In Deutschland leben rund sechs Millionen Menschen mit Diabetes. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn bei vielen ist die Zuckerkrankheit noch unerkannt. stern TV erklärt Anzeichen und Risiken.
Zwei grundverschiedene Menschen, die eins gemeinsam haben: Matthias Steiner, 29 Jahre alt, Olympiasieger im Gewichtheben. Und Judith Kolodziej, sieben Jahre alt, Schülerin. Beide leiden an Diabetes Typ 1: Ihr Körper produziert kein Insulin. Das lebenswichtige Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, hilft dem Körper, den Blutzucker abzubauen und in Energie umzuwandeln. Es sorgt beispielsweise dafür, dass der Zucker von den Muskelzellen aufgenommen werden kann. Kann der Blutzuckerspiegel auf diese Weise nicht gesenkt werden, folgen Organschädigungen bis hin zum Herzinfarkt. Mehrmals täglich müssen Diabetiker wie Matthias Steiner und Judith Kolodziej das Insulin deshalb spritzen. Ihr Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar.
Dass ein Leben mit dieser Krankheit - gerade für ein Kind und dessen Familie - nicht leicht ist, zeigt ein Blick in den Alltag von Judith Kolodziej. Ihre Mutter beobachtet das Mädchen rund um die Uhr, die beiden Brüder müssen solange zurückstecken. "Es könnte jederzeit passieren, dass Judith unerwartet in den Unterzucker kommt", sagt Grit Kolodziej. "Und ein Unterzucker würde bedeuten, im schlimmsten Fall, dass sie krampfen würde und das könnte lebensbedrohlich für sie sein." Um dem vorzubeugen, wird Judiths Blutzucker mehrmals täglich an einem Blutstropfen aus dem Finger kontrolliert. Je nach Ergebnis errechnen die Eltern bei jeder Mahlzeit penibel, was ihre Tochter essen darf und wie viel Insulin sie ihrem Körper zuführen muss, um den Blutzucker wieder abbauen zu können. Eine Insulinpumpe gibt das Hormon durch einen dünnen Schlauch an Judiths Körper ab. Alle zwei Tage müssen Nadel und Schlauch der Pumpe mit einem Pieks in die Haut neu angebracht werden - an immer wechselnden Stellen. Für die Achtjährige jedes Mal eine Tortur.
Matthias Steiner dagegen hat sich bereits voll auf die Krankheit eingestellt - ist sogar erfolgreicher Gewichtheber und Goldmedaillengewinner der Olympischen Spiele. An Trainingstagen muss er seinen Blutzucker bis zu 15 Mal kontrollieren. Denn durch das Training und die Mahlzeiten verändert sich sein Zuckerspiegel laufend. Essensmenge, Trainingsdauer, Kohlenhydrate - ständig muss Steiner rechnen und Insulin spritzen. Er benutzt dazu einen kleinen Injektionsstift.
Wie Matthias Steiner und Judith Kolodziej geht es gut 200.000 Menschen in Deutschland. Menschen, die einen Typ 1-Diabetes haben. Weit häufiger und auf dem Vormarsch ist allerdings Diabetes Typ 2. Der Grund: Übergewicht, falsche Ernährung, Bewegungsmangel - verbreitete Probleme in unserer Bevölkerung. Besonders gefährdet sind Menschen ab 55 Jahren. Doch auch viele dicke Kinder tragen ein Risiko oder sind bereits erkrankt. Wie viele Menschen auf dem Weg zur Zuckerkrankheit sind oder sie bereits haben, ist nicht bekannt. Geschätzt werden über sechs Millionen, diagnostiziert sind etwa vier Millionen. "Die wirklichen Zahlen für Diabetes in Deutschland, die wir nicht kennen, werden dramatisch unterschätzt", sagt Dr. Matthias Frank vom Krankenhaus Neunkirchen. Der Zuschauertest im stern TV-Studio überrascht ihn deshalb nicht: Bei knapp der Hälfte aller getesteten Zuschauer zeigte sich anhand des Blutzuckerwertes ein erhöhtes oder sogar sehr hohes Risiko.
Bei Menschen mit Diabetes Typ 2 fehlt der Bauchspeicheldrüse nicht gänzlich die Fähigkeit Insulin zu bilden. Ihr Insulin schafft es nur nicht mehr, den Blutzucker ausreichend zu senken - unter anderem durch permanent falsche Ernährung, einen ständig erhöhten Blutzucker und zu wenig Bewegung. Viele Typ 2-Diabeteserkrankungen sind allerdings noch heilbar. Wird das Problem frühzeitig erkannt, lässt sich der Diabetes durch Gewichtsabnahme, Ernährungsumstellung und Bewegung in den Griff bekommen.
Und auch Menschen mit Diabetes Typ 1 können lernen, mit der Krankheit zu leben. Bei Matthias Steiner klappt das Ausloten von Blutwerten und Insulinbedarf gut, sogar als Leistungssportler. Und auch Judith ist dabei, sich auf dieses Leben einzustellen, damit ihr Alltag so normal wie möglich sein kann.
Anlaufstelle für Betroffene Informationen zum Thema erhalten Betroffene beispielsweise hier:
Deutsche Diabetes-Stiftung
Staffelseestr. 6
81477 München
Tel. 0 89 / 579 579-0
Fax 0 89 / 579 579-19
E-Mail: info@diabetesstiftung.de
Internet: www.diabetes-risiko.de