufschub für eine erneute Prüfung ihre Falls.
1998 bis 2013: Die Berufungsverfahren ziehen sich hin, die Hinrichtung wird verschoben. Bei den Verfahren geht es vor allem um die Frage, ob Debra freiwillig, wissentlich und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte auf ihre sogenannten "Miranda rights" verzichtet hat, also auf das Recht auf einen Anwalt und das Recht, während der Vernehmung durch die Polizei zu schweigen.
20. Juni 2001: stern TV berichtet über den Fall. Es ist es das erste Fernsehteam, das in den Hochsicherheitstrakt von Perryville darf. Als es Armando Saldate zu diesem Thema befragt, bricht er das Interview ab.
2002: Debras Mutter Renate Janka schreibt ein Buch mit dem Titel "Lasst meine Tochter endlich frei".
15. März 2013: Nach 22 Jahren in der Todeszelle urteilt das neunte Berufungsgericht, dass Debra keinen gerechten Prozess erhalten hat und hebt das Todesurteil auf. Jetzt muss die Staatsanwaltschaft entscheiden: Entweder gibt es nun einen neuen Prozess - oder Debra kommt binnen 30 Tagen frei.