Ein dummer Spruch, ein provokanter Angriff - darauf haben die wenigsten eine schlagfertige Antwort. Stattdessen: Herzrasen, Wut! stern TV zeigt, warum das so ist und wie es richtig geht.

Oft kommt uns die passende Antwort erst Stunden später in den Sinn. Doch Schlagfertigkeit kann man üben.© Colourbox
Auch in überraschenden Situationen spontan oder souverän reagieren zu können, das wünschen sich die meisten. Tatsächlich ist das eine Kunst. Doch nur die wenigsten beherrschen sie, wie der stern TV-Test beweist: Die allermeisten Menschen reagieren auf Provokationen und persönliche Angriffe sprachlos, perplex und fühlen sich vor den Kopf gestoßen. "Unverschämtheit!", denkt man meist noch. Und anstatt dem frechen Gegenüber mit einer originellen Antwort den Wind aus den Segeln zu nehmen, bleiben wir mit dem unangenehmen Gefühl der Ohnmacht zurück. Die passende Retourkutsche fällt uns zwar noch ein - doch leider erst Stunden später.
Woran liegt es, dass wir oft nicht spontan reagieren können? Und warum sind manche Menschen schlagfertiger als andere? Eine Antwort auf diese Fragen hat Professor Elger von der Universitätsklinik Bonn gefunden. Anhand von Hirnstrommessungen kann er erkennen, was im Gehirn passiert, wenn ein Mensch akustisch provoziert wird. "Der unerwartete Reiz aktiviert das Gehirn ungewöhnlich stark und lange", so der Hirnforscher. Wenn wir emotional erregt werden, sind unsere Nervenzellen erst einmal blockiert. Dann ist schlagfertiges Handeln so gut wie unmöglich. Manche Menschen lassen sich allerdings nicht so schnell aus der Ruhe bringen, wie Elger weiter erklärt: "Jemand der sehr schlagfertig ist, bei dem ist der Reiz nach einer halben Sekunde wieder auf Null und das Gehirn ist bereit für eine Reaktion".
Doch Schlagfertigkeit lässt sich antrainieren. Dass Übung echte Meister macht, beweist Fischverkäufer Dieter Bruhn, alias "Aale-Dieter". Für ihn ist Schlagfertigkeit das halbe Geschäft - und nach 50 Jahren Routine. Auf dem Hamburger Fischmarkt fordert er Kunden du Zuschauer gekonnt mit provokanten Sprüchen heraus und reagiert schlagfertig auf jede Form des Widerspruchs.
Experte Matthias Pöhm ist davon überzeugt, dass jeder die Fähigkeit zum schlagfertigen Reagieren besitzt. In Seminaren gibt der Trainer für Schlagfertigkeit und Rhetorik seinen Teilnehmern das passende Handwerkszeug mit auf den Weg. "Wichtig ist es, dass man überhaupt reagiert", so Pöhms Grundregel Nummer eins. Zudem solle man Vorwürfe nicht so ernst und persönlich nehmen. Das helfe, gelassener zu reagieren und somit auch der Schlagfertigkeit. Denn was viele von uns kennen: Wenn Menschen provoziert werden, ihnen aber nichts Schlagfertiges einfällt, steigt die innere Anspannung und sie reagieren aggressiv.
Eine ebenso typische Reaktion: Sprachlosigkeit. In einem Versuch des stern TV-Test fordert ein Gitarrenspieler in der Fußgängerzone für seine schrägen Töne dreist seinen Obolus von den Passanten. In ihrer Überrumpelung kommen viele gleich der Aufforderung nach - schweigen und bezahlen.
Dabei ist es recht einfach, sich aus überfallartigen Situationen zu befreien, wie Matthias Pöhms Tipps für mehr Schlagfertigkeit im Alltag zeigen. Eine Urstrategie dabei: Fragen stellen. Denn damit kann man sein Gegenüber blitzschnell ablenken. "Das Zuhörerhirn konzentriert sich sofort auf den Inhalt einer Frage, sobald eine gestellt wird", sagt Pöhm. "Denn dann ist der andere in der Bringschuld. Mit einer Frage oder Gegenfrage kann man den Angreifer auf Distanz halten." Sprachlosigkeit ist aber nicht per se die falsche Strategie. Denn auf manchen dummen Spruch kann man auch einfach schweigen und den Angriff ins Leere laufen lassen – am besten mit einem vielsagenden Blick!